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Blicke in die Vergangenheit
- Foto: Miehl
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Am 12. Juli enden die diesjährigen Passionsspiele in St. Margarethen. Wie sie Franz Miehl geprägt haben, erzählt er in einem Gespräch, das CHRISTOPHER ERBEN aufgezeichnet hat.
„30 Jahre war ich für die Leitung der Passionsspiele mitverantwortlich“, erzählt Franz Miehl und blättert stolz in der Chronik, die er zur deren 100-jährigem Jubiläum geschrieben hat. „Das ist schon eine sehr lange Zeit.“ Der im Jahr 1946 geborene St. Margarethner wirkte bereits als Kind mit. Jahre später gehörte er dem Vorstand für die Organisation und die Finanzen an sowie als Leiter des Passionsspielbüros. Bis zu seiner Pensionierung arbeitete er als Lehrer am Bundesrealgymnasium in Eisenstadt.
Franz Miehl: Die Idee zu den Spielen entstand im Katholischen Burschenverein, der im Jahr 1921 von Pfarrer Josef Kaindlbauer gegründet wurde. Emmerich Unger war dessen langjähriger Obmann und – nachdem er in Großhöflein sowie in Wien anlässlich des Katholikentages in Wien ein Passionsspiel miterlebt hatte – wollte er es anlässlich des fünfjährigen Gründungsfestes des Burschenvereines in St. Margarethen zur Aufführung bringen. Gesagt, getan. Aufgeführt wurde die Geschichte vom Leben, Leiden, Sterben und der Auferstehung Jesu Christi erstmals im Bauernhof seiner Eltern. „Eine einfache Bretterbühne wurde mit einigen bemalten Kulissen und Vorhängen errichtet“, erinnerte sich dieser im Jahr 1961. Von 1933 bis 1956 wurden die Spiele im 1929 errichteten Pfarrgemeindehaus aufgeführt. Da die Passion 1956 sehr erfolgreich war, konnte mit der längst notwendigen Erweiterung der 1965 fertiggestellten Pfarrkirche begonnen werden. Auf der Suche nach einer neuen Spielstätte entschied die Leitung im Jahr 1961, die Passionsspiele im nahegelegenen Steinbruch alle fünf Jahre aufzuführen. In den darauffolgenden Jahren wurde die Zuschauertribüne von 1.500 auf 3.500 Sitzplätze erweitert. Auch die Schar der Mitwirkenden wurde immer größer: Waren es 1936 noch 200 ehrenamtliche Darsteller und Mitwirkende, wirkten um die Jahrtausendwende rund 700 mit, die auf und hinter der Bühne tätig waren. Seit 2022 wird auf der kleinen Steinbruchbühne mit über 2.000 Sitzplätzen von 450 Personen die Passion dargestellt.
Doch nicht nur bei den Passionsspielen – auch bei der „Europassion“ engagiere ich mich seit langem, weil ich finde, dass der Austausch untereinander sehr wichtig ist. Diese Vereinigung zählt über 80 Passionsspielgruppen in 16 europäischen Ländern, die sich jährlich zu einem Kongress treffen – heuer in St. Margarethen. Finanzielle Aufbauhilfe haben die Passionsspiele St. Margarethen nach der „Samtenen Revolution“ in Ungarn, Rumänien und Tschechien geleistet, damit auch dort wieder Passionsspiele weitergeführt werden konnten. Der Reingewinn unserer Aufführungen wird übrigens jedes Spieljahr neu auf Grundlage einer Spielerbefragung aufgeteilt und fließt an die Pfarre sowie an Projekte in der Mission; ebenso wurden Behinderteneinrichtungen unterstützt.
Ja, für die Festschrift konnte ich in die Vergangenheit der Spiele eintauchen und mich daran erinnern. Unsere Passionsspiele entwickeln sich zwar alle fünf Jahre in Text und Darstellung weiter; das Ziel – die Verkündigung des Evangeliums – bleibt jedoch gleich.
Autor:martinus Redaktion aus Burgenland | martinus |
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