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Anton Widlhofer: ein Leben für Kinder, Kirche und Gemeinschaft

Toni Widlhofer anlässlich seines 95. Geburtstags mit Pfarre r i.R. Mathias Reiner (li.) und Pfarrer P. Jomon Joseph Thondickakuzhiyil.  | Foto: Toni Widlhofer junior
  • Toni Widlhofer anlässlich seines 95. Geburtstags mit Pfarre r i.R. Mathias Reiner (li.) und Pfarrer P. Jomon Joseph Thondickakuzhiyil.
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Zum 95. Geburtstag ein Porträt über einen Mann, der die Kirche im Burgenland nicht nur erlebt, sondern mitgestaltet hat.

Er hat Generationen begleitet, Kinder unterrichtet, Jugendgruppen betreut und das kirchliche Leben im Burgenland über Jahrzehnte mitgeprägt: Anton „Toni“ Widlhofer gehört zu jener Generation, die nach dem Krieg aus wenig viel gemacht hat.

Als Lehrer, Jugendbetreuer und engagierter Christ hat er Spuren hinterlassen – und blickt mit 95 Jahren dankbar zurück.

IM SCHATTEN DES KRIEGES
Seine Schuljahre fielen in die Periode des Zweiten Weltkriegs – eine „sehr prägende Zeit“, erinnert sich Toni Widlhofer. „Keine normale Schulzeit, wie sie die Jugendlichen heute erleben dürfen“. Von 1942 bis 1944 besuchte er die von den Nationalsozialisten geführte „Staatliche Oberschule für Jungen“ im Gebäude des heutigen Theresianums in Eisenstadt. Schon damals spürte er eine unbewusste Verbindung zu dieser Stadt, in der er später hauptamtlich tätig sein sollte. Den Bombenangriff auf Eisenstadt erlebte er im Keller des heutigen Hauses der Begegnung, damals das Internat der Schule. „Einige Häuser in der Hauptstraße wurden zerstört, etwa 20 Leute verloren ihr Leben“, erinnert sich der 95-jährige.

Der Krieg selbst endete kurz bevor er – mit nur 15 Jahren – eingezogen werden sollte. Nach Kriegsende besuchte Toni Widlhofer das Gymnasium in Mattersburg. Den täglichen Schulweg – sechs Kilometer hin und sechs zurück – legte er zu Fuß zurück. Später bestand er die Aufnahmeprüfung für die Lehrerbildungsanstalt in Wiener Neustadt und kam ins Internat. Der Weg dorthin glich aus heutiger Sicht einem Abenteuer. „Wir sind mit dem Pferdewagen hingefahren, einen Strohsack als Matratze für das Holzbett hinten drauf. Wiener Neustadt lag in Trümmern. Es waren Zeiten der Not, aber wir haben es durchgestanden“, sagt er leise.

UNTERWEGS IM AUFTRAG DER JUGEND
Anfang der 1950er Jahre erhielt Widlhofer eine Anfrage aus Eisenstadt: Durch den damaligen Bischof, Josef Schoiswohl, wurde er in der Katholischen Jugend tätig. Bald darauf leitete er mit Hans Graf hauptamtlich die Katholische Jungschar – eine Zeit, an die er sich besonders gern erinnert. Der damalige Leiter der MIVA, Karl Kumpfmüller, trat 1952 an die Führung der Apostolischen Administration heran (das Gebiet wurde erst 1960 zur Diözese erhoben). Er wollte die Sternsingeraktion auch im Burgenland verwirklichen. Toni Widlhofer wurde eingeladen, Kumpfmüller durch das Burgenland zu begleiten – ein Angebot, das er gerne annahm.

Mit dem MIVA-Jeep fuhren sie von Pfarre zu Pfarre, überall wurden sie herzlich empfangen. „Diese Aktion wurde letztendlich zur Geburtsstunde der Dreikönigsaktion. Das Ziel war es, für einen Missionar in Uganda zu sammeln, der dringend ein Motorrad benötigte.“, erzählt er mit einem Lächeln. Das Ergebnis war für die damalige Zeit überwältigend: Rund 60.000 Schilling kamen österreichweit zusammen – genug, um gleich drei Motorräder anzuschaffen. Neben dem Missionar in Uganda konnten so zwei weitere Missionare unterstützt werden. Von da an wuchs die Dreikönigsaktion stetig.

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit waren die zahlreichen Fortbildungs- und Schulungskurse, die unter anderem im Bildungshaus Forchtenstein stattfanden. An diese Zeit erinnert sich Toni Widlhofer gerne – auch aufgrund der guten Zusammenarbeit mit dem damaligen Bischofssekretär Ladislaus Triber, mit dem ihn eine enge Freundschaft verband. Triber war als Geistlicher für die Katholische Jugend zuständig und spielte so eine tragende Rolle in deren Entwicklung. Später wurde er Pfarrer von Oberwart. Unter seine Zeit als Pfarrer fiel der Neubau der modernen Osterkirche, die damals als revolutionär galt.

IM DIENST DER KATHOLISCHEN AKTION
Von 1958 bis 1960 war Toni Widlhofer im Sekretariat der Katholischen Aktion tätig. Für ihn war die Katholische Aktion vor allem mit zwei Persönlichkeiten verbunden: Prälat Wilhelm Grafl und Hans Rosnak. Diese beiden haben die Bewegung getragen und entscheidend geprägt. Neben seinen Aufgaben im Sekretariat übernahm Widlhofer auch die Gestaltung des Jahrbuchs der Diözese Eisenstadt, das er fünf bis sechs Ausgaben lang mitgestaltete, bevor ein professioneller Künstler die Arbeit übernahm. Er beschreibt sich selbst dabei als „Greenhorn“, das aber doch ein gewisses Talent gehabt habe.

Einen besonderen Höhepunkt seiner Tätigkeit sieht er in der Organisation und Betreuung der burgenländischen Teilnehmer am Eucharistischen Kongress 1960 in München – dem ersten internationalen Großereignis in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals war er dafür verantwortlich, dass zwei Busse aus dem Burgenland nach München fuhren, um an den Veranstaltungen teilzunehmen. Diese Aufgabe, gemeinsam mit Pfarrer Stefan Widder aus Mörbisch, habe ihm viel bedeutet. „Das war das erste Mal, dass ich gespürt habe: die katholische Kirche ist eine wirklich weltumspannende Gemeinschaft“, denkt Toni zurück. Besonders prägend war die Begegnung mit Otto von Habsburg und seiner Familie während einer Messe, die sie zusammen mit Bischof Stefan László feierten. Auch die ehemalige Kaiserin Zita war dabei – die Mutter von Otto von Habsburg und Großmutter des heutigen Familienoberhaupts Karl Habsburg, der damals noch ein kleines Kind war.

Toni Widlhofer erzählt: „Es war schön mitanzusehen, wie glücklich Otto von Habsburg damals war, als der Bischof einige Sätze in Ungarisch bei der Predigt gesprochen hat. Sogar Ex-Kaiserin Zita durfte ich persönlich kennenlernen. Die Habsburger durften ja zu dieser Zeit noch nicht nach Österreich zurückkehren, und so war diese Begegnung etwas ganz Besonderes für mich.“

ZURÜCK IN DIE HEIMAT NACH WIESEN
Nach seiner Zeit im Bischofshof begann Anton Widlhofer seine Lehrerlaufbahn in Wiesen. 32 Jahre unterrichtete er dort, zwölf davon als Volksschuldirektor. Auch diese Zeit bleibt ihm in guter Erinnerung. In der Pfarre wurde er durch sein Engagement, unter anderem als Ratsvikar, eine verlässliche Stütze. Gemeinsam mit Pfarrer Mathias Reiner, der für die Familie Widlhofer über Generationen eine wichtige Bezugsperson wurde, gründete er 2007 den Pfarrmotor, das Pfarrblatt von Wiesen, das seither zweimal jährlich erscheint. Seit der ersten Ausgabe liest Widlhofer jedes Heft Korrektur und steuert bis heute Beiträge bei. Pfarrer Mathias Reiner war auch bei Taufen, Hochzeiten und später bei der Taufe mehrerer Urenkelkinder der Familie Widlhofer dabei – eine Verbundenheit, die geblieben ist.

Seinen 95. Geburtstag feierte er am 7. November im Kreise seiner großen Familie. „Ganz fassen kann ich es selbst noch nicht“, sagt er. Sein Leben sei sehr bewegt gewesen – „aus ärmlichsten Verhältnissen heraus“, durch Krieg, Not und Neuanfang hindurch. Und doch überwiegt für ihn die Dankbarkeit: für Begegnungen, Freundschaften und ein erfülltes Wirken über viele Jahrzehnte.

VICTORIA POHL

Autor:

martinus Redaktion aus Burgenland | martinus

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