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20 Jahre Lernen mit Verantwortung

Kinder aus der Mittelschule Kobersdorf kochten koschere Speisen.  | Foto: Carina Werba
  • Kinder aus der Mittelschule Kobersdorf kochten koschere Speisen.
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Vom 1. September bis 4. Oktober begeht das Christentum die „Schöpfungszeit“. Das Bildungsnetzwerk PILGRIM fördert den sorgsamen Umgang mit Welt und Umwelt. Die Kirchenzeitung stellt in diesem Zeitraum burgenländische Einrichtungen vor, die PILGRIM angehören. Martinus_ bringt zur Sprache, wie sie davon profitieren.

Seit 20 Jahren setzen die Volksschule und Mittelschule Kobersdorf als erste burgenländische Schulen im internationalen Bildungsnetzwerk PILGRIM auf eine Verbindung von Nachhaltigkeit, Spiritualität und sozialem Lernen. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche dafür zu sensibilisieren, Verantwortung für Mitmenschen, Umwelt und Gesellschaft zu übernehmen.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Auseinandersetzung mit der jüdischen Geschichte des Ortes. Kobersdorf war einst eine der bedeutenden jüdischen Gemeinden des Burgenlandes. Schon im Schuljahr 2005/06 begann mit dem Projekt „Dialog der Religionen“ eine intensive Beschäftigung mit diesem Erbe. Seither haben Schülerinnen und Schüler immer wieder Spuren jüdischen Lebens im Ort erforscht und sich mit Geschichte, Glauben und Erinnerung auseinandergesetzt.

Ein besonders eindrucksvolles Zeichen dieser Arbeit war im Schuljahr 2020/21 die Reinigung der alten Grabsteine am jüdischen Friedhof. Mit Bürsten und Wasser machten die Jugendlichen verwitterte Inschriften wieder sichtbar und erfuhren so ganz konkret, was Erinnerung und Verantwortung bedeuten. Diese kontinuierliche Arbeit fand im Schuljahr 2023/24 ihren Höhepunkt im Großprojekt „Judentum begreifen“, für das die Mittelschule Kobersdorf mit dem Simon-Goldberger-Preis des Landes Burgenland für Erinnerungs- und Gedenkkultur ausgezeichnet wurde.

Im Rahmen eines schulübergreifenden Projekts beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit jüdischem Glauben, Bräuchen und Festen. Ihre Ergebnisse fassten sie in einem eigenen Booklet zusammen. Besonders wertvoll war dabei das sogenannte Peer-Teaching: Die älteren Schülerinnen und Schüler führten die Kinder der Volksschule durch die ehemalige Synagoge und den jüdischen Friedhof und gaben ihr Wissen weiter. Dabei erzählten sie auch von Simon Goldberger, dem letzten Rabbiner des Ortes.

Auch im Schuljahr 2025/26 wurde diese Arbeit fortgeführt. Gemeinsam mit der jüdischen Kulturvermittlerin Maschi Mer-melstein-Stössel bereiteten die Jugendlichen traditionelle Speisen für das jüdische Neujahrsfest vor und bewirteten damit Gäste bei einer Kulturveranstaltung in der ehemaligen Synagoge. Neben der Gedenkarbeit spielt auch die Schöpfungsverantwortung eine zentrale Rolle. Bereits zwischen 2010 und 2013 entstand ein schuleigener Kräutergarten. In den vergangenen beiden Schuljahren wurde dieser Schwerpunkt mit dem Projekt „Wachsen in Gottes Garten“ weitergeführt. Unter der Leitung von Klassenlehrerin Birgit Böhm zogen die Kinder Gemüse, Kräuter und zahlreiche Tomatensorten groß. Beim Pflanzenmarkt Ende April 2025 konnten sie ihr Wissen auch praktisch anwenden.

Ergänzt wird das Bildungsangebot durch soziale Projekte wie Besuche in Pflegezentren, Charity-Runs und Benefizaktionen. Religionslehrerin Doris Horvath bringt das Anliegen auf den Punkt: „Bewusst leben – Zukunft geben.“ Dieses Leitwort von PILGRIM prägt die Schulen in Kobersdorf seit 20 Jahren.

ADELE GRILL

Autor:

martinus Redaktion aus Burgenland | martinus

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