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Glauben – wie geht das?

Der Glaube braucht die Kirche.  | Foto: kathbild.at / Franz Josef Rupprech
  • Der Glaube braucht die Kirche.
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Unsere Kirchen werden immer leerer und nicht wenige unserer Zeitgenossen leben nach dem Motto „Ich glaube nichts, mir fehlt auch nichts!“

Viele, die getauft und gefirmt sind, kennen unseren christlichen Glauben kaum und praktizieren ihn auch nicht oder picken sich nur das aus unserem Glauben heraus, was sie noch irgendwie als vertretbar ansehen.

Im Hinblick auf diese Situation möchte ich nun in einigen Punkten aufzeigen, was glauben für uns Christen bedeutet bzw. wie glauben geht.

GLAUBEN HEISST VERTRAUEN

Heutzutage ist der Spruch weit verbreitet: „Glauben heißt nichts wissen!“ Wir Christen meinen mit „glauben“ aber nicht das Gegenteil von „wissen“, sondern etwas anderes. „Glauben“ heißt für uns Christen vor allem vertrauen, Gott vertrauen, an ihn glauben, ihn lieben, ihm sein Herz schenken.

Im Glaubensbekenntnis, und zwar in der ursprünglichen lateinischen Fassung, wird deswegen für „glauben“ auch das Wort „credere“ verwendet. Es setzt sich aus cor (= Herz) und dare (= schenken, geben) zusammen. Das unbestimmte „ich weiß nicht“, „ich vermute“ entspricht hingegen dem lateinischen Wort „putare“.

Wir Christen glauben an einen ganz bestimmten Gott, nicht bloß an irgendein höchstes Wesen, über das man nichts Genaues weiß. Gott ist für uns der Schöpfer des Himmels und der Erde, dem auch wir letztlich unser Leben verdanken, der sich in besonderer Weise in der Geschichte Israels und zuletzt in seinem Sohn Jesus Christus zu erkennen gegeben hat. In ihm ist er einer von uns, ein Mensch geworden. Gott ist für uns Christen ein „Jemand“ (Papst Johannes Paul II.), zu dem wir „Du“ sagen können, dürfen, ja müssen, wenn wir den Sinn unseres Lebens nicht verfehlen wollen.

ZUM GLAUBEN BRAUCHEN WIR DIE KIRCHE

Glauben kann niemand allein. Der Glaube kommt vom Hören, schreibt der Apostel Paulus in seinem Römerbrief (Röm 10,17). Das setzt voraus, dass es Menschen gibt, die den Glauben verkünden und vor allem auch überzeugend vorleben. „Nur Gläubige und ihres Glaubens frohe Menschen können andere zum Glauben motivieren“, schreiben die österreichischen Bischöfe in ihrem Hirtenwort zum Jahr des Glaubens. Auch für Papst Franziskus steht fest: Der Glaube wächst „durch Anziehung“, also durch Vermittlung anderer.

Dass der Glaube, der von Gott kommt, uns von Menschen vermittelt wird, kann bestimmt auch jeder, der wirklich glaubt, bestätigen und dabei auf Menschen verweisen, die den Glauben authentisch gelebt haben und für ihn zum Vorbild wurden.

Zum Glauben brauchen wir also die anderen, brauchen wir die Kirche. So wie Pflanzen und Tiere einen entsprechenden Lebensraum benötigen (= Biotop), braucht auch der Glaube ein entsprechendes Umfeld, in dem er wachsen und sich entfalten kann. Dieses Umfeld schaffen lebendige Gemeinden. Ein alter Kirchenväterspruch sagt das so: „Wer die Kirche nicht zur Mutter hat, kann auch Gott nicht zum Vater und Jesus Christus nicht zum Freund und Bruder haben.“

GLAUBEN KANN MAN LERNEN

Den Glauben kann man nicht vererben. Schon gar nicht kann jemand zum Glauben gezwungen werden, lässt sich auch niemand zwingen. Zum Glauben „muss“ sich jeder Mensch ganz persönlich selbst entscheiden. Im Glauben „überantwortet sich der Mensch Gott als ganzer in Freiheit“, formulierten die Bischöfe auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil in der Nummer 5 der Offenbarungskonstitution „Verbum Dei“.

Eine solche freie Entscheidung setzt freilich voraus, dass wir den christlichen Glauben kennen, aus eigener Erfahrung kennen. Das bedeutet, dass wir den Glauben lernen können, ja lernen müssen. So wie wir gehen nur durch Gehen und sprechen nur durch Sprechen lernen, lernen wir auch den Glauben nur kennen, wenn wir ihn leben.

OHNE GLAUBEN GIBT ES KEINE TAUFE

Wie wichtig und notwendig die freie Entscheidung für den Glauben ist, geht auch aus der Tatsache hervor, dass die Taufbewerber unmittelbar vor der Taufe gefragt werden, ob sie an Gott, den Vater, seinen Sohn Jesus Christus und an den Heiligen Geist glauben. Erst wenn sie oder im Fall einer Kindertaufe die Eltern und Paten stellvertretend für ihr Kind dreimal mit „Ich glaube“ geantwortet haben, werden sie getauft und in die Kirche aufgenommen. Nach kirchlicher Vorschrift erfolgt die Vorbereitung auf die Taufe in einem „Katechumenat“. Es findet bei den Erwachsenen vor der Taufe statt und dauert in der Regel ein Jahr lang. Kinder können erst nach der Taufe entsprechend ihrem Alter in den Glauben eingeführt werden, wobei die Eltern, die bei der Taufe versprechen, ihr Kind im Glauben zu erziehen, eine ganz wichtige Rolle spielen.

Sinn des Katechumenats sowohl bei den Erwachsenen wie auch bei Kindern ist es, unseren christlichen Glauben aus eigener Erfahrung kennenzulernen und das Leben als Christ einzuüben. Am Ende dieser Vorbereitungszeit soll dann die Entscheidung stehen, als Christ leben zu wollen.

ZUM GLAUBEN GEHÖRT WISSEN

Zu sagen, ich glaube zwar an Gott, aber wer dieser Gott ist, was er für uns Menschen getan hat und was er von uns Menschen will, interessiert mich nicht, ist mit unserem christlichen Glauben nicht vereinbar.

„Ihr müsst Euren Glauben so präzise kennen wie ein IT-Spezialist das Betriebssystem eines Computers. Ihr müsst ihn verstehen wie ein guter Musiker sein Werk, … um den Herausforderungen und Versuchungen dieser Zeit mit Kraft und Entschiedenheit entgegentreten zu können“, schrieb Papst Benedikt XVI. in seinem Vorwort zum „Youcat“ (= Jugendkatechismus).

VERANTWORTUNG FÜR DIE WELT

Im Glauben geht es um das Höchste, das es gibt. Es geht um Gott. Nichts darf uns wichtiger sein als er: nicht der Sport, die Politik, die Kariere … Schon die Propheten in der Bibel des Alten Testaments haben immer wieder aufgerufen, von den falschen Göttern zu lassen und sich zu dem einen Gott zu bekehren: „Ich bin dein Gott und sonst niemand“, heißt es zum Beispiel beim Propheten Jesaja im Kapitel 45, Vers 22.

Ihn, Gott, gilt es zu lieben mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele. Das hat auch Jesus so gelehrt und hinzugefügt: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Mt 22,37-40).

In unserem christlichen Glauben geht es aber nicht nur um die Abkehr von falschen Göttern und die Ablehnung von allem, was mit der Gottes- und Nächstenliebe nicht vereinbar ist, wie z. B. Gewalt, Hass, Mord. Es geht vor allem um die Liebe zu Gott und um die Liebe zu unseren Mitmenschen, die sich in entsprechenden Taten und auch im Einsatz für den Frieden, die Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung zeigen und wirksam werden muss.

ERICH SEIFNER, EM. STADTPFARRER

Autor:

martinus Redaktion aus Burgenland | martinus

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