Wort zum Sonntag, 17. Jänner
Viel umsonst gelaufen

Die Bibel ist ein Buch mit Humor. Die Geschichte vom kleinen Samuel und seinem blinden Erziehungsberechtigten reiht sich ein in die humorvollen Geschichten von Bil’am und seinem Esel, Jona, Eva und der Schlange und vielen mehr. Es sind schöne Beispiele typischer semitischer Erzählkunst, die unterhalten wollen und schmunzeln lassen. Es wirkt gar, als ob Gott mit Samuel spielte. Er ruft ihn, und Samuel antwortet (Vers 4), doch statt zu reden, lässt Gott ihn erst immer wieder zu Eli laufen.

Zum Schmunzeln.
Humorvoll ist manchmal, wie wichtig wir Menschen uns nehmen, aber in Wirklichkeit erkennt keiner, was Sache ist. Wir gleichen Eli, dem Priester, der nicht kapiert, dass Gott über ihn hinweg seinen Burschen rufen könnte, oder wir sind wie Samuel, der nicht kapiert, dass man, wenn man beim Heiligtum schläft, auch Gott begegnen könnte. Humorvoll ist, welche Mühen sich Gott macht, um seine Botschaft zu Gehör zu bringen. Die Hauptperson der Geschichte heißt Samuel oder Schmuel – „Gott hat gehört“ –, doch die Geschichte erzählt von Menschen, die hören oder nicht hören. Alles spielt sich im Dunkeln ab und doch meinen wir, viel zu sehen. Der Text regt an, über uns selbst zu schmunzeln.

Überraschend. Gott verhält sich überraschend. Gottes Stimme überspringt den Priester im Inneren des Tempels und erreicht stattdessen den Knaben draußen. Die Menschen verhalten sich überraschend. Warum tut Samuel nicht das, was Eli ihm sagt? Eli rät ihm, zu sagen: „Rede Ewiger, denn dein Knecht hört.“ Doch Samuel sagt: „Rede, denn dein Knecht hört.“ Er lässt damit offen, zu wem er spricht.«

17. Jänner – Tag des Judentums

Als Auftakt zur Weltgebetswoche für die Einheit der Christen (18.–25. 1.) begehen die christlichen Kirchen den „Tag des Judentums“.Der christlich-jüdische Koordinierungsausschuss veröffentlichte eine Langform dieser Bibelauslegung in seiner Zeitschrift „Dialog“ zum Tag des Judentums.

Annette M. Boeckler ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Judaistik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.

Autor:

TIROLER Sonntag Redaktion aus Tirol | TIROLER Sonntag

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