Wort zum Sonntag, 16. August
Gottes Erbarmen trägt
Paulus denkt in seinen Briefen intensiv über das Verhältnis von Israel und Kirche nach. In durchaus komplizierten Gedankengängen kreist er immer wieder um dieses für ihn zentrale Verhältnis. Für ihn ist ganz klar: Gott liebt sein Volk Israel weiterhin.
Um seinen Überlegungen besser folgen zu können, muss man jene Frage im Hinterkopf haben, die ihn eigentlich bewegt: Was ist die Absicht Gottes, wenn er ausgerechnet einen Juden zum Apostel der Heiden macht? Und was heißt das für das jüdische Volk?
Zwei Akzente sind – so denke ich – hier besonders bemerkenswert: Erstens treiben diese Fragen Paulus sichtlich an. Angespornt davon betont er, dass jede Berufung und jede Gnadengabe Gottes bedingungslos gegeben ist. Was Gott geschenkt hat, das hat er geschenkt. Den Bund, den Gott gestiftet hat, den hält er auch. Damit ist auch klar: Der Alte Bund mit dem Volk Israel ist nicht erloschen. Der Neue Bund ersetzt den Alten Bund nicht. Das ist ganz entscheidend.
Zweitens versucht Paulus den göttlichen Heilsplan mit den Begriffen „Ungehorsam“ und „Erbarmen“ zu ergründen. Selbst ein Ungehorsam Gott gegenüber – das heißt in verständlicher Sprache: ein Unglaube – mündet in Gottes Erbarmen.
Das ist steil:
Auch wenn man ungläubig ist, erbarmt sich Gott. Ihm geht es nicht um Strafe. Gottes Erbarmen ist größer als wir denken (können). Das ist ganz wichtig und sprengt die Vorstellungen eines klein-haltenden Gottesbildes auf.
Lukas Pallitsch, Dr., PhD, ist Universitätsassistent (post-doc) am Institut für Religionspädagogik und Katechetik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien sowie Beauftragter der Diözese Eisenstadt für den christlich-jüdischen Dialog.
Autor:TIROLER Sonntag Redaktion aus Tirol | TIROLER Sonntag |
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