Der lange Weg in den Jesuitenorden
Petrus Canisius: Ein Heiliger mit Herz

„Es war mir, als ob ich Jesu Herz unmittelbar anschauen dürfte“, berichtet Petrus Canisius von seiner Christusbegegnung – eine Darstellung aus dem Rijksmuseum Amsterdam.
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  • „Es war mir, als ob ich Jesu Herz unmittelbar anschauen dürfte“, berichtet Petrus Canisius von seiner Christusbegegnung – eine Darstellung aus dem Rijksmuseum Amsterdam.
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Als Peter Kanis am 8. Mai 1521 im heute niederländischen Nimwegen geboren wurde, war sein Lebensweg eigentlich bereits vorgezeichnet – jedenfalls wenn es nach seinem Vater gegangen wäre. Als Oberhaupt der angesehensten Familie der Stadt und langjähriger Bürgermeister lag es für
Jacob Kanis nahe, seinen Sohn als Nachfolger aufzubauen, der ihn als führenden Mann im Nimwegener Patriziat einmal beerben sollte. Aber es kam alles anders: Aus dem kleinen Peter Kanis wurde Petrus
Canisius; aus dem Nimwegener Bürgermeistersohn wurde der Retter der katholischen Kirche nördlich der Alpen. Die Geschichte, wie es dazu kam, kann man aus verschiedenen Perspektiven erzählen. Eine, vielleicht sogar die entscheidende Perspektive, ist die Innenperspektive, welche Petrus Canisius als feinfühligen Gottsucher wahrnimmt.

Wie eine Offenbarung. Schon in seiner Kindheit war Canisius auffallend sensibel für religiöse Erfahrungen. Und auch als ihn sein Vater im Alter von 14 Jahren zum Jus-Studium über den Rhein nach Köln schickte, war er weniger von der Juristerei und mehr von der tiefinnerlichen Frömmigkeit der Kölner Kartäusermönche fasziniert. Hier lernte er einen Katholizismus kennen, der nicht die kirchliche Hierarchie und Rituale, sondern die höchstpersönliche Gotteserfahrung ins Zentrum rückte. Besonders prägend wurde für ihn der Kartäuser Johannes Justus von Landsberg, der diese höchstpersönliche Gotteserfahrung als Begegnung mit dem offenen Herzen Jesu interpretierte. Dieser Zugang muss für Petrus Canisius wie eine Offenbarung gewesen sein.

Jesu offenes Herz. Als Canisius 1549 seine vielleicht tiefste Gotteserfahrung erlebte, beschrieb er sie mit Worten, die er bei Landsberg gelernt hatte: „Darauf eröffnetest du mir gleichsam das Herz deines heiligsten Leibes, und es war mir, als ob ich es unmittelbar anschauen dürfte.“ Er wagte es, wie er schreibt, „dein süßestes Herz zu berühren und mein sehnendes Verlangen in ihm zu stillen“. Das ist natürlich eine Sprache, die mittlerweile etwas Patina angesetzt hat. Aber auch nach beinahe einem halben Jahrtausend hört man durch sie hindurch die Ergriffenheit eines Menschen, der erfahren hat, dass Gott kein unzugänglicher Weltenherrscher ist, sondern einer, der mit dem Menschen von Herz zu Herz in Verbindung treten möchte.

Heiliger mit Herz. Petrus Canisius hat sich seit seinem Eintritt in den jungen Jesuitenorden 1543 ohne Pause für die Wiederbelebung der katholischen Kirche nördlich der Alpen eingesetzt, die unter dem Druck der Reformation und wegen der kirchlichen Reformunfähigkeit beinahe kollabiert war. Seine Geschäftigkeit bei der Errichtung von Schulen, seine Beratertätigkeit für Päpste, Kaiser, Fürsten und Bischöfe und seine enorme schriftstellerische Produktivität haben diese Welt verändert. Man darf über all dem aber nicht vergessen, dass er dabei stets von einer tiefen Herz-zu-Herz-Beziehung zu Gott angetrieben war.
Bevor er ein unermüdlicher Ordensorganisator, Kirchenerneuerer und Bildungspolitiker war, war er ein Heiliger mit Herz. «

"Petrus Canisius" - Teil 1 von 4 der Serie mit Mathias Moosbrugger (Kirchenhistoriker an der Universität Innsbruck) 

Buch zur Serie: Mathias Moosbrugger. Petrus Canisius. Wanderer zwischen den Welten. Tyrolia 2021, 288 Seiten, € 27,95.

„Es war mir, als ob ich Jesu Herz unmittelbar anschauen dürfte“, berichtet Petrus Canisius von seiner Christusbegegnung – eine Darstellung aus dem Rijksmuseum Amsterdam.
Mathias Moosbrugger
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TIROLER Sonntag Redaktion aus Tirol | TIROLER Sonntag

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