Alois Juen, Pfarrer und Künstler
Ein neues Ostergrab entsteht
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Volders, Lange Gasse, Garage von Holzbau Posch. Den Boden bedeckt ein dunkles Vlies. Damit nicht Farbe auf den Boden tropft. Links in der Garage: zwei große Holztafeln. Aus dem eher dunklen Ultramarinblau unten tauchen – jetzt noch schemenhaft – Gestalten auf, recken ihre Köpfe und Arme hinauf ins helle Gelb. Die Gestalten streben nach oben. In der Garage rechts: Weitere große Holztafeln, blank, noch unbemalt. Und an der Stirnseite der Garage: Skizzen, die – fast lebensgroß – eine Frau und einen Mann darstellen; Holzteile, einige zusammengebaut, teilweise mit interessant wirkenden runden Löchern.
In der Malgarage
Alois Juen, Pfarrer im Seelsorgeraum Fritzens-Volders-Wattens, akademisch ausgebildeter und leidenschaftlicher Künstler, malt gerade das „Podest“, wie er mir erklärt.Die Garagentür geht auf. Herein kommt Erwin Posch. Schweigend schaut er eine Weile Juen bei der Arbeit zu. „Ob das alles wohl rechtzeitig bis Ostern fertig sein wird?“, schießt es mir durch den Kopf. In der Posch-Garage entsteht ein neues Ostergrab. Ab Gründonnerstag wird es im Altarraum der Pfarrkirche Volders aufgestellt sein. Hinter dem Volksaltar. Mit 7,5 Metern Höhe wird es die Apsis der Kirche, den Altarraum, bis hinauf zur Decke füllen.
Schon bald wird mir klar, dass die traditionellen Begriffe „Ostergrab“ oder „Heiliges Grab“ nur unscharf bezeichnen, was hier entsteht. Es ist im Grunde genommen eine künstlerisch verdichtete Darstellung des gesamten österlichen Auferstehungs- und Erlösungsgeschehens, wie es in der Heiligen Schrift aufgezeichnet ist. Von der Kreuzigung Jesu bis zu seiner Himmelfahrt.
Farbige Skizze: Hinauf ins helle Licht
Anhand einer färbigen Skizze, die an der Wand hängt, erklärt mir Pfr. Juen „sein“ Ostergrab. Unten am Podest die Schar der Erlösten, die gleichsam hinaufgezogen wird ins helle Licht der Auferstehung (Jesus, „hinabgestiegen in das Reich des Todes“). Juen: „Jesus hat alle Menschen erlöst.“ Am Podest verzichte er bewusst auf die Farbe rot. Damit nicht der Eindruck entstehe, es handle sich um eine Darstellung des Fegefeuers.
Darüber das Grab mit dem „Grableger“, dem Leichnam Jesu. Ab der liturgischen Auferstehungsfeier werde dort nur mehr ein weißes Tuch zu sehen sein (der Apostel Johannes sah im leeren Grab die „Leinenbinden“ liegen – Joh 20,5). Juen: „Dieser Teil war bereits vorhanden. Er wurde bisher in der Kirche aufgestellt. Wir übernehmen ihn.“ Lediglich die Fassung werde neu sein. Und er werde die Darstellung farblich aufhellen.
Maria Magdalena und Johannes
Neben dem Grab: rechts eine Frau. Pfarrer Juen: Sie stelle Maria Magdalena dar. Laut Heiliger Schrift war Magdalena bei der Kreuzigung Jesu dabei und wurde zur „Apostelin der Apostel“, der ersten Zeugin der Auferstehung Jesu. Die offene Haltung der Arme und Hände Maria Magdalenas bringe zum Ausdruck: „Ich habe es euch immer gesagt. Glaubt mir endlich. Das Grab ist leer. Jesus ist wirklich auferstanden.“ Und dann links vom Grab: Johannes. Laut Heiliger Schrift hatte er eine besonders innige Beziehung zu Jesus und war einer der Zwölf Apostel. Juen zur Haltung der Arme und Hände: Johannes zeige nach oben, hin zum auferstandenen Jesus.
Mitten im Licht: Der Auferstandene
Über Podest und Grablegung erheben sich bis hinauf zur Decke des Altarraumes hintereinander platzierte Tafeln in den österlichen Farben rot, gelb und weiß. Juen: Die Tafeln seien nach oben hin aufgebrochen, offen, farblich immer heller werdend.Und mittendrin: Jesus, der Auferstandene, der Erlöser. Dargestellt in einer barocken Statue, die bisher in der Kirche zu Ostern aufgestellt war. Fast automatisch bleibt der Blick der Betrachterin und des Betrachters an diesem Jesus hängen. In den Kartagen wird an dieser Stelle ein Kreuz stehen.
Das „neue Leben“ zeigt sich
Und wie kam es dazu, dass Volders nunmehr auch ein sehenswertes, modern gestaltetes Ostergrab hat, das die große Tradition der Ostergräber in Tirol fortsetzt?
Alois Juen und Erwin Posch: Den Anstoß dazu habe er, Erwin, gegeben. Nach einigen Überlegungen habe sich er, Alois, auf die Idee Erwins eingelassen. Ausschlaggebend dafür sei gewesen, dass sich in ihm eine besondere Darstellung festgesetzt habe: ein Ostergrab, nach oben aufgebrochen, offen, in dem sich das „neue Leben“ zeigt und es spürbar wird.
Noch ein interessantes Detail am Rande: Auf- und Abbau des Ostergrabes werden ohne Verschraubungen auskommen. Erwin Posch hat das Grab so geplant und ausgeführt, dass die einzelnen Teile lediglich zusammengesteckt und auseinandergenommen werden können.
FRANZ STOCKER
Autor:TIROLER Sonntag Redaktion aus Tirol | TIROLER Sonntag |
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