Ein Besuch beim Franziskaner P. Wolfhard
Ein Leben für die Seel-Sorge
- P. Wolfhard ist Meister im Zuhören: „Oft sag‘ ich gar nichts. Einmal hat eine Frau dann gesagt: Mir hat noch nie jemand so geholfen.“
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P. Wolfhard Würmer ist seit 60 Jahren Priester. Bis heute treibt ihn der Wunsch um, einfach für die Menschen da zu sein. Ein Besuch im Franziskanerkloster Schwaz.
Da staunte der 12jährige Bub aus Oberösterreich nicht schlecht, als er im Internat der Franziskaner in „Solbad Hall“ ankam: Der Pförtner begrüßte die Neuankömmlinge in heller Aufregung, ihnen war nämlich gerade „eine Sau ausgekommen“. Der Bauernbub Johann – genannt Hansl – dachte sich: „Hier ist‘s ja wie bei uns“, fing die Sau ein – und war angekommen. Für Heimweh blieb ihm, der bis dato noch nie ein Gebirge gesehen hatte, keine Zeit, „dafür war ich viel zu neugierig“, meint er schmunzelnd. „Aber die Mama, die hat daheim viele Tränen vergossen.“
Arzt, Lehrer oder Priester?
Hansl hat sich leicht getan im Gymnasium, war Klassenbester, legte eine glänzende Matura ab. Sein Berufswunsch war Arzt, und zwar „einer, vor dem niemand Angst hat und den sich jeder leisten kann.“ Beim Vortrag am Berufswahltag aber ging es nur um Karriere und Gehalt, Johann wandte sich enttäuscht ab. Auch den zweiten Berufswunsch, Lehrer, legte er an jenem Tag ad acta. Blieb der dritte Wunsch: Priester. Die Führung im Priesterseminar gefiel ihm – bis der Regens sagte: „Aber geht‘s ja in kein Kloster. Da habt‘s nie ein Geld.“ Dass es auch hier nur ums Geld ging, gefiel ihm gar nicht, und so war der Entschluss gefasst: Johann meldete sich bei den Franziskanern an. So eine große Entscheidung, so leichten Herzens getroffen? „Ja, es war eine Lebensentscheidung, aber wenn ich geheiratet hätte, wär‘s ja auch eine gewesen. Dass Zweifel kommen würden, war mir bewusst. Wenn man heiratet, braucht es auch die Treue.“
Gesagt, getan: Nach dem Noviziat in Pupping kam Johann – nun mit dem Namen Wolfhard – erstmals nach Schwaz, zum Studium an der damaligen philosophisch-theologischen Hochschule, gemeinsam mit 35 anderen. Eine Sensation war damals sein Auslandsjahr in Assisi. Manche sahen darin „den ersten Schritt zum Austritt“ – P. Wolfhard aber blieb unbeirrt und hat heuer sein 60jähriges Priesterjubiläum gefeiert.
Erfinderisch bleiben
Es folgten Jahrzehnte, in denen P. Wolfhard kaum eine Aufgabe ausließ: Er war Kindergarten-, Krankenhaus-, Beicht- und Gefangenenseelsorger, betreute Drogenabhängige, war Guardian, leitete aufwändige Klosterrenovierungen in Salzburg und Schwaz, baute die religionspädagogische Akademie mit auf und war ihr Direktor. Als diese nach Stams verlegt wurde, kam er nach Innsbruck an die Hofkirche. „Anfangs hab ich in den Messen gedacht, da sind ja nur die schwarzen Mander da“, erzählt er lachend. Gemeinsam mit P. Felix Gradl habe er sich allerhand „Gags“ einfallen lassen – „und so waren wir die einzige Kirche in Innsbruck mit steigenden Besucherzahlen.“
2008 kehrt er nach Schwaz zurück, bis zu seinem 80. Lebensjahr ist er beliebter Kurat im Seelsorgeraum St. Margarethen-Strass-Schlitters. Vor vier Jahren schließlich hätte ihn eine schwere Sepsis fast das Leben gekostet. „Wir kommen nicht von der Sterbehilfe, wir wollen, dass Sie leben“, sagten ihm damals die Frauen vom Sprengel. Diese Worte motivieren ihn bis heute. Unermüdlich ist er als Seelsorger im Einsatz – vor allem in Gesprächen: „Die Leute finden ja niemanden mehr, der ihnen zuhört. Es geht gar nicht immer darum, dass ich ihnen einen Rat gebe. Bei mir dürfen sie reden, jammern, sich ausweinen. Es kommen auch viele Ausgetretene.“ Kraft schöpft er im Gebet und im Glauben: „Gott ist der ‚Ich-bin-da‘. Wenn ich zu jemandem sage, ich bin für dich da, dann gebe ich dieses Gottesbild weiter.“ Unaufgeregt sagt er es, lächelnd und mit einer Seelenruhe. „Und das kann jeder Christ tun: jemanden bei der Hand nehmen, die Hand auflegen. Ich wünsche mir, dass wir ein bissl erfinderischer sind als Kirche. Denn Liebe macht erfinderisch!“
Autor:Lydia Kaltenhauser aus Tirol | TIROLER Sonntag |