Lebensweg einer Tiroler Missionarin
Der weite Weg von Sr. Amanda

Sr. Amanda Raich aus Jerzens arbeitet seit Jahrzehnten für Notleidende in Südafrika.
  • Sr. Amanda Raich aus Jerzens arbeitet seit Jahrzehnten für Notleidende in Südafrika.
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In einem Brief an Missio Tirol beschreibt Sr. Amanda Raich aus Jerzens ihren Lebensweg. 42 Jahre arbeitete sie in einem Labor eines afrikanischen Krankenhauses. Seitdem sie im Ruhestand ist, erweist sie sich als Meisterin im Verzieren von Kerzen.

Es waren acht Kinder. Das achte Kind, Johann, starb ein Jahr nach seiner Mama, die selbst 1942 bei der Geburt von Johann starb. Amanda erblickte zwei Jahre zuvor das Licht der Welt.„Als unsere Mama starb, nahm unsere Tante, Vaters Schwester, den Platz der Mutter in der Familie ein. Ich habe meine Mutter eigentlich nie vermisst. Unsere Tante, wir nannten sie Bas, wollte eigentlich ins Kloster gehen. Als aber die Mama starb, sah sie ihre Aufgabe bei uns in der Familie“, erzählt Sr. Amanda Raich in einem Brief an Missio Tirol. „Die Bas war fromm. Da unser Vater auch Mesner war, war es selbstverständlich, dass wir jeden Tag in der heiligen Messe waren. Und jeden Abend wurde kniend am Boden der Rosenkranz gebetet.“


Der Schritt ins Kloster.
Die Bas sei sehr erfreut gewesen, als Hermann, der älteste Bruder, eines Tages erklärte, dass er Priester werden möchte. Schlussendlich traten fünf der acht Geschwister in eine Ordensgemeinschaft ein. „Meine Schwester war 15 Jahre alt und ich war noch 14. Wir wollten wissen, was man an Aussteuer mitbringen muss, wenn man ins Kloster geht. Aber die Novizenmeisterin vom Kloster Wernberg in Kärnten sagte nur: In einem Jahr könntet ihr beide schon kommen. Von Aussteuer sagte sie nichts.“ 1955 kamen die beiden Schwestern zu den Missionsschwestern vom Kostbaren Blut und wurden auf ein Leben im Kloster vorbereitet – unter anderem mit einem fundierten Englisch-Unterricht.
Sr. Amanda schmerzte vor allem der Gedanke, „dass wir beide, die einzigen Mädchen, von Daheim fort sind. Aber am Ende schien es sogar sehr gut zu gehen ohne uns zwei.“

Ich hatte furchtbar Heimweh. Schon kurz nach ihrem Klostereintritt begann Sr. Amanda eine Ausbildung zur Krankenschwester – bis sie ihre Ordensoberin eines Tages fragte, ob sie nach Afrika gehen wolle. „Ich sagte Ja“. So kam sie in das Mary Terese Missionsspital in der südafrikanischen Kleinstadt Mount Frere – mit 120 Betten. Ein großer Mangel dort war, dass es kein Labor gab und viele Patienten aufgrund fehlender medizinischer Daten starben. Sr. Amanda sattelte um – vom Krankenbett ins Labor. Zuvor absolvierte sie eine vierjährige Ausbildung. „Mich hat diese Arbeit nicht nur fasziniert, sondern ich sah sie auch als eine große Notwendigkeit, wenn wir diesen Menschen helfen wollten,“ so Sr. Amanda.
42 Jahre im Labor des St. Mary‘s Spital in Mariannhill (Durban) folgten – 27 Jahre davon als Leiterin. Das Spital ist vor vier Jahren an die Regierung übergeben worden. „Nun bin ich schon viereinhalb Jahre im Konvent und ich muss sagen, daß ich das Labor immer noch vermisse. Ich habe viel Erfüllung in dieser Arbeit gefunden.“

Meisterin im Handwerk. Meine Zeit ist nun ausgefüllt mit Kerzen machen und verzieren. Inzwischen nimmt mein Hobby immer mehr Zeit in Anspruch – so groß sind die Bestellungmengen. Abnehmer finden die Kerzen in Mozambique, in Zimbabwe und im Zululand. „Das Gute am Kerzengießen ist, dass Wachs immer gebraucht wird – zum Beispiel auch wenn der Strom ausfällt, was in Afrika keine Seltenheit ist“, so Sr. Amanda. „Eine Kerze ist ein so schönes Symbol für unser Leben. Sie gibt Licht und Wärme und in diesem Dienen verbraucht sie sich selbst dabei.“

Fasten in Südafrika. Schon der Beginn der Fastenzeit habe in Südafrika einen besonderen Charakter. „Das Aschenkreuz ist für die Menschen hier fast wichtiger als eine heilige Messe. Zum Aschenkreuz kommen endlose Schlangen von Leuten. Auch Andersgläubige kommen.“ Noch mehr als sonst hat in Südafrika während der Fastenzeit das Teilen große Bedeutung. „Mir gibt das manchmal einen Stich ins Herz, wenn ich die endlosen Reihen von Gläubigen zum Altar schreiten sehe, wo wenigstens zwei junge Männer mit korbartigen Büchsen für das Spendengeld warten. Man weiß ja, dass manche selber bitter arm sind.“
„Persönlich kommt mir vor: Wer fasten will, wird die passende Form finden. Auferlegtes Fasten macht nicht unbedingt froh. Es braucht gar nicht aufzufallen, ob und wie man fastet. Schon kleine Opfer können viel bewirken – auch wenn es nur einmal kein Ketchup auf den Nudeln ist.“

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TIROLER Sonntag Redaktion aus Tirol | TIROLER Sonntag

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