Historische Jahreskrippe im Paulinum
Kleine Szenen, große Botschaft
- Foto: Linde Nikolussi/Paulinum
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In der Schulkirche des Bischöflichen Gymnasium Paulinum ist eine mehr als 200 Jahre
alte Jahreskrippe zu sehen. Mit rund 400 Einzelfiguren ist sie eine der größten Papierkrippen weitum.
Sie ist wohl eine der eindrücklichsten Papierkrippen weitum: die Pauliner Jahreskrippe. Schon allein deshalb weil Jahreskrippen eine echte Rarität sind. In Tirol gibt es maximal zehn Stück, weiß Krippenexperte Pfarrer Rudolf Silberberger.
Zum Staunen
Der Sinn von Krippen war seit jeher, das Leben Jesu zu veranschaulichen. Ursprünglich gezeigt wurden nur die Geburt, Ereignisse davor und danach. Die merklich große Wirkung auf die Menschen führte bald dazu, dass Jahreskrippen entstanden. In kurzen Szenen sollten die Betrachter hin zur inneren Betrachtung und Glaubensvertiefung geführt werden. Kunst wurde mit einem zutiefst seelsorglichen Anliegen verbunden: die Boftschaft des Lebens Jesu in das eigene Leben zu übersetzen.
Die Verkündigung
Die 32 Szenen der Pauliner Jahreskrippe beginnen bei der Verkündigung und reichen bis zur Aufnahme Mariens in den Himmel. Dazu gehören auch Stadt-, Landschafts-, Wolken- und Baumkulissen.
Zumal weder Figuren noch Kulissen signiert oder datiert sind, sind Krippen-Experten gefordert. Einer von ihnen ist Pfarrer Rudi Silberberger. Zwar werde die Krippe dem Schwazer Maler Christoph A. Mayr (1720-1771) zugeschrieben. Stilistische Vergleiche legten aber Georg Haller aus Götzens (1772-1838) als „Urheber“ des Kunstwerks nahe. Ins Paulinum kam die Krippe im Jahr 1929, bereits wenige Jahre nach Gründung des Gymnasiums. Dass sie nun in so prächtigem Zustand, vielleicht überhaupt erstmalig in ihrer Geschichte vollständig zu sehen ist, ist einer Vielzahl von Subventionsgebern und kunstsinnigen Menschen zu danken. Ihre Rettung war eine in vorletzter Sekunde.
Was erzählt die Krippe heute?
Ist eine Krippe ein Relikt aus längst vergangener Zeit oder hat sie auch für heute eine Botschaft?
Behutsam öffnet Elmar Fiechter-Alber, Direktor am Bischöflichen Gymnasium Paulinum, eine Schachtel, in der eine der 32 Szenen sorgsam verpackt ist. „Jesus und die Frau am Jakobsbrunnen“ ist eine seiner Lieblingsgeschichten. Man merkt ihm an, welche Freude er hat. Nicht nur weil er auch privat ein „Krippeler“ ist. Vielmehr bewegt ihn die Frage, was die im Johannes-Evangelium (Joh 4,5) geschilderte Begegnung sagen will – gerade in einem so besonderen Umfeld wie jenem der Schule.
Schule in der Krippe
Eine Krippe biete viele Möglichkeiten zur Identifikation. Am Verhalten Jesu fasziniert Fiechter-Alber, wie konsequent sich dieser auf eine fremde Frau einlasse. Weil sie Samariterin war, wurde sie von den Juden gemieden. Dass Jesus trotzdem und erst recht das Gespräch mit ihr sucht: Das entspreche einem Grundauftrag von Schule. Dass Kinder und Jugendliche nämlich „lernen, sich auf neue Situationen einzulassen“. Möglich werde dies im Rahmen eines stimmigen Beziehungsgeschehens.
In der Szene kommt dies für Fiechter-Alber unter anderem in der Handhaltung zum Ausdruck. Jesus zeigt auf die Frau, diese greift sich ans Herz. Ein Gespräch, das in die Tiefe geht bzw. Fragen anrührt, die wesentlich sind, damit Menschen glücklich werden. Dafür wolle das Paulinum bestmögliche Voraussetzungen schaffen, so Direktor Fiechter-Alber.
Autor:Gilbert Rosenkranz aus Tirol | TIROLER Sonntag |
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