Im Kloster der Ewigen Anbetung in Innsbruck
Im „Ja“ leben
- „Ich wollte Sinn im Leben – etwas, das mich glücklich macht“: Sr. Josefa Monika vom Kloster der Ewigen Anbetung in Innsbruck.
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Sr. M. Josefa Monika Rusch vom Kloster der Ewigen Anbetung ist eine von vielen Ordensjubilar:innen in unserer Diözese: Ein Besuch im stillen Kloster hinter dem Hofgarten.
„Paula, komm schnell und hilf mir!“ Paula aus Wilten ging außen am Kloster der Ewigen Anbetung im Saggen vorbei, hörte eine Schwester eine andere Schwester namens Paula rufen – fühlte sich angesprochen und trat ins Kloster ein. Sr. Josefa Monika erzählt die Anekdote aus vergangenen Zeiten mit einem Augenzwinkern: „Ja, wenn‘s immer so leicht wär‘, den Ruf Gottes zu hören“.
Berufung mit Hindernissen
Bei Sr. Josefa Monika war der Weg ins Kloster nicht ganz so schnurstracks: Die Aussteuer hatte sie schon beisammen, 12-fach. Eine große Familie mit ihrem damaligen Verlobten war ihr Ziel. Doch nach einer Lourdesreise änderte ein Satz alles: „Willst du etwas für die Welt tun, dann halte täglich eine Stunde Anbetung!“ Bei einem Besuch in der Klosterkirche der Ewigen Anbetung in Innsbruck las sie über dem linken Seitenaltar: „Kommet alle zu mir, ich will euch erquicken!“ (Mt 11,28) „Das war‘s“, erzählt sie rückblickend, „ich wusste, dass meine Stunde geschlagen hatte.“ Und das, obwohl sie ein Priester gewarnt hatte: „In dieses Kloster geh‘ lieber nicht, da kommst nimmer heraus!“ Bei Sr. Josefa Monika aber war es eher schwierig, überhaupt hineinzukommen: Ihre Kündigung als Familienhelferin wurde nicht angenommen, auch die Lösung der Verlobung war nicht leicht. Eineinhalb Jahre musste ihre Entscheidung sich noch bewähren. Mit der Wahl des richtigen Ordens hielt sie sich nicht lange auf: Wichtig war ihr vor allem, dass die Schwestern glücklich wirkten. „Alles andere wird passen.“ Und so war es.
Menschen, die im Ja bleiben
Heuer ist es 40 Jahre her, dass sie ihre erste Profess ablegte. Und noch immer freut sich Sr. Josefa Monika mit dem jugendlich-frischen Gesicht jeden Morgen aufs Aufstehen: „Da hat man am meisten Kraft, alles ist positiv. Ich liebe die Morgenstimmung, der Mensch ist noch offen und unbelastet. Und wir dürfen den Tag mit dem gemeinsamen Gebet beginnen“, so Sr. Josefa Monika, die inzwischen Oberin der kleinen Gemeinschaft ist. Die tägliche Eucharistiefeier und die Anbetung sind über all die Jahre Kraftquelle für ihr Leben. „Wir Schwestern bleiben im ‚Ja‘ und hören nicht auf, Gottes Lob anzustimmen. Auch wenn‘s mal ein Chaos gibt.“ Sie lächelt. „Wir schätzen einander und haben eine schöne Atmosphäre. Und wir sind Menschen, keine Engel. Fehler und Schwächen gehören auch dazu.“ Wichtig ist auch das Verhältnis von Nähe und Distanz: „Wir blicken alle zusammen aufs Allerheiligste und nach vorne – so verschieden wir auch sind.“ Sr. Josefa Monika ist realistisch, gereift durch viele Jahre der Konzentration auf das Wesentliche, und sie hat dabei nie den Boden unter den Füßen verloren: „Gute Arbeit ist wichtig. Normal tun, sonst wird man komisch.“ Bei Sr. Josefa Monika ist nach wenigen Sätzen klar, dass sie es sicher nicht ist.
Das Seil nicht überspannen
Zugleich ist ihr wichtig zu betonen, dass das Kloster keine „Wohlfühloase“ sei: Die neun Schwestern sind mit allen Höhen und Tiefen des Lebens konfrontiert. Der Alltag ist mit Gebetszeiten, Anbetung und Arbeit straff durchgeplant. Zwei Mal in der Woche halten die Schwestern Nachtanbetung. Aber Sr. Josefa Monika weiß auch: „Man darf das Seil nicht überspannen“. Darum gibt es auch für die Schwestern Pausen. „Wenn ich mir etwas Gutes tue, tu‘ ich auch den Schwestern was zugute. Wenn ich immer schlapp bin und aus dem letzten Loch pfeife, hat niemand etwas davon“. Deswegen sind neben Gebet und Arbeit auch Hobbys wichtig: Sr. Josefa Monika kocht gern Marmelade aus dem, was der Garten Gutes spendet. Eine andere Schwester stickt gern, manche spielen gemeinsam Federball, die jüngeren am liebsten Fußball.
Von Glück und Leid
„Das geistliche Leben ist ein Auf und Ab. Dürre Phasen gehören dazu. In Sekten oder der Esoterik darf das Leiden nicht sein. Der Umgang mit dem Leid und ein offenes Ohr für die Leidenden sind deshalb Prüfpunkte für uns Christen.“ Glaube bewährt sich nicht in leichtfertigen Vertröstungen, sondern in dem, was in Krisen trägt. Genau deshalb ist sie überzeugt: „Wer im Kloster ist, soll glücklich sein“.
Autor:Lydia Kaltenhauser aus Tirol | TIROLER Sonntag |