Besuch im Haus Kinzner in Kematen
Die Krippe war ein Kindheitstraum

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Schon als Kind hat sie sich fürs „Krippeleschaun“ begeistert und war fasziniert von der großen Krippe von Opa und Onkel. Jetzt hat sich Renate Kinzner den Wunsch nach einer eigenen Krippe erfüllt. Ein Jahr lang wurde am Berg gebaut, jetzt ist sie nach fünf Jahren mit 134 Figuren auf knapp fünf Quadratmetern komplett.

Eine Lieblingsfigur? Der sitzende, alte Hirte. Er erinnert Renate an ihren Opa, von dessen Krippe sie schon als Kind fastziniert war. „Aber ich habe auch eine Schwäche für die Esel", sagt Renate Kinzner kurz darauf. „Vielleicht, weil sie den Mut haben, störrisch und eigenwillig zu sein.“ Ein bisschen etwas davon lebt auch in Renate Kinzner. Denn was sie sich in den Kopf setzt, setzt sie auch um. Wäre es nicht so, würde es ihre raumfüllende Krippe heute nicht geben. Auf vier Metern Länge breitet sie sich aus im Wintergarten des Hauses in Kematen. 58 Figuren, eine Gloriole und 69 Tiere aus der Grödener Werkstatt des Familienbetriebs Heide tummeln sich auf dem halbrund angelegten Krippenboden. Jede Figur mit einem Drahtgestell versehen und mit Stoff bekleidet, welcher anschließend gehärtet wird.

Teamarbeit.

Zuerst war im Hause Kinzner Teamarbeit angesagt. Ein ganzes Jahr lang haben Renate, Norbert und Tochter Judith am Krippenberg gearbeitet. Für einen Krippenbaukurs wäre der Berg viel zu groß gewesen, daher war Eigenregie angesagt. Renate hat sich mit Krippenbaubüchern das nötige Wissen angeeignet, damit bei Berg und Häusern die Proportionen stimmen, die Häuser richtig verputzt und die Berge mit den richtigen Farben gestaltet werden.

Liebe zum Detail.

Jedes Jahr im November steht eine Woche ganz im Zeichen der Krippe. Einen Tag lang stellt Norbert mit Judith den Berg auf, dann dauert es rund sechs Tage, bis die Figuren platziert und der Pudel gestreut sind. Gearbeitet wird dabei nicht nur tagsüber, betont Renate Kinzner. Oft bis tief in die Nacht hinein lässt sie die Krippe nicht los, vor allem, wenn es um die kleinen, aber wichtigen Details geht. Wie müssen zwei Figuren platziert werden, damit sie sich wirklich in die Augen schauen? Wie werden die Schafe angeordnet, dass Duplikate nicht zu nahe zusammen stehen?

Die Mühe lohnt sich.

Denn bereits zu Adventbeginn präsentiert sich eine Krippe, in der sich ein reges Beziehungsgeflecht entfaltet: Der Verkündigungsengel steht in engem Kontakt mit dem Hirten auf dem Esel. Der alte Mann mit Bart winkt dem kleinen Buben, der ein Schaf mit sich trägt. Die Kinder beim Brunnen sind ins gemeinsame Spiel vertieft, die Frauen mit ihren Wasserkrügen unterhalten sich miteinander.

Tradition und Freiheit.

Die Krippe von Familie Kinzner ist ein gelungenes Beispiel traditioneller Krippenbaukunst. Aber Renate bricht auch ganz bewusst mit alten Traditionen. Und hier kommt wieder der eigenwillige Esel als Lieblingstier ins Spiel. „Ich stelle von Beginn an alle Figuren der Krippe auf, was nicht bei allen Krippenfreunden auf Zustimmung trifft", erzählt Renate. Aber sie will, dass auch Besucher im Advent die Könige mit ihren Kamelen zu sehen bekommen. „Die Krippe ist für mich ein ganzheitliches Geschehen", meint sie. Weihnachten ist nicht nur am 24. Dezember. Jesus kommt nicht nur an einem Tag ins Leben der Menschen. Und die weisen Könige als Sinnbild für das weltumspannende Geschehen von Bethlehem lässt sich nicht auf den 6. Jänner eingrenzen. Die Krippeleschauer freuts: Sie kommen die gesamte Advents- und Weihnachtszeit in den Genuss der ganzen Pracht.

Besinnlicher Advent.

Das Aufstellen der Figuren, das Streuen des Pudels, das alles ist für Renate Kinzner eine meditative Arbeit. „Dabei kann ich innerlich zur Ruhe kommen und mich auf den Advent einstimmen." Mit vielen Figuren, die sie aufstellt, sind Erinnerungen verbunden. An die Fahrten nach Gröden, an Krippen, die als Vorbild und Anregung dienten. Beim Platzieren der Hirten, der Verkündigungsengel, der heiligen Famlie und der Könige sind die Bibelstellen präsent. Das Aufstellen der Krippe markiert für sie einen einschneidenden Wendepunkt. Vorher werden die Weihnachtseinkäufe erledigt. Wenn die Krippe steht, finden sich in ihrem Kalender fast nur mehr die Zeit für das Backen von Keksen und Zelten.

Begleiter durch das Jahr.

Man kann sich gut vorstellen, dass Renate Kinzner die Krippe am liebsten das ganze Jahr über stehen lassen würde. Aber zu Maria Lichtmess ist Schluss, die Figuren wandern in den großen Schrank im Keller. Dennoch bleibt die Krippe das ganze Jahr über präsent. „Manchmal kann ich es mir nicht verkneifen und öffne den Schrank, um die Figuren zu betrachten", verrät sie. Und das Album mit Fotografien ist auch immer griffbereit.

Autor:

Walter Hölbling aus Tirol | TIROLER Sonntag

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