Muttertag als Notfallmama
Wenn es anders kommt als geplant

Martha Salchner feiert Muttertag als zweifache Mama, pflegende Angehörige und Notfallmama.
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Martha Salchner aus Axams feiert den Muttertag nicht nur als zweifache Mama und pflegende Angehörige, sondern auch als Notfallmama: Sie hilft Familien mit Krankheitsfällen bei der Betreuung der Kinder. Was es heißt, wenn das Leben anders kommt als geplant, hat sie im eigenen Leben erfahren.

Rund um Martha Salchner summt es wie in einem Bienenstock: Ruft man sie an, hört man sie schnell ein Gespräch beenden. Läutet man an ihrer Haustür, öffnet sie mit dem Handy in der Hand – für die ukrainischen Flüchtlinge im Ort gibt es einiges zu organisieren. Offiziell ist sie seit sechs Jahren in Pension, winkt aber lässig ab: „Pension ist unnötig. Es gibt so viel zu tun. Man kann sich nicht einfach hinsetzen.“

Es gibt so viel zu tun. Diese Überzeugung könnte als Titel über Martha Salchners Leben stehen. Die quirlige Oberösterreicherin kam vor 44 Jahren als Kinderkrankenschwester an die Innsbrucker Klinik. „Seit ich selbst als Kind im Krankenhaus furchtbare Erlebnisse hatte, wusste ich: Ich will Kinderkrankenschwester werden und es selbst anders machen.“ Aus schwierigen Situationen die Kraft zu schöpfen, etwas anzupacken, ist prägend für Salchner. In ihrer zehnjährigen Tätigkeit mit krebskranken Kindern und Unfallopfern war sie mit verzweifelten Eltern und dem Tod konfrontiert. Damals wusste sie noch nicht, dass sie selbst einmal existentiell damit zu tun haben würde.

Gewachsenes Vertrauen. Martha heiratete, Tochter Lisa kam auf die Welt. 1988, als Lisa 14 Monate alt war, geschah das Undenkbare: Marthas Mann Hans stürzte während eines Einsatzes als Bergretter mit dem Hubschrauber ab. Er überlebte schwer verletzt und ist seitdem pflegebedürftig. Martha übernahm seine Pflege, fünf Jahre lang blieb sie zuhause, betreute Mann und Kinder – später kam noch Sohn Bernd dazu. Sie beschreibt sich rückblickend als „verheiratete Alleinerziehende“. Gelassen und wie selbstverständlich erzählt sie davon. Ihr Vertrauen ins Leben wirkt auf den ersten Blick unerschütterlich, doch auch sie habe Momente der tiefsten Verzweiflung gekannt, in denen sie nicht mehr habe leben wollen, räumt sie ein. Ihre zupackende, optimistische Art ist keine Fassade, sondern gewachsen in einem Leben, das ganz anders kam als geplant. Später wurde ihr Mann im Elisabethinum in Innsbruck betreut. Mit ihm verbinde sie eine Art unsichtbares, nonverbales Band. „Wenn er etwas braucht, spüre ich es sofort und besuche ihn. Wir sind tief verbunden. Es ist mein Auftrag, für ihn da zu sein.“

Eigentlich ist es ganz einfach. Marthas Auftrag reicht aber weit über ihre eigene Familie hinaus. Seit vielen Jahren engagiert sie sich für den Verein KIB, der Notfallmamas für Familien vermittelt, in denen Eltern oder Kinder krank sind. Salchner ist selbst als eine von vierzig Notfallmamas in Tirol tätig, engagiert sich unermüdlich auch administrativ für die gute Sache. „Kinder sind etwas Wunderbares, ich liebe sie einfach“, begründet sie ihren Einsatz. „Gut auf Kinder zu schauen, ihnen Vertrauen und Selbstbewusstsein zu vermitteln, damit sie gesund groß werden, liegt mir sehr am Herzen.“

Nur nicht abheben. Ihre Aufgabe als Notfallmama war auch ausschlaggebend, dass sie sich bei der Gemeindratswahl hat aufstellen lassen, was eigentlich nicht ihr Plan gewesen sei. Anpackend, wie Martha Salchner ist, hat sie doch zugesagt und ist jetzt sogar 2. Vizebürgermeisterin. „Im Grunde ist es ganz einfach. Man muss zusammenhelfen – für die Gemeinde und die Menschen, die da sind. Miteinander arbeiten, miteinander reden.“
Kraft schöpft Martha aus der Bewegung beim Laufen und beim Yoga, darauf, gut auf sich selbst zu schauen und vor allem: „Die Augen zum Himmel richten, in der Früh ‚bitte‘ und abends ‚danke‘ sagen. Demütig bleiben, nicht abheben. Und darauf vertrauen, dass da jemand ist, der mir immer hilft.“

Autor:

Lydia Kaltenhauser aus Tirol | TIROLER Sonntag

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