30 Jahre Pflegeverein Kappl
Im Paznaun ist „zamahalfa“ angesagt
- Dr. Bruno Jörg und Gottlieb Sailer (ganz rechts) sind die Gründer des Vereins „Zamahalfa“ – hier im Bild mit dem Palliativteam und dessen Leiter Stefan Mathis sowie dem ehem. Caritas-Direktor Georg Schärmer.
- Foto: Kleinheinz
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Den Pflegeverein Kappl gibt es seit 30 Jahren. Ein Grund zum Feiern, denn der Pflegeverein Kappl hat ein gut funktionierendes Netzwerk an Freiwilligen aufgebaut und eine Vielzahl an Pflegehilfsmitteln angeschafft.
Mittlerweile zählt der Pflegeverein mehr als 400 zahlende Mitglieder. Anliegen des Pflegevereins ist, Menschen aus dem Dorf und deren Familien beratend und tatkräftig zu unterstützten. So gibt es zahlreiche Hilfsmittel, die die tägliche Pflege erleichtern: Krankenbetten, Rollstühle u.a. Zudem organisierte und finanzierte der Verein Vorträge, Zahnprophylaxe im Kindergarten und den Volksschulen sowie einen Gesundheitstag für die ganze Gemeinde.
Ein Vorzeigeprojekt
Dauerhafte finanzielle Unterstützung leistet seit 13 Jahren Sabine Juen mit ihrem eigens dafür gegründeten Second-Hand-Shop im Zentrum Kappls (siehe Bericht unten). Alle Einnahmen von „Sabines Ladali“ – bisher rund 20.000 € – fließen zu 100 Prozent in die Kassa des Pflegevereins.
Die Gründer des Vereins waren Gottlieb Jehle, der Arzt Dr. Bruno Jörg, Alt-Bürgermeister Josef Wechner und der damalige Pfarrer Ulrich Obrist. Zum Jubiläum überlegten sie sich zusammen mit dem Vereinsvorstand etwas Besonderes. Es soll ein Netzwerk unter dem Motto: „Zamahalfa“ entstehen. Ein ausgeklügeltes Management von Freiwilligen – für Betroffene. Wer helfen kann wird in das Team der Freiwilligen aufgenommen – und wer Hilfe benötigt wird auf die Liste der Suchenden gesetzt. Das Spektrum ist breit. Es ist für jede:n etwas dabei: Vom Spazieren, über Einkaufen bis hin zu einem Kartenspiel oder Besuch. Und wer das schon einmal gemacht hat weiß, dass Geben oft leichter ist als Nehmen und man bereichert nach Hause geht. Zu diesem Thema hielt der ehem. Caritasdirektor Georg Schärmer einen Vortrag. „Zamahalfa“ sei nicht nur die Pflicht eines guten Christen, auch eines guten Nachbarn, des ganzen Dorfes bis hin zur politischen Verantwortlichkeit. Kinder- und Altenpflege kämen oft zu kurz. Unser Sozialsystem lebe von der Solidarität. Es brauche viele Brückenbauer:innen, die aus Leidenschaft und Begeisterung einfach handeln.
Sabines Ladali
Seit 13 Jahren schlägt Sabine Juens Herz für ihren Basar mitten im Dorfzentrum von Kappl. Nachhaltigkeit steht beim Projekt zugunsten des Pflegevereins an erster Stelle: Wiederverwenden statt Wegwerfen.
Die gebürtige Stubaierin lebt seit 30 Jahren in Kappl und freut sich über die großartige Unterstützung. Sie lacht: „Ich habe heute vom II. Vatikanischen Konzil gelesen. Da passt mein Projekt doch super dazu? Den Menschen den Glauben näher zu bringen“.
Die Familie steht dahinter
Ihre Idee, einen Flohmarkt zu machen, kam gut an. Mitgeholfen haben viele, darunter Sohn David und Ehemann sowie Tischler Stefan. Unterstützung bekam sie auch von ihrer Herkunftsfamilie im Stubai. Der Einsatz für einen nachhaltigen Lebensstil rührt bei Sabine Juen aus der Kinderzeit. „Ich habe mich zum Beispiel nie geschämt, bereits getragene Kleider anzuhaben“, meint sie. In Sabines Ladali findet sich viel Handgemachtes. Viele bereichern die Produktpalette mit selbstgenähten Kissenbezügen, Läufern usw.
Ein Ort der Begegnung
Für Sabine Juen ist ihr Ladali auch ein Ort der Begegnung. Und sie berichtet von einem Urlauber, der einige Bauernkalender mit zur Nordsee nahm. Jahrbücher, die ihm noch fehlten. Sabines Ladali ist ein Sammelsurium, in dem die Sammlerfreude auflebt. Sabine Juen betreibt ihr Ladali in der Freizeit. Sie wünscht sich, dass durchs Weitersagen noch mehr Menschen in den Basar und Flohmarkt kommen und beteuert: „Mein Zeitaufwand lohnt sich allemal. Das Ehrenamt bringt viele erfüllende Momente mit sich.“
Alexandra Kleinheinz
Autor:TIROLER Sonntag Redaktion aus Tirol | TIROLER Sonntag |