Bürgermeisterin Monika Wechselberger:
Den Menschen auf Augenhöhe begegnen

Monika Wechselberger ist Religionslehrerin und Bürgermeisterin von Mayrhofen. Ihr Credo als Religionslehrerin: „Man muss sich für junge Menschen interessieren und ihnen auf Augenhöhe begegnen.
  • Monika Wechselberger ist Religionslehrerin und Bürgermeisterin von Mayrhofen. Ihr Credo als Religionslehrerin: „Man muss sich für junge Menschen interessieren und ihnen auf Augenhöhe begegnen.
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Die vergangenen Monate waren für die Mayrhofner Bürgermeisterin Monika Wechselberger eine sehr herausfordernde Zeit. Kraft und Halt hat sie besonders im Glauben gefunden. Dieser helfe ihr, an „das Gute im Menschen“ zu glauben, wie sie im Tiroler Sonntag-Interview erzählt.

von Elisabeth Zangerl

Der beruflche Werdegang war bei Monika Wechselberger kein klassischer: Aufgewachsen in Ramsau, hat sie zunächt eine Drogistenlehre absolviert. Im Alter von 17 Jahren ist sie schwanger geworden, mit 19 wurde geheiratet. Sie erzählt: „Zwei Töchter sind das schöne Ergebnis – und ja, ich bin nun seit 33 Jahren verheiratet.
Familiär geht es uns echt gut, dafür bin ich sehr dankbar.“ Mittlerweile, im Alter von 52 Jahren, ist Monika Wechselberger bereits fünffache Oma.

Neugierde als Triebfeder.

Der Wunsch, Religionslehrerin zu werden, ist langsam gereift: „Ich habe mit meinen Töchtern viele pfarrliche Veranstaltungen besucht und mich als Tischmutter engagiert. Allmählich ist in mir der Wunsch gereift, Religionslehrerin zu werden. Zuerst musste ich die Studienberechtigungsprüfung machen, dann habe ich fünf Jahre im Fernstudium eine pädagogische Ausbildung gemacht.“ Aber damit nicht genug. „Danach hatte ich das Gefühl, noch zu wenig über die Heilige Schrift zu wissen. So entschloss ich mich, neben meiner Lehrertätigkeit noch Theologie zu studieren und begann auch an den Zillertaler Tourismusschulen zu unterrichten. Das mache ich nach wie vor sehr gern. Ich habe diesen Schritt nie bereut. Man lernt so viel Menschliches mit diesen Studien. Das hat mir auch für mein Bürgermeister-Dasein sehr viel gebracht.“

Große Freiheit.

Derzeit unterrichtet Monika Wechselberger zwei Klassen der Hotelfachschule und begleitet zudem zwei Maturaklassen. Für sie steht fest: „Das Schönste an meinem Fach: Religion stellt den jungen Menschen in den Mittelpunkt. Das heißt, alles kann in diesem Fach besprochen werden. In keinem anderen Fach hat man die Freiheit, seine Tagesvorbereitung über den Haufen zu werfen, weil zum Beispiel in einer Klasse etwas dringend zu besprechen ansteht. In diesem Fach lernen wir, Meinungen zu akzeptieren, Argumente zu formulieren. Welche Identität und Selbstwahrnehmung entwickeln wir? Was ist uns wichtig? Muss man bei jeder kurzfristigen medialen Aufregung mitmachen? Was bedeutet mir Gott? Wir sprechen über das Gemeinwohl, Fürsorge und Sicherheit“ – und: „Das Unterrichten an den höheren Schulen empfinde ich überhaupt nicht als schwierig. Es geht darum, dass sich Lehrer wirklich für den jungen Menschen interessieren. Ein Lehrer muss sich mal entschuldigen können, muss echt sein, muss die Schüler in Entscheidungen miteinbeziehen und vor allem: Alle gleich behandeln!“

Kritik nutzen.

Weiters rät Wechselberger, „Kritik ernst zu nehmen und zur Selbstbefragung zu nutzen. Das Studium hat mich gelehrt, Kritik für ein gutes Miteinander zu nutzen“. Nur dürfe sie nicht persönlich, floskelartig oder pauschal werden. „Zu meinem Glauben gehört der Glaube an das Gute im Menschen“, so Wechselberger, die optimistisch in die Zukunft blickt – auch in die Zeit nach Corona.

Die Bibel als Anker.

Besonders die vergangene Zeit war coronabedingt eine sehr herausfordernde für die Mayrhofner Bürgermeisterin. Gerade in solchen Zeiten greift sie gern zur Heiligen Schrift: „In der Bibel zu lesen, manchmal sind es nur wenige Zeilen – zum Beispiel aus dem Buch der Sprichwörter oder dem Buch Jesus Sirach. Sätze wie ´Halt aus in vielfacher Bedrängnis´, ´Vertraue auf Gott, er wird dir helfen´ – oder: ´Bei all deinem Tun, bleib bescheiden, und du wirst mehr geliebt werden, als einer, der reichlich Gaben verteilt“.

Und die Politik.

Als Bürgermeisterin ist Monika Wechselberger Ansprechpartnerin für unzählig viele kleine und große Nöte, Probleme oder Konflikte. Auch das kein Minijob. „Und dann wartet ja zuhause oft noch ein leerer Kühlschrank und eine volle Waschmaschine“, gesteht sie schmunzelnd. Der Glaube ist ihr sehr wichtig, sie gesteht: „Ein Leben ohne Gott und ohne Kirche kann ich mir nicht vorstellen. Sonntags besuche ich regelmäßig den Gottesdienst. Es passiert natürlich schon immer wieder, dass ich gedanklich woanders bin, wenn ich besonders viel um die Ohren hab. Aber trotzdem fühle ich mich aufgehoben. Und jedes Mal, wenn ich einen Kirchenraum betrete und ich rieche den Duft dieser Gebäude, erfüllt mich Freude. Ich mag die Mischung aus Weihrauch und den hängen gebliebenen Worten, die den Menschen nur Gutes möchten“, erzählt sie.

„Der Gast ist unser Freund“.

Ihr Wirken als Bürgermeisterin definiert Monika Wechselberger mit, „einen Führungsanspruch zu haben. Ich muss der Bevöllkerung eine inhaltliche Perspektive geben“ – und sie fährt fort: „Gott sei Dank bin ich von Haus aus ein sehr optimistischer Mensch. Das hilft mir.“ In Mayrhofen stehen zur Zeit ein Dutzend großer Kräne, die Baubranche boomt. Einige Hoteliers haben die letzten Monate genutzt – zum Umbauen, Renovieren und die Qualität zu steigern. „Wir Zillertaler sind ja berühmt für´s Geschäft aber vor allem auch für unsere Gastfreundschaft. Und diesen Begriff nehmen wir wörtlich: Der Gast ist unser Freund“, so Wechselberger.
Dass so wie in Mayrhofen eine Frau das Amt einer Bürgermeisterin bekleidet, ist tirolweit immer noch die Ausnahme. Monika Wechselberger: „Ich bin die erste Bürgermeisterin in Mayrhofen und die erste im Bezirk Schwaz“. Ihrem Eindruck nach attestiere man männlichen Kandidaten automatisch, bessere Führungsqualitäten zu haben. Das politische System sei männlich geprägt, meint sie.

Herkulesaufgabe.

Das Bürgermeisteramt zu bekleiden kann eine Herkulesaufgabe bedeuten. Monika Wechselberger erzählt: „Karriere machen in einem System, das männlich geprägt ist, bedeutet Mehrarbeit. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Männer lieber auf Männer hören. Männer machen häufig große Worte und sind bei den Sitzungen wenig bis gar nicht vorbereitet. Ich denke, hier sind Frauen genauer und konsequenter“. Wechselberger: „Es darf nicht um Macht gehen, sondern um Gestaltungsmöglichkeiten. Das heißt, gute Ideen umsetzen egal aus welcher Ecke sie kommen.“

Umweltpolitik.

Gute Ideen wurden in der vergangenen Zeit einige umgesetzt in der Zillertaler Gemeinde – etwa in der Umweltpolitik: durch das Bemühen den CO²-Ausstoß zu reduzieren, Gemeindeplätze zu begrünen, Parkflächen mit Bäumen einzufassen und Blumen und Sträucher zu pflanzen, wo auch immer Platz ist. „Umweltpolitik darf kein Nischenthema mehr in der Kommunalpolitik sein“, so Bürgermeisterin Monika Wechselberger. «

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TIROLER Sonntag Redaktion aus Tirol | TIROLER Sonntag

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