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Ist Sport eine Religion?

Ob Sport als Religion gelten oder ausgeübt werden kann, ist nicht nur ein komplexes Forschungsthema, sondern vor allem eine Frage der Definition von Religion. Begriffe wie Quasireligion, Ersatzreligion und Religionsersatz fallen uns hier ein. Religionswissenschaftlich gibt es unter anderem den substantialistischen und funktionalistischen Ansatz: Der erste konzentriert sich auf das „Wesen“, den Inhalt, einer Religion, beim zweiten geht es um die Funktionen, die Religion erfüllt, zum Beispiel Gemeinschaftsgefühl, Sinnstiftung, Orientierung. Gemäß diesem Ansatz könnte auch Sport eine Religion sein. Problematisch nur, dass so je nach Definition willkürlicherweise fast alles als Religion verstanden werden kann. Aus christlicher Perspektive ist das freilich nicht möglich, da ein anderes Religionsverständnis und ein Gottesbezug zugrunde liegt. Den Sport deshalb zu verteufeln, bringt jedenfalls nichts. Papst Johannes Paul II. bezeichnete ihn im Jahr 2000 als „Zeichen der Zeit, das die neuen Bedürfnisse und Erwartungen der Menschheit zu deuten vermag“. Und seien wir ehrlich: Soviel Einsatz und Hingabe wie beim Spiel Österreichs gegen Italien – Fiebern, Feiern, Bangen, Hoffen, Leiden, Loben – kann unser Glaubensleben auch gut vertragen. 

Lisa Schwaiger-Gensluckner

Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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