Initiative Christlicher Orient
Die Alten bleiben zurück

Im Dorf  Soriya leben die Menschen von der Schafzucht.  Das österreichische Hilfswerk  ICO finanziert jeder Familie Mutterschafe mit Lamm, um die Herden zu vergrößern.�
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  • Im Dorf Soriya leben die Menschen von der Schafzucht. Das österreichische Hilfswerk ICO finanziert jeder Familie Mutterschafe mit Lamm, um die Herden zu vergrößern.
  • Foto: RB/Stefan Maier
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Die Initiative Christlicher Orient (ICO) ist seit vielen Jahren im Nordirak aktiv. Der Elsbethner Stefan Maier begleitet als ICO-Koordinator die Hilfsprojekte am liebsten vor Ort – dem hat Corona zwei Jahre einen Strich durch die Rechnung gemacht. Vor kurzem war wieder ein Besuch möglich. Maier berichtet dem Rupertusblatt von seiner Fahrt durchs gar nicht so wilde Kurdistan.

Erbil ist die Hauptstadt der autonomen Kurdenregion im Nord-irak. Von hier aus startet Stefan Maier seine Rundreise, die ihn als Erstes in die chaldäische Pfarre Enishke führt. „Die chaldäisch-katholische Kirche ist eine mit Rom unierte Ostkirche mit ostsyrischem Ritus“, berichtet Maier und verweist auf ihr Oberhaupt, das in Salzburg gut bekannt ist: Kardinal Louis I. Sako. „Erst vor kurzem hat Papst Franziskus seinem Antrag stattgegeben und eine Änderung des Titels von ‚Patriarch von Babylon der Chaldäer‘ in ,Patriarch von Bagdad der Chaldäer‘ genehmigt, denn der Sitz des Patriarchen ist seit 1950 in Bagdad“, so der bestens informierte Nahostexperte. In Enishke trifft Maier auf Pfarrer Samir Yousif.

Pfarrzentrum ist Herz der Gemeinde

Der voller Ideen sprühende Seelsorger hat das Pfarrzentrum zum Herz der ganzen Ge-meinde gemacht. Mit seinem Team schnürte er zuletzt im großen Saal Corona-Nothilfepakete für bedürftige Einheimische und die zahlreichen in der Pfarre lebenden syrischen Kriegsflüchtlinge sowie jesidische und christliche Binnenvertriebene. „Der ganze erste Stock des Zentrums wird als Kirche genutzt, in der alten war längst nicht genug Platz für alle Gläubigen. Im zweiten Stock befinden sich Räume für die Jugendarbeit“, erzählt Maier. Besonders freue ihn, dass schon die Jüngsten von der Unterstützung aus Österreich profitieren. Der Pfarrkindergarten sei sehr beliebt. „Pfarrer Samir möchte ihn deshalb um eine zweite Etage aufstocken. Und damit für Kinder aus weiter entfernt wohnenden Familien der Besuch möglich ist, will er einen Kleinbus für den Transport anschaffen.“ Ein Traum sei eine eigene kirchliche Schule.

Die Investitionen in Kinder und Jugendliche – ICO finanziert auch Ausbildungsstipendien – erfolgen nicht zufällig. Das Hilfswerk möchte mithelfen, den Trend zur Auswanderung zu stoppen. Eine Umfrage der Vereinten Nationen von 2020 ergab, dass 30 Prozent der jungen Leute darüber nachdenken, sich einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz außerhalb ihrer Heimat zu suchen. So ließen sich junge Kurden im Vorjahr die vermeintliche Chance nicht entgehen, via Weißrussland in die Europäische Union zu gelangen. „Zu spät erkannten sie, dass sie einem Diktator auf dem Leim gegangen waren. Viele mussten desillusioniert zurückkehren, nachdem sie wochen- oder gar monatelang unter erbärmlichen Umständen in den Wäldern an der polnischen Grenze campierten“, berichtet Maier. Er weiß, dass auch Christen die Region verlassen. „Allerdings eher auf regulären Wegen, da fast jede Familie schon irgendwelche Verwandte in westlichen Ländern hat.“ Deshalb sei es umso wichtiger, den noch Verbliebenen Perspektiven zu bieten. Enishke mit seinem aktiven und dynamischen Pfarrer gehe da mit gutem Beispiel voran.

Schafe sichern das Überleben

In der Diözese Dohuk besichtigt der ICO-Projektkoordinator ein Haus der Schwestern vom Heiligsten Herzen Jesu. Es ist noch nicht fertig, aber seiner Bestimmung wegen bereits einzigartig. „Der Orden baut ein Altersheim. Das ist etwas Neues für die Gegend. Doch der Bedarf ist da. Durch die Abwanderung der Jungen bleiben die Alten ohne familiären Anschluss und Pflege zurück.“

Nächste Station ist Soriya. Nur neun Familien leben in dem kleinen Ort. Es sind einfache und gastfreundliche Menschen, die ein hartes und entbehrungsreiches Leben führen und mit der Schafzucht gerade das Nötigste verdienen. Immerhin, es gibt eine Schule, die neun muslimische und ein christliches Kind besuchen. Stefan Maier und Daniel Zuhair, ein lokaler ICO-Helfer, kommen nicht mit leeren Händen ins Dorf. Jede der neun Familien bekommt je drei Mutterschafe mit Lamm, um die Herden zu vergrößern.

Die Weltöffentlichkeit blickt betroffen auf die Ukraine. „Das ist verständlich“, sagt Maier. Er appelliert, dabei jedoch nicht die anderen Krisen zu vergessen oder die Auswirkungen, die der Ukraine-Krieg gerade auf die Bevölkerung im Nahen Osten hat. Die Ukraine ist ein großer Exporteur von Agrarprodukten. Der Ausfall hat zufolge, dass etwa die Preise für Mehl durch die Decke gehen. Es ist ungewiss, ob sich die Menschen das tägliche Brot noch leisten können.

Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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