Liturgie
Küssen auf katholisch

Kritisch sieht Theologe Alexander Zerfaß das Küssen von Papst- und Bischofsringen. Ehrbekundungen von Personen seien problematisch.
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Mit dem Klischee der Leibfeindlichkeit hat die Kirche schon lange zu kämpfen – geküsst wurde unter Katholikinnen und Katholiken trotzdem zu allen Zeiten. Was es in der Liturgie mit der Berührung der Lippen auf sich hat, erklärt Alexander Zerfaß.

von Alexandra Hogan

Mehrere Lockdowns und verschobene Hochzeiten: Das Coronavirus hat im vergangenen Jahr zahlreiche Brautleute zur Absage des schönsten Tags im Leben gezwungen. Doch 2021 wird wieder geheiratet und geküsst.

Dass der Kuss in der Kirche eine lange Tradition hat, erklärt Alexander Zerfaß, Professor für Liturgiewissenschaft und Sakramententheologie an der Universität Salzburg: „In der antiken Mittelmeerkultur war er ein Zeichen der Begrüßung. Dieser Aspekt spielt zum Beispiel zu Beginn und Ende der hl. Messe eine Rolle, wenn der Priester den Altar küsst.“

Ein Kuss wird zum Markenzeichen

Nicht um einen Gruß, sondern um ein Zeichen der Verehrung und Ehrfurcht geht es hingegen bei Ikonen und Reliquien. „Da schwingt auch ein wenig der Gedanke der Kraftübertragung von der oder dem Heiligen durch physische Berührung auf die küssende Person mit“, sagt Zerfaß.

Profaner ging es im Fall von Papst Johannes Paul II. zu. Der verstorbene Bischof von Rom besuchte im Laufe seines Pontifikats 127 Länder. Dabei entwickelte sich seine Lippenberührung fremden Bodens nach Flugreisen zu einer Art Markenzeichen. Alexander Zerfaß: „Mit der Geste drückte er vor allem Wertschätzung gegenüber seinem Gastgeber und dem fremden Land aus.“

Das Küssen von Papst- oder Bischofsringen sieht der Liturgiewissenschafter in der heutigen Zeit hingegen kritisch: „Gegenüber menschlichen Personen sind solche Ehrbekundungen sicher nicht unproblematisch – gerade, wenn sie in hierarchisch geprägten Gefügen vorkommen.“ Dass Papst Franziskus diese Bedenken teilt, ist übrigens auf mehreren Videos ersichtlich. Bei verschiedenen Gelegenheiten zog er Gläubigen, die seinen Ring küssen wollten, die Hand weg.

Heute mehr Optionen in der Liturgie

Schicklichkeitsgründe führten im Lauf der Jahrhunderte dazu, dass der Friedenskuss mit anderen Gesten ersetzt wurde. „Zum Beispiel gab es Pax-Tafeln, die von einer Person zur anderen gereicht und als Zeichen des Friedens mit den Lippen berührt wurden“, sagt der Theologe. Allerdings: Im Zuge der Liturgiereform wurde es im Messbuch wieder freigestellt, in welcher Form das Friedenszeichen ausgetauscht wird. „Konkret geht es hier um kulturelle Gepflogenheiten. Wir geben uns die Hand, weil der Handschlag in unseren Breiten verwurzelt wird. In anderen Ländern kommen andere Zeichen zum Einsatz.“

Übrigens: Der Kuss von Braut und Bräutigam hatte ursprünglich keinen Platz in der Hochzeitsliturgie. „Dieses Symbol ist aus Hollywood zu uns übergeschwappt und hat Einzug in die kirchliche Trauung gefunden. Da sieht man, dass Medien eine überaus prägende Wirkung haben.“

Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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