Universität Salzburg
Hier gab es Widerstand

Rund 84 Jahre nach ihrer Auflösung ist Dietmar Winkler einer von zahlreichen Professorinnen und Professoren, die die Theologische Fakultät in Salzburg mit Leben füllen.
  • Rund 84 Jahre nach ihrer Auflösung ist Dietmar Winkler einer von zahlreichen Professorinnen und Professoren, die die Theologische Fakultät in Salzburg mit Leben füllen.
  • Foto: RB/Michaela Greil
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Als die Nazis kamen, mussten die Theologen gehen: Fast 84 Jahre ist es her, seit die Theologische Fakultät in Salzburg im NS-Regime zwangsweise aufgelöst wurde. Einen Einblick in die Geschichte und den neuen Band zum Thema gibt der Kirchenhistoriker Dietmar Winkler.

von Alexandra Hogan

An der Theologischen Fakultät in Salzburg bringt Dietmar Winkler als Professor seinen Studentinnen und Studenten Patrologie und die kirchliche Vergangenheit näher. Genau diesen Ort haben die Nationalsozialisten im Jahr 1938 besetzt; katholische Lehre war hier in den Jahren des NS-Regimes verboten.Gemeinsam mit dem Salzburger Dogmatiker Alois Halbmayr hat Winkler nun ein Buch veröffentlicht, das sich mit eben diesem Kapitel der Fakultätsgeschichte auseinander setzt. Ein Symposium dazu gab es bereits im Gedenkjahr 2018. „Idee und Impuls dazu kamen vom damals amtierenden Dekan Halbmayr“, erzählt Winkler. „Für das Buch erweiterten wir das Konzept wesentlich.“ Das 400-Jahre-Jubiläum der Universität Salzburg ist nun Anlass für den Sammelband.

Universität: Theologie ist Kontinuum

„Uns ist es wichtig, zu zeigen, dass die Theologische Fakultät in der Geschichte der Uni Kontinuität darstellt. Wir wurden als Benediktineruniversität gegründet“, sagt der gebürtige Kärntner und erklärt: Selbst als die Universität im 19. Jahrhundert aufgelöst wurde, sei die theologische Ausbildung weitergegangen. „In der gesamten Zeit von der Gründung 1622 bis heute gab es nur eine einzige Unterbrechung für die Theologie – die Zeit von 1938 bis 1945.“

Unter dem Titel „... und mit dem Tag der Zustellung dieses Erlasses aufgelassen“ finden sich in dem frisch veröffentlichten Sammelband Beiträge von 27 Autorinnen und Autoren, die sich aus verschiedenen Blickwinkeln mit der Auflösung der Fakultät beschäftigen. Auch Persönlichkeiten aus der Erzdiözese haben mitgeschrieben, darunter Ordinariatskanzler Elisabeth Kandler-Mayr und Diözesankonservator Roland Kerschbaum.Sie beleuchten nicht nur grundsätzliche Themen wie den Anschluss Österreichs und die soziale Frage, sondern auch die unmittelbare Auflösung der Fakultät und erstmals die Biografien der Professoren der damaligen Zeit. „Es war für mich eine große Überraschung, wie vielfältig und lebendig die Portraits dieser Professoren sind“, erzählt Winkler.

Widerstand gegen das NS-Regime

Besonderes Augenmerk legten die Autoren auf das Verhältnis der Professoren zum Nationalsozialismus und ihre wissenschaftlichen Leistungen. Das Resümee: „Einige Biografien waren schlichtweg erstaunlich. Die gesamte Fakultät war anti-nationalsozialistisch und wurde deswegen auch aufgelöst.“

Was nicht bedeute, dass es an der Institution keinen Antisemiten gegeben habe. „Josef Dillersberger beispielsweise war Antisemit, aber zugleich unverkennbar Anti-Nationalsozialist. Man muss bedenken, dass der Nationalsozialismus gegen die Kirche und den Klerus war. Es geht also um verschiedene Zugänge. Einen katholischen Antisemitismus gab es aber sehr wohl.“

Das damals schon eingeschränkte kirchliche Leben im Bundesland Salzburg wurde durch die Auflösung der Fakultät und die kurze Lebensdauer der ihr nachfolgenden diözesanen Lehranstalt noch weiter beschnitten, denn „wenn es keine theologische Ausbildung gibt, kann es auch keinen Priesternachwuchs geben“, sagt der Kirchenhistoriker.

Auf den neuen Band blickt Dietmar Winkler mit Stolz – er kenne keine theologische Fakultät im deutschsprachigen Raum, die ihre Auflösung in der NS-Zeit so detailliert aufgearbeitet habe. Das Buch stelle eine tolle Forschungsleistung dar, weil es die Salzburger Fakultät in ihrer Vielfalt darstelle. Dass Winkler heute an diesem historischen Ort wirken darf, erfüllt ihn mit Genugtuung: „Trotz massivster Gewaltanwendung des NS-Regimes waren die Theologie, die intellektuelle Reflexion und Auslegung des Glaubens, der Schrift, die Beschäftigung mit Geschichte, Philosophie und Ethik nicht auszumerzen.“

Der Professor freut sich, dass es heute in Salzburg an einer staatlichen Universität eine gut etablierte theologische Institution gebe, „die sich ganz im Geiste des Zweiten Vatikanums sieht und einen weltoffenen Katholizismus lebt und lehrt. Ich hätte den Professoren von damals gewünscht, zu sehen, wie wunderbar sich unsere Fakultät entwickeln würde“.

Buchtipp: Erhältlich ist der neue Sammelband „... und mit dem Tag der Zustellung dieses Erlasses aufgelassen“ ab 31. März im Tyrolia Verlag. 280 Seiten, 28€, ISBN 978-3-7022-4037-0.

Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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