Diözesangeschichte
Bischofshof statt Zarenthron

„Verkündigung an Maria“ von Andreas Nesselthaler (1808), abgebildet am Hochaltarblatt in der Pfarrkirche Grödig.�
  • „Verkündigung an Maria“ von Andreas Nesselthaler (1808), abgebildet am Hochaltarblatt in der Pfarrkirche Grödig.
  • Foto: RB/Josef Kral
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Hofmaler. Vor 200 Jahren, am 24. September 1821, verstarb in Salzburg Andreas Nesselthaler. Er war der letzte fürsterzbischöfliche Hofmaler – eine stille, aber sehr vielseitige und begabte Künstlerpersönlichkeit.

von Roland KerschbaumDiözesankonservator der Erzdiözese Salzburg

„Nesselthaler, der als Mensch und Künstler von jedem Kunst- und Menschenfreunde aufgesucht und gekannt zu werden verdient.“ So beschreibt der Salzburger Domherr Friedrich von Spaur in wenigen treffenden Worten den 1748 in Langenisarhofen bei Deggendorf in Niederbayern geborenen Andreas Nesselthaler. Als junger Mann kam er zu seinem Onkel nach Baden bei Wien und lernte hier das Vergolderhandwerk, wobei ihn die Malerei schon von Kindheit an faszinierte. 1772 gelangte er in Wien an die Akademie und lernte bei dem großen Maler Franz Anton Maulbertsch. Von 1779 bis 1789 lebte und arbeitete er in Rom und Neapel und erhielt für sein künstlerisches Schaffen eine vielseitige Anregung. Hervorzuheben sind hier unter anderem seine Arbeiten im Königsschloss Caserta als Mitarbeiter von Friedrich Heinrich Füger.

Lieber Salzburg als St. Petersburg

Seit 1782 beschäftigte er sich immer stärker mit der im 18. Jahrhundert wieder entdeckten antiken Technik der so genannten Enkaustik (Wachsmalerei), was ihm überregionale Bekanntheit und auch Aufträge an den Hof der russischen Zarin Katharina II. verschaffte. 1789 folgte er aber wohl aufgrund gesundheitlicher Aspekte nicht einem Ruf nach St. Petersburg, sondern übersiedelte auf Einladung des Salzburger Fürsterzbischofs Hieronymus Graf Colloredo nach Salzburg, wo er bis zu seinem Tod 1821 leben und arbeiten sollte.Das Interesse des Erzbischofs an der Antike und der bereits große Bekanntheitsgrad Nesselthalers als Enkaustikmeister dürften dafür verantwortlich sein. So spricht 1789 eine deutsche Kunstzeitschrift von Nesselthaler als einem Meister, „welcher sich in der sogenannten enkaustischen Mahlerey besonders auszeichnet“. Kein Wunder daher, dass er als erstes großes Werk 1789 – 1794 das enkaus-tische Kabinett mit 56 eigenen Bildern in der neuen Gemäldegalerie des Erzbischofs in der Residenz schuf, von dem sich infolge der Säkularisation nur mehr wenige Bilder erhalten haben. Colloredo war ja entgegen späterer Bewertungen ein durchaus kunstinteressierter Herrscher, der den Gemäldebestand in der Residenz durch zahlreiche Neuankäufe vermehrte. In Würdigung seiner Verdienste wurde Nesselthaler 1794 zum Hofmaler und Galerieinspektor ernannt.

Altarbilder für Hallein und Grödig

Über die Wachsmalerei hinaus war Nesselthaler aber in vielen künstlerischen Sparten tätig. Der Künstler hat zahlreiche Reisen durch Salzburg getätigt und diese in Form von objektiven Landschaftsdarstellungen als Aquarell oder Radierung verewigt. Besonders oft hat er die verschiedenen Wasserfälle des Landes als künstlerisches Thema gewählt. Ab der Zeit um 1800 beschäftigte er sich vermehrt mit sakralen Themen und lieferte für einige Kirchen Altarblätter (zum Beispiel Hallein, Grödig, Matrei in Osttirol) oder schuf wie im Falle von Brixen im Thale auch Deckenfresken.Bereits in Italien erlangte Nesselthaler einen gewissen Bekanntheitsgrad durch seine Transparentbilder. Bildmotive wie künstliche Mondscheine oder Vulkan- und Feuerbilder erregten durch ihre hintergründige Beleuchtung die Faszination der Betrachter und entsprachen dem emotionalen Zeitgeist der Empfindsamkeit des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Daneben betätigte er sich als Porträtmaler. Einige Selbstporträts haben sich neben Bildern von Vertrauten und Herrscherpersönlichkeiten erhalten.

Am Rupertitag 1821 verstorben

Nesselthaler blieb auch nach der Säkularisation von 1803 in Salzburg tätig und stand in Diensten von Kurfürst Ferdinand III. von Toskana sowie der späteren österreichischen und bayrischen Herrschaft, wobei er die Auflösung der Salzburger Kunstbestände und ihren teilweisen Abtransport unter anderem nach Wien miterleben musste. Nach längerer Krankheit verstarb er am Rupertitag 1821 und wurde in der Kommunegruft von St. Peter begraben. Sein Grabstein hat sich beim Eingang zu den Katakomben bis heute erhalten.Obwohl nach Nesselthaler eine Straße in Salzburg benannt ist, führt er in der Kunstgeschichte eher ein Schattendasein. Die zurückhaltende Art seiner Bilder im Stil eines gemäßigten Klassizismus sowie sein stiller Charakter mögen dafür die Ursachen sein. Der Domherr Graf Spaur setzt ihm ein schönes Denkmal, wenn er schreibt, dass Nesselthaler von seiner Kunst nicht aufgebläht sei, „sondern einfach und ein sehr richtig, helle und liebevoll denkender, auch sittlich gut handelnder Mann, der von allem Eigennutz entfernt, wie ein Weiser, äußerst wenig Bedürfnisse hat und bloß dem Studium seiner Kunst lebt“

Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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