Jodeln
Ein Klang mitten ins Herz

Jodeln ist mehr als ein lauter Juchzer. Je nach Ort ist Jodeln laut und fröhlich oder auch gesetzt, ruhig und meditativ. Elisabeth Radauer vom Salzburger Volksliedwerk findet, ein Jodler passt eigentlich fast immer.
  • Jodeln ist mehr als ein lauter Juchzer. Je nach Ort ist Jodeln laut und fröhlich oder auch gesetzt, ruhig und meditativ. Elisabeth Radauer vom Salzburger Volksliedwerk findet, ein Jodler passt eigentlich fast immer.
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Ohne große Worte kommt ein Jodler aus und geht doch ganz tief ins Herz. Das wissen alle, die schon einmal beim Andachtsjodler zu Tränen gerührt waren. Aber passt Jodeln auch in die Kirche? Antworten darauf hat Elisabeth Radauer vom Salzburger Volksliedwerk.

von Monika Hölzl

Nach Maiandachten herrscht eine besondere Stimmung. Die Leute sitzen und lassen die Andacht nachwirken. „Die Menschen sind irgendwo zwischen dem Geistlichen und dem Weltlichen. Da stimme ich gerne einen Jodler an“, sagt Elisabeth Radauer vom Salzburger Volksliedwerk (SVLW). Ruhig und meditativ müsse der Jodler dann sein.

Seinen Ursprung hat das Jodeln auf der Alm. Als Verständigung zwischen Mensch und Mensch oder Mensch und Tier war es die einzige Möglichkeit, sich über große Entfernungen mitzuteilen. Dementsprechend laut und ungehobelt kommt da so mancher Juchzer daher, bei dem die Kühe gleich wussten, dass es jetzt zum Heimgehen ist.

Jeder Moment mit Emotion ist lebenswert

„Beim Jodeln finden die Leute zu ihrer Naturstimme“, sagt Radauer. Selbstsicherheit, Stimmsicherheit und das Aufeinander-Hören seien wesentlich, wenn mehrere Menschen miteinander diese besondere Musikform anstimmen.

Die Bandbreite des Jodelns hat sie als Sängerin kennen gelernt. Von den lauten stimmgewaltigen Tönen in den Bergen bis hin zum gesungeneren, „gepflegteren“ Klang. Letzerer ist auch der, der sich gut in eine Liturgie einfügen kann. „Mit einem Jodler kann ich Unfassbares, Unaussprechliches, wie Gottes Größe ausdrücken“, sagt Radauer. Während Gloria oder Kyrie textbesetzt sein sollten, gibt es in der Liturgie Stellen, wo es zum Nachdenken wird, wo Musik mit meditativem Charakter Platz hat. „Beim Einzug, beim Auszug, als Zwischengesang oder während der Kommunion passt ein Jodler gut.“ Jedesmal ein Erlebnis ist eine Bergmesse, bei der gejodelt wird. Das geistliche Lied „Gott hat alles recht gemacht“ enthält sogar einen Jodler. „Am schönsten ist es, wenn die Gläubigen in den Gesang einsteigen können, es hat dann etwas von Taize-Gesängen“, findet Radauer.

In schöner Erinnerung hat sie das Begräbnis von Roswitha Meikl. „Wir haben den Roller in Endlosschleife gesungen, bis sich alle verabschiedet hatten.“ Diesen bekannten Jodler aus dem Ausseerland mochte die 2021 verstorbene Vorsitzende des SVLW besonders gern.

Viele kennen auch den Andachtsjodler, den Sterzinger Mettenjodler, wie er eigentlich heißt. „Er rührt Menschen zu Tränen, löst in ihnen tiefe Emotionen aus. So einen Moment darf man sich nicht nehmen lassen, er ist lebenswert“, sagt Radauer.

Jodlerseminare und Mariazeller Wallfahrt

Wer jetzt auch gerne einmal seine Stimme neu entdecken möchte, den lädt Elisabeth Radauer zu einem der vielen Jodlerseminare des SVLW ein.Vorkenntnisse sind genauso wenig notwendig, wie Noten lesen können. „Ein musikalisches Interesse braucht man und Neugierde“, ermuntert Radauer. Ende September findet die Sänger- und Musikantenwallfahrt nach Mariazell statt. Erzabt Korbinian Birnbacher vom Stift St. Peter begleitet die Wallfahrt. Er ist überzeugt: „Ein Jodler ist ein hohes Kulturgut. Er ist eine Form von Lobpreis, wo man sich über etwas freut, eine schöne Landschaft oder die gute Stimmung in der Gemeinschaft. Er kommt aus dem Inneren des Menschen heraus.“ Da gibt es bei dieser Wallfahrt sicher viel zu jodeln.

Tipp: Jodeln lernen können Interessierte bei einem der Jodelseminare des SVLW.
Die nächsten beiden Seminare sind schon am 2. Juli auf der Heinrichsalm und am 16. Juli auf der Sausteigalm.Die Sänger- und Musikantenwallfahrt nach Mariazell findet vom 30. 9. bis 2. 10. statt.  Infos und Anmeldemöglichkeiten zu Jodelseminaren und zur Wallfahrt unter www.salzburgervolksliedwerk.at oder 0662/8042 2583.

Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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