Theaterstück zum 10. Oktober
Identität und Heimat auf der Theaterbühne

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Die Kärntner Volksabstimmung jährt sich am 10. Oktober zum 100. Mal. Neben der Veranstaltungsreihe „CarinthiJA2020“ (Land Kärnten) und dem Fest beim Lindwurm am
8. Oktober in Klagenfurt gibt es auch ein äußerst sehenswertes
Theaterprojekt vom 2. bis 8. Oktober in St. Jakob im Rosental zu erleben.
von Katja Schöffmann

Das Jahr 2020 ist für Kärnten ein besonderes Jahr. Die Volksabstimmung um den Verbleib Südkärntens bei Österreich jährt sich zum 100. Mal. Nicht erst seit damals sind die Begriffe „Heimat“, „Identität“ und „Grenze“ stets hoch aktuell.
In Form des zweisprachigen Theaterstückes „Kommen. Gehen. Bleiben//Priti. Oditi.Ostati“ unter der Regie der Kärntner Slowenin Mira Stadler werden diese Themen vom 2. bis 8. Oktober im Pfarrsaal von St. Jakob/Šentjakob im Rosental aufgegriffen.
Heimat, Identität und Platz im Universum
Dieses vom slowenisch-kärntnerischen Kulturverein „Barba“ produzierte Theaterstück in deutscher und slowenischer Sprache ist eine bewusste Auseinandersetzung mit den Themen Fernweh, Heimweh, Grenze und Identität. Der Theaterabend verspricht ernstes, aber besonders auch leichtes und humorvolles Eintauchen in diese doch ernste Thematik. Stadler informiert: „Die eigene Identität und damit verbunden die Suche nach einem Platz im großen Universum, in der Heimat/domovina, werden zum Zentrum der Geschichte dieses Theaterprojektes.“ Es ermöglicht inhaltlich eine Stimme für Gebliebene, Angekommende, Weggegangene und Zurückwollende.
Die Autorin des Stückes, Alina Zeichen, hat aus Interviews mit ausgewählten Künstlerinnen, die entweder von Kärnten weg- oder hierher gezogen sind, eine spannende Textcollage erstellt. Da heißt es beispielsweise: „Das DORT steht für die Orte, die verlassen wurden. DORT ist auch Kärnten. Sogar ganz oft. Das HIER ist das Land/die Stadt, in der jetzt gelebt wird. Manchmal ist HIER hier.“
Mira Stadler, freischaffende Regisseurin, wurde 1992 im slowenischen Teil Kärntens geboren. Nach dem Slowenischen Gymnasium in Klagenfurt und dem Studium der Kultur- und Sozialanthropologie trat sie ins Reinhardt Seminar ein. Die dem Theaterstück als Basis dienende Textvorlage stammt von Alina Zeichen, Obfrau von „Barba“.
Zeichen: „Als künstlerische Leiterinnen des neugegründeten Vereins ‚Barba‘ haben wir uns feministische Prinzipien in die Statuten geschrieben und wollen Frauen vermehrt Öffentlichkeit und Rampenlicht bieten.“
Dies ist die erste gemeinsame Theaterproduktion von Mira Stadler und Alina Zeichen. Stadler erklärt: „Das Stück fügt sich in die Reihe der Versuche ein, die 10. Oktober-Feierlichkeiten kritisch zu hinterfragen, Heimat und den Begriff zu dekonstruieren.“
„Jeder Mensch hat seine Definition“
Die Begriffe „Heimat“ und „Grenze“ können aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven beleuchtet werden. Dennoch wohnt jedem Menschen eine eigene, ganz persönliche Definition inne. Mit Hilfe von verschiedenen Interviews, Texten und Gesprächen wurde ein für das Publikum intensiver Abend entwickelt. Die Zuseher können Impulse für eigene Antworten auf ihre Fragen finden, das Stück kann aber auch neue Fragen für das Leben aufwerfen.
Über Landflucht und Sehnsucht im Kopf
Für Stadler, die, wie auch Alina Zeichen und ein Teil der Darstellerinnen des Abends, Kärntner Slowenin ist, „war die Arbeit am Theaterstück sehr schön, weil die Texte für die Suche nach dem Ich im Universum wichtig sind“. Der Pfarrsaal in St. Jakob ist „ein Traditionsort für zweisprachige Theateraufführungen“, weiß Stadler zu berichten.
Wie kam es zur Zusammenarbeit? Stadler berichtet: „Vor zwei Jahren haben wir gesehen, dass das Land Kärnten die Initiative ‚CarinthiJA2020‘ zum Jubiläum 100 Jahre Volksabstimmung anbietet. Da gab es u. a. das Leitthema ‚Migration und Identität‘. Dazu wollten wir unseren Beitrag leisten.“
Die Idee war bald geboren: Ein Stück über Frauen, die nach Kärnten kommen wollen als auch über Frauen, die hier wegziehen wollen. „Das Thema Landflucht war der aktuelle Bezug“, verrät Stadler. Durch die Interviews ist so eine Gruppe von Menschen mit Ähnlichkeiten entstanden.
„Der Bezug zu Kärnten geht nie verloren“
„Kommen. Gehen. Bleiben“ wird von drei Schauspielerinnen auf der Bühne szenisch dargestellt. Interessant zu wissen: „Es wird keine klassische Theatergeschichte mit Handlung erzählt. Das Stück bewegt sich von Assoziation zu Assoziation immer in Verbindung mit Kärnten-Bezug“, erklärt Stadler. „Es soll auch meine Ansicht der Dinge, wie Wurzeln und Heimat, in das Stück gepackt werden. Beruflich viel unterwegs, wohne ich ja in Wien. Der Bezug zu Kärnten geht aber nie verloren.“
Das Bühnenbild soll Assoziationen zu Kärnten wecken: „Die Bühne stellt einen assoziativen Raum mit Wirtshaus-Thematik dar“, verrät Stadler. Kostüme und Bühnenbild sollen mit ihrer Ästhetik „eine Leichtigkeit in die schwere Thematik bringen. Es soll ein unterhaltsamer Theaterabend werden, mit dem Versuch, die Ernsthaftigkeit aus dem Thema zu nehmen“, resümiert Stadler ihre Intention.
Noch zum Thema der „Grenze“: „Es ist ein weiter Begriff. Es geht um die Reflexion zu den Feierlichkeiten rund um den 10. Oktober. Es geht um das Hinterfragen, ums darüber Nachdenken, wie das Ereignis am besten in Erinnerung bleiben kann“, lässt Stadler an ihren Gedanken teilhaben.

Autor:

Gerald Heschl aus Kärnten | Sonntag

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