Carla-Maria Hanifl (48), Religionslehrerin an der HTL Eisenstadt
„Es geht um Herzensbildung“

Ambitioniert, erfahren, dankbar: „Wir sind für viele Schülerinnen und Schüler die einzige Schnittstelle von Kirche und Gesellschaft. Es ist daher eine große Chance, dass wir die Möglichkeit des Religionsunterrichts noch haben!“
  • Ambitioniert, erfahren, dankbar: „Wir sind für viele Schülerinnen und Schüler die einzige Schnittstelle von Kirche und Gesellschaft. Es ist daher eine große Chance, dass wir die Möglichkeit des Religionsunterrichts noch haben!“
  • Foto: Hanifl
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Für Carla-Maria Hanifl ist der Religionsunterricht eine ideale Plattform um tiefgehende Fragen zu diskutieren. Die Schüler sollen in ihren Stunden aufatmen können und sich angenommen fühlen.

Im Unterricht von Carla-Maria Hanifl dürfen auch die SchülerInnen am Ende des Jahres Noten geben. Die Pädagogin ist mit deren Beurteilung grundsätzlich sehr zufrieden, fügt aber hinzu: „Ich habe auch einmal einen Vierer bekommen.“ Was erwartet die Klassen in ihrem Religionsunterricht an der HTL Eisenstadt? „Wir haben Zeit für Dinge, für die sonst kein Raum ist.“ Ihr persönlicher Hintergrund: „Ich selbst durfte erleben, dass es Gott gibt und dass er mich liebt. Das hat alles in meinem Leben neu justiert. Wenn ich diese Grundüberzeugung im Leben nicht hätte, würde ich mich niemals vor eine Klasse stellen und über den katholischen Glauben reden. Die würden mich zerlegen und das zu Recht.“ Carla-Maria Hanifl ging den Weg von der Abiturientin einer technischen Schule im Allgäu zur Religionslehrerin im Burgenland. 1990 fuhr die junge Frau zu einem Festival nach Medjugorje. Beeindruckt von der dort erlebten Gotteserfahrung beschloss sie Theologie zu studieren. Ihren späteren Mann hat sie beim Weltjugendtreffen in Denver kennengelernt. Seit 24 Jahren lebt die vierfache Mutter in Oggau.

Ein Vorteil im Religionsunterricht sei der fächerübergreifende Spielraum. Carla-Maria Hanifl verlangt keine Hausübungen. Aber sie will, dass ihre Schüler im Unterricht präsent sind. Es geht oft hitzig her, aber immer mit Respekt: „Ich mache gerne geführte Diskussionen, in denen man unterschiedliche Rollen einnimmt.“ Schwierige Situationen habe sie auch erlebt: „Ein Schüler hat einmal in der Wut eine Bibel zerrissen. Ich habe ihm noch eine gegeben und gesagt: ‚Auf die passt du auf.‘ Das hat dann gut geklappt. Oft sind es die anfangs kritischen oder schwierigen SchülerInnen, zu denen im Laufe der Zeit eine sehr gute Beziehung entsteht.“ So war es auch mit diesem Schüler. „Er ist schon lange nicht mehr an der Schule, aber wenn wir einander an seinem jetzigen Arbeitsplatz begegnen, kommt er immer extra aus dem Büro, begrüßt mich und wir unterhalten uns ein bisschen.“Ein wichtiges Element im Unterricht von Carla-Maria Hanifl ist am Beginn jeder Stunde das Lesen einer Bibelstelle. Immer ein anderer Schüler übernimmt dies mittels Smartphone-App. „Sie legen großen Wert darauf, dass wir diesen Teil der Unterrichtsstunde nie auslassen.“

Welche Themen beschäftigen SchülerInnen? „Meistens aktuelle und gesellschaftliche Entwicklungen. Aber auch emotionale Anliegen werden vorgebracht.“ Als die Mutter einer Schülerin krank war und letztlich gestorben ist, meinte das Mädchen, dass ihr Gott nun gestohlen bleiben könne. Im Unterrichtsgegenstand Religion bleibt Zeit darauf einzugehen. „Für existenzielle Fragen reicht aber reines Faktenwissen nicht aus. Da braucht es manchmal auch persönliche Worte: Dass auch ich das Leid nicht verstehe, aber erlebt habe, dass Gott mir in schweren Zeiten beisteht.“ Solche Stunden seien herausfordernd für alle. Carla-Maria Hanifl will den Jugendlichen Vertrauen vermitteln: „In dir steckt etwas Besonderes! Lass dich nicht entmutigen! Die größten Niederlagen können zu den größten Erfolgen in deinem Leben werden! Du bist geliebt von Gott und hast einen Platz in der Geschichte, den niemand sonst einnehmen wird!“ Schließlich gehe es im Religionsunterricht auch um Herzensbildung. „Religionsunterricht ist für mich die Plattform, wo Menschen zu tiefgehenden Fragen angeregt werden. „Wohin gehen wir? Dürfen wir alles, was wir können? Ist ein Leben mit Defiziten lebenswert? Diese und ähnliche Fragen sollten wir nicht nur irgendwelchen Ethikkommissionen und religiösen Führern überlassen. Der Religionsunterricht ist ein Ort, wo darüber nachgedacht, gelernt und gesprochen wird.“ «

Autor:

Gerald Gossmann aus Burgenland | martinus

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