Mein Weg nach Rom 2/10
Auf der Via Romea und am Kaiserweg

Im Wipptal führt der Pilgerweg bis zum Brenner.
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Vom Brennerpass bis in die Poebene

Alle Wege führen nach Rom, heißt es. Der schnellste und einfachste führt über den Brennerpass. Kaiser- und Heerestrosse, Geistliche, Händler und Pilger, alle zogen sie auf dieser Route gegen Süden.

Heute „pilgern“ Kolonnen von Urlaubern und LKWs nach Italien und bringen die Anrainer an die Grenze der Belastbarkeit. Meine Frau und ich als Pilger hinterlassen höchstens Fußspuren – absolut klimafreundlich.

Als Via Romea bezeichnete Abt Albert vom Marienkloster in Stade bei Hamburg jene Route, die er im Jahre 1237 von Rom zurück in seine Heimat wählte. Da diese Strecke ebenfalls von den Königen und den römischdeutschen Kaisern benutzt wurde, nannte man ihn auch Kaiserweg.

Im Kloster Säben gibt es wieder Pilgerseelsorge. | Foto: Treml
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KLÖSTER UND HOSPIZE

Wir sind in Südtirol entlang des Flusses Eisack unterwegs. Eine ältere Dame spricht meine Frau und mich an, denn an den großen Rucksäcken sind wir leicht als Pilger erkennbar: „Wo geht ihr hin?“ „Nach Rom!“ „Na dann einen schönen Spaziergang! Und wenn ihr in Rom seid, schließt mich ins Gebet ein.“ Spaziergang? Man muss die Sprache der Südtiroler verstehen, um zu wissen, dass der Wunsch nicht ironisch, sondern gut gemeint ist.

Eine Pilgeretappe weiter tauchen wir im Kloster Säben in die Geschichte der ersten Christianisierung Tirols ein. Bereits um 350 n. Chr. ist hier eine christliche Gemeinde nachweisbar, aus der sich später ein Bischofssitz entwickelte. 350 Jahre lebten Benediktinerinnen auf Säben, gaben es aber 2021 aus Nachwuchsmangel auf. Der Bestand dieses einmaligen Klosters schien in Frage gestellt, bis ab 2024 die Zisterzienser vom Stift Heiligenkreuz die Pilgerseelsorge wieder aufgenommen haben.

BRIXEN

Bis 1964 war der Bischofssitz in Brixen. In Brixen ist für uns der Besuch des Domkreuzgangs mit dem größten romanischgotischen Freskenensemble Tirols Pflicht. Zuvor schon sind wir auf unserer Pilgerreise am Augustiner-Chorherrenstift Neustift vorbeigekommen. Es liegt idyllisch in einem Halbrund von Weinbergen. Vor der Klosteranlage steht die sogenannte Engelsburg, die um 1200 als Kapelle bzw. Hospiz für Pilger errichtet wurde.

Die Konzilsstadt Trient mit ihrem Dom. | Foto: Treml

NACH BOZEN

Denn Pilger und Reisende benötigen Unterkünfte. Dafür kam ab Beginn des 13. Jahrhunderts der Deutsche Orden ins Spiel, der in Südtirol entsprechende Einrichtungen in Sterzing, am St.-Ulrichs-Pass in Lengmoos, Bozen und Trient besaß. Nach wie vor ist der Deutsche Orden in Südtirol sehr präsent.

Ab Bozen führt der Pilgerweg in die wunderbare Hügellandschaft Überetsch. Dem Engel, der die Blumensamen auf dieser Erde zu verteilen hatte, muss wohl versehentlich der Sack geplatzt sein: Wir durchwaten im sogenannten Frühlingstal eine unglaubliche Blütenpracht, um dann den Pilgertag am Kalterer See mit einem Glas des gleichnamigen Weins zu beschließen. Aber nicht immer ist am Ende des Tages das Quartier schon gefunden. Kurz vor Salurn bleibt ein Traktor stehen. „Habt ihr schon ein Zimmer?“ „Nein!“ „Dann steigt auf!“ Und so nächtigen wir unerwartet in einem Ansitz zu einem sehr entgegenkommenden Pilgerpreis. Das Frühstück in der getäfelten Stube mit Vinschgauer Brot, Speck und Käse bleibt uns noch lange in Erinnerung.

TRENTINO UND VENETIEN

Nach der Salurner Klause verlassen wir das deutsche Sprachgebiet und befinden uns im Trentino mit der Hauptstadt Trient, im 16. Jahrhundert Schauplatz des Tridentinischen Konzils. Die Dekrete unterschrieb damals Papst Pius IV. im romanischen Dom San Vigilio. Wer diese große Kirchenhalle betritt, taucht ein in eine mystische Atmosphäre. Hier und nicht wie gewünscht in Rom ließ sich Maximilian I. 1508 zum Kaiser krönen: Die Venezianer hatten ihm den Durchzug verweigert. Uns ergeht es da besser: Wir verlassen das Etschtal, folgen dem Fluss Brenta und schreiten am Ende des schroffen Valstagnatales über die berühmte hölzerne Ponte Vecchio in das Städtchen Bassano del Grappa. Das Tor zur Poebene steht uns offen.

Pilgern in die Ewige Stadt
FERDINAND TREML
WAR LEHRER, SCHULDIREKTOR UND BEZIRKSSCHULINSPEKTOR. ER IST AUTOR DES PILGERFÜHRERS „DER PILGERWEG NACH ROM“ (TYROLIA VERLAG).

WEGMARKEN

Mit den Füßen beten

Pilgern bedeutet, die Komfortzone zu verlassen. Auch wenn die Füße brennen, das Knie schmerzt, es wie aus Gießkannen regnet – wir gehen weiter und erstaunlicherweise legen sich die anfänglichen Beschwerden (fast) immer. Wenn ich mich wieder einmal frage, warum ich mir das antue, ist es oft mein Mann, der mich aufmuntert und nach einer kleinen Raststation Ausschau hält, wo wir uns stärken können. Bier und Schokolade können Leben retten – zumindest meine Energie wieder mobilisieren!

An einem herausfordernden Regentag denke ich immer wieder an ein Zitat eines buddhistischen Mönchs: „Die Menschen aus dem Westen gehen mit dem Regenschirm duschen. Sie wollen nicht nass werden! Sie wollen Gott verstehen und begreifen, aber sie wollen sich nicht aussetzen. Gott ist Geheimnis, wenn wir loslassen, kann es uns ergreifen. Ergriffen sein, das schenkt uns Fülle, Freude, Dankbarkeit!“

Je länger wir unterwegs sind, desto mehr ergreift mich die Schönheit dieser Welt: die Mächtigkeit der Berge, die Einfachheit der Bergbauern, das unaufhörliche Plätschern des Wassers. Mit jedem Schritt wächst die Verbundenheit mit allen Geschöpfen und mit dem Schöpfer. Das Gehen wird zum Gebet – mal ist es ein Klagepsalm, dann wieder ein fröhliches „Jeder Tag ist ein Geschenk, jeder Tag hat etwas Gutes, mach die Augen auf und denk, heut bin ich frohen Mutes!“

Ja, ich bin zuversichtlich: Immer mehr Menschen (aus dem Westen) brechen auf und lassen den Regenschirm stehen. Sie wollen nass werden.

MARGIT SCHMIDINGER
Rompilgerin, Seelsorgerin und Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung OÖ

Im Wipptal führt der Pilgerweg bis zum Brenner.
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Die Konzilsstadt Trient mit ihrem Dom. | Foto: Treml
Im Kloster Säben gibt es wieder Pilgerseelsorge. | Foto: Treml
Autor:

martinus Redaktion aus Burgenland | martinus

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