BLICK_WINKEL
Noch mehr Druck auf die Landwirtschaft?

„Heuer gibt es keine Äpfel“, das sagte der Biobauer zu mir und zuckte mit den Achseln, als wir unter seinen Apfelbäumen mit ihren eingekräuselten Blättern durchgingen.

Der WWF macht auf „nicht gegessene Lebensmittel“ aufmerksam. Und er bemüht dabei für die Verschwendung ein dramatisches Bild: Statistisch gesehen wirft jeder Mensch in Österreich pro Jahr rund 135 Kilogramm Lebensmittel weg. (Da ich und viele meiner Leser:innen im vergangenen Jahr rein gar nichts weggeworfen haben, muss also die „Sündenlast“ mancher Mitbürger noch größer sein ....) Die Stellungnahme des WWF stützt sich auf umfangreiche Studien, in deren Darstellung ich Einblick genommen habe. Beklagt werden darin unter anderem Raubbau an der Natur durch die Landwirtschaft und schlechtes Verteilungsmanagment der geernteten Güter. Gefordert werden mehr Mittel für die Umstellung auf schonende Bewirtschaftungsmethoden und für die Reduktion von CO 2 -Ausstoß durch die Landwirtschaft.

Wollte man diese Maßnahmen und die sicherlich auch wünschenswerte Heranziehung von Bio-Nahrungsmittel auf den Preis umlegen, dann würde ein Liter Milch wohl so an die 10 Euro kosten und Fleisch wäre womöglich nicht mehr unter einem Kilopreis von 100 Euro erhältlich.

Da bleibt einem dann nur mehr übrig, weniger zu essen – also zumindest in unseren Breiten wäre damit ein gesundheitlicher Effekt zu erzielen (Stichwort Zivilisationskrankheiten).

Ich bin auf einem Bauernhof in einem burgenländischen Dorf aufgewachsen. Bis heute habe ich nicht den Eindruck, dass man sich als Bauer eine goldene Nase verdienen kann. Deshalb möchte ich an dieser Stelle eine Lanze brechen für die heimischen Landwirte, Gärtner und alle ihre Mitarbeiter. Sie stellen das Rückgrat der österreichischen Versorgung mit Nahrhaftem dar. Unter der sengenden Sonne beugen sie ihren Rücken zu Gurken und Salat, mit klammen Fingern hantieren sie im Herbst und Winter an Trauben und Reben, Wind und Regen trotzen sie, wenn sie mit ihren Geräten die Erde durchfurchen.

Stichwort Lebensmittelsicherheit: Früher war ich der naiven Meinung, dass man – durchaus am Weltmarkt – das Essbare dort kaufen sollte, wo es am billigsten ist. Die Corona-Pandemie mit ihrem weltweiten Stocken der Versorgungsketten hat mich eines Besseren belehrt. Grundversorgung muss lokal ermöglicht werden und bleiben. Sowenig wie wir vom Gas aus Russland abhängig sein sollten, dürfen wir durch die Lieferung von Lebensmitteln erpressbar werden. Gelegentlich flattern noch immer Presseaussendungen in meine Mailbox, in denen in klassenkämpferischer Manier auf die Bauern eingedroschen wird. Was soll das eigentlich? Es kann sich ja auch politisch nicht mehr lohnen: Gerade mal 3,1 Prozent der Erwerbstätigen Österreichs sind in der Landwirtschaft beschäftigt.

Franz Josef Rupprecht
Chefredakteur

Autor:

martinus Redaktion aus Burgenland | martinus

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