Leserbrief
Jesus war ein Querdenker

Sehr verehrtes Redaktionsteam!

Gleich vorweg: ich gehöre nicht zu den „notorischen Leserbriefschreibern“.
Als langjähriger Martinus-Bezieher muss und kann ich leider auch feststellen, dass äußerst selten kritische Anmerkungen in dieser Rubrik zu finden sind. Manchmal nur in einem kurzen Absatz – und dann wird aus „Platzgründen“ vielleicht noch auf das Internet zum Nachlesen verwiesen! Eine provokante Interpretation wäre, dass man die „sogenannten Frommen“ nicht vergrämen will.

Nun zu meinem Anliegen, das den Artikel „Querdenker“ vom 13. 02. Von P. Karl Schauer OSB betrifft.
Die Bedeutung des Begriffes „Querdenker“ in der augenblicklichen politischen Gemengelage, ist keineswegs so streichelweich wie es der Autor beschreibt. Die „Spaziergänge“ (Demonstrationen) im Zusammenhang mit der Covid-Lage liefern uns andere Bilder, die durchaus auch von Gewaltbereitschaft geprägt sind.
Und wenn man da Jesus, der in einem ganz anderen (positiven) Sinn als Querdenker bezeichnet werden kann heranzieht, sorgt das schon für etwas Verwunderung.

Wesentlich bedenklicher ist dann die nächste „Querverbindung“ die von P. Schauer hergestellt wird:
Er findet es „lächerlich und übertrieben, dass sich Kirchenmitarbeiter*innen als QUEER outen, als würden ihre sexuelle Orientierung andere interessieren. Das grenzt an Selbstüberschätzung ....!“
Herr P. Schauer verschweigt bewusst oder unbewusst den Hintergrund dieser Aktion! Hier geht es um das „Gutachten über sexuelle Gewalt“ im Erzbistum München. So gesehen ist diese Anmerkung in höchstem Maße beleidigend und menschenverachtend!

Herr P. Schauer hätte sich nur „Warum glauben?“ mit Herrn Prof. Zulehner anschauen sollen, um dieses Problem mit christlichen Worten kommentieren zu können. Eine durchaus lesenswerte Quelle wäre auch in Religion.ORF.at - Theologinnen: #OutinChurch – Schreckmoment für Kirche.
In Kurzform:
Herr P. Schauer liefert uns einen streichelweichen „Querdenkerbegriff“ und blendet die politische Realität, die dieses Wort erst bekannt machte, vollkommen aus.
Herr P. Schauer findet das Outing von „queeren“ Kirchenmitarbeiter*innen lächerlich und uninteressant. Er nennt nicht den Grund (Gutachten über sexuelle Gewalt im Erzbistum München)! Diese Anmerkung ist beleidigend und in höchstem Maße menschenverachtend!
Eines stimmt: Jesus war ein Querdenker im Sinne der Wortdefinition.

Sie sehen „ich fühle mich nicht verstanden“ (abgewandeltes Zitat – Leserbrief vom 20. 02. 2022 – anscheinend positive Reaktion?). Ich bin schon seit Jahrzehnten Mitarbeiter in kirchlichen Bereichen, keineswegs frustriert, aber mit zunehmendem Alter vielleicht mehr bereit kritisch zu hinterfragen. Wäre für das junge Redaktionsteam auch nicht schlecht. Kritisches Hinterfragen bewahrt vor Stillstand.

Liebe Grüße und bleiben Sie gesund.

HR Mag. Otto Konrath
Stegersbach

Autor:

Redaktion martinus aus Burgenland | martinus

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