Was alles nicht in der Bibel steht: „ ... erdichtet, um die einfachen Menschen in Erstaunen zu versetzen ...“
Jesus in den apokryphen Schriften

Jesus macht die Tonvögelchen seiner Spielkameraden lebendig.
  • Jesus macht die Tonvögelchen seiner Spielkameraden lebendig.
  • Foto: Klosterneuburger Evangelienwerk / Stadtbibliothek Schaffhausen / Wikipedia
  • hochgeladen von Gerald Gossmann

Jesus ist ein Erfolgsartikel seit fast schon 2000 Jahren. Seine Faszination ist nahezu ungebrochen. Aber woher wissen wir überhaupt etwas von Jesus? Unsere „Informationen“ haben wir aus den 27 Büchern des Neuen Testaments.

von Karl-Richard Essmann

Aber zu unserem „Wissen“ gehören auch Inhalte des christlichen Glaubens die in der Bibel nicht genannt sind. Zum Beispiel, dass die heilige Anna ihrer Tochter Maria schon sehr früh lesen und schreiben gelehrt hat, dass Ochs und Esel bei der Geburt Jesu anwesend waren oder wer die Brüder und Schwestern Jesu wirklich waren von denen die Heilige Schrift erzählt.Oft wissen wir gar nicht, woher diese Informationen stammen, wir haben sie einfach. Die Texte des Neuen Testaments wurden im 1. Jahrhundert n. Chr. geschrieben, aber die Menschen haben auch danach nicht aufgehört religiöse Erbauungsgeschichten über Jesus zu schreiben. Vor allem sind es Erzählungen, die in den Evangelien ausgespart oder nur kurz gestreift wurden. Über die Kindheit Jesu ist doch sehr wenig bekannt, auch über die Familie Jesu selbst erfahren wir dort fast nichts.

Geheime Texte. Aber alle Texte ab dem 2. Jahrhundert und danach, die sich mit diesen Fragen beschäftigt haben, nennt man die „apokryphen“ Schriften. Apokryph (aus dem Griechischen) bedeutet verborgen, versteckt oder geheim. Man kann auch sagen „außerkanonisch“. Allein diese Wörter wecken Erwartungen.Schon der Kirchenlehrer Irenäus von Lyon hat im 2. Jahrhundert über die Autoren solcher Ereignisse gesagt, „sie schreiben eine unzählige Menge von geheimen und unechten Schriften, die sie selbst erdichtet haben, um die einfachen Menschen in Erstaunen zu versetzen.“ Im apokryphen Jakobusevangelium kann man zum Beispiel lesen warum Bethlehem für Josef, den Ziehvater Jesu, die Heimatstadt war. Da heißt es, „es war ein Mann, Josef mit Namen, aus der Stadt Bethlehem, der Stadt Davids. Er war in rechter Weise in der Fertigkeit des Zimmermannshandwerks unterwiesen. Dieser Mann nahm sich eine Frau, sie gebar ihm vier Söhne und zwei Töchter. Dann starb die Frau Josefs. Josef war aber ein gerechter Mann und pries Gott in allen Werken. Er ging dann mit seinen Kindern von Bethlehem fort und ging dann auswärts (Nazareth).“ Josef wurde der Verlobte Marias, der Mutter Jesu. Daher ist heute häufig in Krippendarstellungen Josef als älterer Mann und Maria als junge Frau dargestellt.

Kindheit Jesu. Aber auch im apokryphen Thomasevangelium gibt es zahlreiche Erzählungen aus der Kindheit Jesu. So soll er schon als fünfjähriger Knabe zwölf Spatzen aus Lehm geformt haben, die er dann zum Leben erweckte und sie zu Vögeln wurden. Diese Geschichte ist deshalb bemerkenswert, weil sie im Koran (5. Sure, Vers 111) erwähnt wird, wo es heißt, „Jesus, gedenke meiner Gnade (gemeint ist die Gnade Gottes) … als du mit meiner Erlaubnis etwas schufst, das aussah wie Vögel und wirklich Vögel waren.“ Im apokryphen „Pseudo-Matthäus-Evangelium“ hingegen liest man bei der Geburt Jesu, „am dritten Tag nach der Geburt des Herrn verließ Maria die Höhle (nicht Stall). Sie legte den Knaben in eine Krippe, Ochs und Esel huldigten ihn.“ Diesen Vers liest man beim Propheten Jesaja 1,3 „der Ochs kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn.“ Heute findet man in allen Krippen Ochs und Esel, obwohl die Evangelien davon nichts berichten. In den Ostkirchen wird die Geburt Jesu meist in einer Höhle dargestellt und nicht in einem Stall, auch das geht eher auf apokryphe Texte zurück. Für alle apokryphen Texte lässt sich zusammenfassend aber feststellen, dass sie nichts zur weiteren Erhellung des christlichen Glaubens beitragen, aber sie zeigen, dass Menschen bis heute nicht aufgehört haben sich Gedanken über Jesus zu machen.

Info.In diesem Text hat Karl-Richard Essmann einen Vortrag zusammengefasst, der aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt wurde.
Unteryoutube.com/user/BildungszentrumSBkann der Vortrag als Video aufgerufen werden.

Autor:

Gerald Gossmann aus Burgenland | martinus

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