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Glocken als Glaubensboten

Mario Weber an der Orgel der Hauskapelle im Bischofshof. | Foto: Franz Josef Rupprecht
  • Mario Weber an der Orgel der Hauskapelle im Bischofshof.
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Das Schweigen der Kirchenglocken von der Abendmahlfeier am Gründonnerstag bis zur Osternacht wird legendenhaft ausgeschmückt („fliegen nach Rom“). Mario Weber ist Referent für Kirchenmusik. Er legte kürzlich in einem Vortrag Fachwissen zum Thema Kirchenglocken dar.

Unter dem Titel „Kirchenglocken – die vergessenen Instrumente der Kirchenmusik“ sprach Mario Weber, Glockenreferent der Diözese Eisenstadt, über Geschichte, Bedeutung und Klangwelt der Kirchenglocken. Gleich zu Beginn erklärte er: „Glocken sind nicht nur Klangkörper – sie sind Glaubensträger, die seit Jahrhunderten Menschen zum Gebet rufen.“

Bereits im 7. und 8. Jahrhundert gelangten Glocken durch irische Mönche nach Österreich, damals noch als geschmiedete Eisen-Blech-Glocken. Eine der bekanntesten frühen Glocken ist die Gallus-Glocke, die ursprünglich in St. Gallus bei Bregenz hing und heute im Stift St. Gallen zu sehen ist. Ab dem 11. Jahrhundert begannen Benediktinermönche, etwa aus Kremsmünster und Salzburg, mit dem Gießen von Glocken; eine seltene Bienenkorbglocke aus dieser Zeit befindet sich heute im Diözesanmuseum Klagenfurt.

MATERIAL, KLANG UND KONSTRUKTION
Weber widmete sich im Anschluss dem Material und den akustischen Eigenschaften der Kirchenglocken. Die traditionelle Bronze mit 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn sei bis heute unübertroffen. Spätere Entwicklungen wie Stahlglocken ab 1850, Eisenguss-Glocken oder Sonderbronzen ohne Zinn konnten klanglich nicht mithalten. Ebenso betonte er die Bedeutung des Klöppels, der weicher sein müsse als die Glocke, um Schäden zu vermeiden.

GRÖSSTE GLOCKEN DES BURGENLANDES
Besonders beeindruckte das Publikum die Vorstellung der fünf größten Glocken des Burgenlandes. Dazu zählt die monumentale Glocke im Schloss Esterházy aus dem Jahr 1696 mit einem Durchmesser von 224 Zentimetern und rund 7300 Kilogramm Gewicht. Beim Schwingen entwickle sie sogar das 2,8-fache ihrer Masse – eine enorme Belastung für jeden Glockenturm.

Auch die Bischofsglocke des Domes zu St. Martin aus dem Jahr 1960 fand besondere Erwähnung. Weber betonte ihre herausragende akustische Qualität mit den Worten: „Das Domgeläut ist ein Meisterwerk – so etwas findet man weit und breit kein zweites Mal.“

Die große Glocke der Bergkirche, die historische Herold-Glocke im Schloss Esterházy und die Papstglocke der Pfarrkirche Großpetersdorf gehörten ebenfalls zu den präsentierten Höhepunkten. Die älteste Glocke des Burgenlandes befindet sich heute nicht mehr im Land; sie stammt aus der alten Kirche in Deutsch-Schützen.

VERBORGENE GLOCKENSTUBEN
Großes Interesse fanden die Videosequenzen, die Weber von den Glockenstuben des Domes St. Martin, der Pfarren Parndorf und Steinbrunn sowie weiterer burgenländischer Kirchen zeigte. Die Besucher erhielten seltene Einblicke in jene Räume, in denen die Glocken hängen und deren Mechanik arbeitet. Weber erläuterte, wie Läutetechnik, Turmfenster, Schallläden und Klöppelmechanik den Klang beeinflussen. Parndorf hob er besonders hervor – das Ensemble aus sieben kunstvoll verzierten Glocken der Firmen Pfundner und Grassmayr gilt als klanglich hervorragendes Beispiel.

TECHNIK UND LEBENSDAUER
Der Referent ging auch auf technische Aspekte ein. Jede Glocke entwickelt beim Schwingen enorme Kräfte, weshalb sie stets nacheinander eingeschaltet werden sollte. Glocken können bei guter Wartung ein enormes Alter erreichen; die ältesten Glocken Österreichs sind über 800 Jahre alt.

Auf dem YouTube-Kanal von Mario Weber finden sich zahlreiche Videos zu Glocken im Burgenland – ein besuchenswertes Archiv regionaler Klangkultur.

www.youtube.com/@Labialglocke

Autor:

martinus Redaktion aus Burgenland | martinus

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