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„Friede sei mit euch“ – Bildungsräume zwischen Geschichte und Gegenwart

Gartenfest „Frieden geben“ im Europahaus Burgenland. | Foto: Birgit Prochazka
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  • Gartenfest „Frieden geben“ im Europahaus Burgenland.
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Ein Rückblick auf die Veranstaltungsreihe „Frieden geben – Demokratie stärken“, verfasst von BIRGIT PROCHAZKA.

„Friede sei mit euch“ (Joh 20,19) – gesprochen vom auferstandenen Herrn Jesus in der Begegnung mit seinen Jüngerinnen und Jüngern. Als Papst Leo XIV. am 8. Mai bei seinem ersten öffentlichen Auftritt auf der Loggia des Petersdoms dieselben Worte an die Welt richtete, war dies mehr als nur ein netter Gruß – es war ein Appell. Ein Friedensgruß, der verbindet, der fordert und der Orientierung geben will in einer Welt, die zunehmend von Unsicherheit, Polarisierung und Spaltung durchdrungen ist.

In diesem Geist stand die Veranstaltungsreihe „Frieden geben – Demokratie stärken“, die das Forum Katholische Erwachsenenbildung der Diözese Eisenstadt zwischen März und Juni organisierte. Sie führte an historische Orte, in philosophische Tiefen, an gesellschaftliche Grenzen – und vor allem: mitten ins Hier und Jetzt. Politische Erwachsenenbildung als Erfahrungsraum für Dialog, Reflexion und Begegnung.

HISTORISCHER TIEFGANG

Die Reihe begann in der Friedensburg Schlaining – einem Ort, an dem Geschichte greifbar wird. Die Dauerausstellung „Schlaining und Frieden“ sowie „Dunkle Zeiten – über den NS-Terror im Burgenland“ – erinnerten daran, dass Friedensarbeit auch aus der Auseinandersetzung mit dem Vergangenen erwächst. Wichtig ist hinzusehen und die Verantwortung der Gegenwart zu erkennen.

PHILOSOPHIE UND GEGENWART

Philosophischen Tiefgang brachte der Abend mit Cornelia Mooslechner-Brüll. Ihre anschauliche Reflexion über Immanuel Kants Schrift „Zum ewigen Frieden“ öffnete Denk-Räume: über bürgerliches Engagement, Bildung als Grundbedingung von Freiheit und die Grenzen staatlicher Macht. Kant – so wurde deutlich – ist auch nach 300 Jahren hochaktuell und fordert uns dazu heraus, über die Voraussetzungen für Frieden, die Rolle der Bildung und die Verantwortung jedes Einzelnen für das Gemeinwohl nachzudenken.

„Frieden ist nicht etwas, das du findest, sondern etwas, das du machst.“

ELEANOR ROOSEVELT

Gerade heute, in einer Zeit gesellschaftlicher Herausforderungen, zeigt sein Denken Wege auf, wie Demokratie nicht nur verteidigt, sondern aktiv gestaltet werden kann – von uns allen.

ZWISCHENMENSCHLICHKEIT

Mit Viktor E. Frankl tauchten wir noch tiefer: Was bedeutet Freiheit – persönlich wie politisch? Was heißt Verantwortung in einer Zeit, in der die Gesellschaft zu zerfallen droht? Das Viktor Frankl Museum in Wien, das dem großen Humanisten und Therapeuten gewidmet ist, bot nicht nur Antworten, sondern vor allem Fragen – Fragen, die nachhallen.

Friedenstreppe auf Burg Schlaining und Besuch im Viktor Frankl-Museum. 

 | Foto: Birgit Prochazka
  • Friedenstreppe auf Burg Schlaining und Besuch im Viktor Frankl-Museum.

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LITERATUR UND WIRKLICHKEIT

Auch Stimmen aus der Gegenwart kamen zu Wort. Historiker und Autor Gerhard Blaboll las aus seinem Buch „Wenn sich zwei streiten, freuen sich viele Dritte – Geschichten aus dem gelobten Land“ – ein literarischer Zugang zu einer Region, in der Frieden oft nur Hoffnung ist.

Jakob Frühmann berichtete in „Das Massengrab im Mittelmeer“ von seinen Einsätzen bei der zivilen Seenotrettung an Europas Außengrenzen – seine Erzählung konfrontierte eindrücklich mit der Realität fehlender Friedensräume. Und sie ließ erahnen, was es bedeutet, wenn das Recht auf Menschlichkeit an den Rand Europas gedrängt wird.

Dass Friede mehr ist als die Abwesenheit von Krieg wurde bei seinen Berichten deutlich – Friede verlangt nach solidarischem Handeln gerade dort, wo Menschen häufig übersehen werden.

GEDENKEN, DAS WEITERWIRKT

Bewegend war das politische Nachtgebet „Zeugnis der Menschlichkeit“ in der Pfarrkirche Lackenbach. Anlässlich des 80. Jahrestags der Befreiung des KZ Buchenwald kamen über 200 Menschen zusammen – mit Musik von Harri Stojka, Texten von Siegmund Kleindl und jugendlichen Stimmen sowie Reden und stillem Gedenken am Roma-Mahnmal und dem jüdischen Friedhof. Es war eine kraftvolle Mahnung an Verantwortung, Empathie und Erinnern.

EIN FEST MIT HALTUNG

Die Veranstaltungsreihe endete mit einem Gartenfest im kosmopolitischen Friedensgarten des Europahauses Burgenland. „Wir geben Frieden“, so lautete das Motto. Es war mehr als nur ein musikalischer Ausklang mit Liedern des Chors panTONia und literarischen Beiträgen. Gerade nach dem Attentat in Graz ging es darum, dass Gemeinschaft, Dialog und Haltung stärker sind als Angst und Ohnmacht.

BILDUNG ALS FRIEDENSARBEIT

Die Veranstaltungsreihe „Frieden geben – Demokratie stärken“ war gelebte Erwachsenenbildung – inspiriert von der katholischen Soziallehre, die Gemeinwohl, Menschenwürde und Solidarität als tragende Werte einer demokratischen Gesellschaft versteht. Die Reihe war zugleich ein Impuls: für mehr Verantwortung, mehr Miteinander und mehr Mut. Denn Friede beginnt nicht mit großen Worten, sondern mit einem Gruß: „Friede sei mit euch.“

Frieden wird niemals mit Waffen geschaffen, sondern indem man die Hände ausstreckt und die Herzen öffnet.

PAPST FRANZISKUS

Die Veranstaltungsreihe wurde gefördert von der Österreichischen Gesellschaft für politische Bildung.
Die nächste Veranstaltungsreihe im Rahmen der politischen Bildung startet im Herbst 2025 und ist dem Thema Menschenrechte gewidmet.

Gartenfest „Frieden geben“ im Europahaus Burgenland. | Foto: Birgit Prochazka
Friedenstreppe auf Burg Schlaining und Besuch im Viktor Frankl-Museum. 

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Autor:

martinus Redaktion aus Burgenland | martinus

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