WERT_VOLL
Einordnung in einen Sinnhorizont

Foto: Franz Josef Rupprecht

Christliche Publizistik muss nicht nur einer journalistischen Professionalität entsprechen, sondern von Haltungen wie Wahrhaftigkeit, Empathie und Demut getragen sein.

Dafür hat der an der Wiener Universität lehrende Theologe und Medienethiker Alexander Filipović bei der traditionellen Franz von Sales-Feier des Katholischen Publizistenverbands Österreichs in Wien plädiert. Diese Tugenden seien unverzichtbar angesichts einer fortschreitenden Fragmentierung der Welt aufgrund einer „Atomisierung von Information“ und den damit verbundenen Auswirkungen auf den gesellschaftlichen Wahrheitsdiskurs. Filipović stützte sich auf eine aktuelle Dissertation von Christine Ulrich, die darin für eine „christliche Publizistik als spezifisch wahrheitsorientierte Berufspraxis“ eintritt. Wahrheit im journalistischen Berufsalltag sei nicht nur die bloße Übereinstimmung von Aussage und Faktum, sondern müsse von „Integrität in der Vermittlung“ getragen sein. Gerade katholische Journalisten müssten daher von der Haltung zur Wahrhaftigkeit geprägt sein, dies sei der Redlichkeit in der journalistischen Vermittlungsfunktion geschuldet. „Man berichtet nicht nur, was stimmt, sondern man tut dies mit der Absicht, die Wirklichkeit zu klären, statt sie für eine Ideologie zu nutzen“, so Filipović unter Verweis auf die Ausführungen von Ulrich.

Nachrichtengeschwindigkeit und die damit einhergehende Oberflächlichkeit führen dazu, dass eine Flut von Einzelinformationen ohne Zusammenhang das Mediengeschehen dominiert, diagnostizierte Filipović. Ein christlich geprägter Journalismus sollte demgegenüber die Einordnung in einen Sinnhorizont bieten. Dies helfe dem Mediennutzer, „die Welt nicht als Chaos, sondern als einen Ort zu begreifen, der nach Verantwortung und Mitmenschlichkeit verlangt“.

DEMUT SCHÜTZT VOR HYBRIS
Weil Lüge und Desinformation die Basis des Zusammenlebens zerstören, müsse katholische Publizistik für die Wahrheit eintreten, und zwar in anwaltschaftlicher Form für Benachteiligte und Marginalisierte, führte Filipović weiter aus. Der journalistische Einsatz für Wahrheit, das Aussprechen unbequemer Wahrheiten solle Schwachen Teilhabe ermöglichen und sei insofern auch ein „Dienst am Gemeinwohl“.

Journalistischer Einsatz für Wahrheit müsse zudem Widerstand gegen einen Relativismus leisten, bei dem sich oft unversöhnliche Wahrheiten gegenüberstehen. Christliche Medienethik sollte „als Brücke fungieren“, Diskurse fördern und einer „dialogischen Wahrheitssuche“ verpflichtet sein. Zudem sollten christliche Medienschaffende „von Demut als Schutz vor Hybris“ geprägt sein. Dies zeige sich in einer Kultur der Fehlerhaftigkeit und Korrektur. „Wer demütig ist und weiß, nicht die absolute Wahrheit gepachtet zu haben, bleibt neugierig, prüft genauer und ist bereit, Irrtümer einzugestehen – das schafft das Vertrauen, das dem Journalismus heute oft fehlt“, so Filipović.

PATRON DER JOURNALISTEN

Eröffnet wurde die Franz von Sales-Feier mit einem Gottesdienst in der Wiener Deutschordenskirche. Der Messe stand der Geistliche Assistent des Publizistenverbands Matthias Beck vor. Dabei wurde auch der im letzten Jahr verstorbenen Verbandsmitglieder – unter ihnen Heinz Nußbaumer, Wolfgang Linhart, Walter Greinert, Erika Schuster, Anton Wressnig, Gerhard Appeltauer und Franz Buchberger (ehemaliger Chefredakteur der Eisenstädter Kirchenzeitung) – gedacht.

Der Verband katholischer Publizistinnen und Publizisten Österreichs wurde 1957 gegründet und hat derzeit 372 Mitglieder. Aufgenommen werden nicht nur Katholiken, sondern auch Mitglieder einer der im Ökumenischen Rat vertretenen Kirchen. Der Verband bietet regelmäßig Vortragsveranstaltungen sowie Spezialkurse an und äußert sich immer wieder zu aktuellen politischen, journalistischen und medienethischen Fragen und Themen. Seit 2024 steht mit Sophie Lauringer die Chefredakteurin der Wiener Kirchenzeitung „Der Sonntag“ an der Spitze des Verbands.

www.kath-publizisten.at

Autor:

martinus Redaktion aus Burgenland | martinus

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