Veronika Thaller (37), Religionslehrerin an der BHAK Mattersburg
Die Schüler fördern und fordern

Veronika Thaller unterrichtet derzeit von zu Hause: „Aber ich schicke meine SchülerInnen auch in die Natur. Wir Lehrerkollegen haben einen Online-Gottesdienst gefeiert.“
  • Veronika Thaller unterrichtet derzeit von zu Hause: „Aber ich schicke meine SchülerInnen auch in die Natur. Wir Lehrerkollegen haben einen Online-Gottesdienst gefeiert.“
  • Foto: Victor Hugo Portillo Cruz
  • hochgeladen von Gerald Gossmann

Im Unterricht sollen ihre SchülerInnen viel über Gott und die Welt lernen – aber sie müssen selbst daran mitarbeiten.

„Das E-Learning klappt sehr gut“, betont Veronika Thaller. Sie verschickt Arbeitsblätter, lässt die Jugendlichen ihre Eltern interviewen oder in der Natur Aufgaben erledigen. Religionslehrerin Veronika Thaller schätzt die Form des Projektunterrichts. Sehr gerne lässt sie Bibeltexte neu formulieren, was eine sehr anspruchsvolle Aufgabe sei – „aber die Anstrengung lohnt sich“, sagt sie. „Es kommen dabei tolle Texte heraus.“

Welche Themen funktionieren gut? „Wir haben die Verantwortung, an einer besseren Welt mitzuarbeiten“, ist Thaller überzeugt. Im Religionsunterricht könne man durch das Nachdenken über Gott und die Welt den SchülerInnen Anstöße für eine christliche Praxis geben. „Junge Leute haben sehr viele Fragen.“ Und so hat Veronika Thaller den „Coffee-Talk“ ins Leben gerufen. Hier werden Themen besprochen, die die Burschen und Mädchen bewegen. Spielt die öffentlich oft negativ geführte Diskussion über Religion dabei im Unterricht eine Rolle? „Ja, es werden schon Punkte angesprochen: Frauen, Macht und Kirche. Das führt schnell zur Frage nach dem Frauendiakonat. Aber es geht auch um Fundamentalismen in den Religionen und Machtmissbrauch – das gehört zum Religionsunterricht dazu.“

Verständnis. Veronika Thaller will ihre Schulklassen aus der Komfortzone holen. Sie sollen mit anderen Lebensrealitäten konfrontiert werden. Eine Schülerin, die bereits in Kenia auf einem Safariurlaub gewesen war, hat später durch einen Besuch einer Projektpartnerin der Dreikönigsaktion von den Slums in Nairobi erfahren. Dieser Kontrast hat das Mädchen bewegt. Dass es zu Konfliktsituationen kommen kann, hat Thaller während ihrer Zeit an einer Wiener Schule erlebt. Im Zuge eines interreligiösen Projekts besuchten muslimische Schülerinnen ihre Partnerschule. Schon während der Fahrt dorthin wurden einige in der Straßenbahn aufgrund ihrer Kopftücher angepöbelt. Deshalb sei es wichtig, dass SchülerInnen in Bezug auf Religionsgemeinschaften gut informiert werden, damit ein wechselseitiges Verständnis gegeben ist. Ein Schwerpunkt im Unterricht: die Befreiungstheologie, die ihren Ursprung in Lateinamerika hat. Aus diesem Grund hat sie in El Salvador studiert. Die Zeit in Mittelamerika blieb nicht ohne Folgen. Thaller lernte dort ihren Mann kennen, mit dem sie seit zwei Jahren in Mattersburg lebt. In ihrer Pfarre gestaltet die dreifache Mutter den Kinderwortgottesdienst. Religiös geprägt war ihr Leben schon immer. Auch ihr Vater war Religionslehrer und Pastoralassistent. Ihre Wahl für das Studium der Theologie ist kurz zusammengefasst: „Dieser Jesus von Nazareth hat etwas Großes angeregt und wir müssen schauen, was wir heute daraus machen.“ Die Lehrerin sieht sich dabei an der Seite von jungen Menschen und agiert als Netzwerkerin: „Wir sehen uns im Unterricht kirchliche Initiativen an.“ So lädt sie auch Missionarinnen auf Zeit in die Schule ein. „Wir waren am Theotag, um den Jugendlichen berufliche Optionen in der Kirche aufzuzeigen.“ Die SchülerInnen wissen das zu schätzen. Eine Rückmeldung zu ihrem Unterricht: „Strukturiert, fordernd, interessant, es gibt kein Falsch!“

WORDRAP

Veronika Thaller (37)

Ausbildung: Matura am Gymnasium in Neusiedl am See, Studium für das Lehramt an der Uni Wien in den Fächern Theologie und Psychologie sowie Philosophie.

Das sage ich oft im Unterricht: Ich stelle gerne die Warum-Frage.

Folgende Anekdote gefällt mir: Ein Schüler sagte einmal: Wenn es Gott nicht gäbe, dann wären Sie nicht hier – das geht ja nicht.

Meine Schülerinnen und Schüler sollen am Ende der Schulzeit sagen können: Ich habe mich persönlich angesprochen gefühlt. Es ist etwas in Bewegung gekommen und wir haben gemeinsam gelacht.

Autor:

Gerald Gossmann aus Burgenland | martinus

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