OSTER_HIRTENBRIEF
Liebe Diözesanfamilie, Schwestern und Brüder im Herrn!

Das zwei Meter hohe Franziskuskreuz, das Kreuz von San Damiano, um das Jahr 1205, wahrscheinlich von einem syrischen Mönch angefertigt, ist eine Kreuzikone bzw. ein Tafelkreuz, zeigt den Gekreuzigten und Erhöhten und hängt in der Basilika di Santa Chiara in Assisi. | Foto: Wikimedia Commons, „Kruis San Damiano“ (Public Domain)
  • Das zwei Meter hohe Franziskuskreuz, das Kreuz von San Damiano, um das Jahr 1205, wahrscheinlich von einem syrischen Mönch angefertigt, ist eine Kreuzikone bzw. ein Tafelkreuz, zeigt den Gekreuzigten und Erhöhten und hängt in der Basilika di Santa Chiara in Assisi.
  • Foto: Wikimedia Commons, „Kruis San Damiano“ (Public Domain)
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„DER HERR GEBE DIR FRIEDEN!“
Mit diesem Gruß zog der heilige Franz von Assisi durch die Lande. Diesen Gruß hat er später seinen Brüdern aufgetragen, wie der Herr ihn dazu berufen hat. Der franziskanische Gruß erinnert uns in diesem Jahr an den 800. Todestag des Heiligen von Assisi. Papst Leo meint in einem Schreiben an die Weltkirche anlässlich des Jubiläums, dass dieser Gruß mehr als eine Floskel sei, er ist ein tägliches und lebendiges Zeugnis der christlichen Botschaft . Besonders in einer Welt mit anhaltenden Konfl ikten, Kriegen und ökologischen Krisen sieht der Papst im Leben des Heiligen ein Vorbild für den unbewaff neten Frieden und für Versöhnung mit den Menschen und der Schöpfung. Und er ruft dazu auf, Mauern niederzureißen und Brücken zu bauen.

Der Franziskanerorden setzt sich dafür weltweit und auch bei uns im Burgenland ein. Franziskaner haben das Leben unserer Diözese durch Jahr hunderte mitgeprägt und sie tun es bis heute, ausgehend von den Klöstern in Frauenkirchen, Eisenstadt und Güssing, der Franziskusgemeinschaft in Pinkafeld, sowie durch den diözesanen, grenzüberschreitenden Chor „Pax et Bonum“. Als Bischof danke ich den Franziskanern und ihren Gemeinschaf ten, sowie den Mitgliedern im Dritten Orden für ihren Dienst, ihr Gebet und für alles, womit sie uns spirituell bereichern. Ich bitte Euch, beten wir um geistliche Berufungen in unserer Diözese, im franziskanischen Geist.

„DER HERR GEBE DIR FRIEDEN“
Nicht nur der alte franziskanische Gruß, sondern zugleich die österliche Botschaft . Jesus hat uns durch Tod und Auferstehung Leben und Heil geschenkt. Der Auferstandene grüßt uns mit dem Gruß: „Friede sei mit euch!“ Das ist der Auft rag an uns Christen und an alle Menschen guten Willens überall dort, wo Gott uns hingestellt hat. Friedensboten sollten wir sein, besonders in unserer friedlosen Welt.

„DER HERR GEBE DIR FRIEDEN!“
Der Friede ist zuerst ein Geschenk Gottes. Aber auch wir können und müssen dazu beitragen, dass sich der Friede unter uns ausbreitet, in uns, in den Familien, in der Nachbarschaft , in den Pfarrgemeinden und Gemein schaft en, in unserer Gesellschaft , in den Vereinen, in Berufswelt, Politik, Wirtschaft , Kunst, Kultur, in unseren Volksgruppen, in den Staaten, bei den Religionen und Konfessionen. Es braucht einen neuen Blick auf das Leben und Tun des „Poverello von Assisi“. Was hat er uns vorgelebt? Worauf macht er aufmerksam? Was hinterlässt er uns und wozu lädt er uns ein?

EIN DREIFACHES IM AUFTRAG DES HEILIGEN FRANZISKUS:

Franziskus lebt die Erneuerung der Kirche und er will eine arme Kirche, eine Kirche für die Armen. Der synodale Prozess ist eine Einladung der Kirche an alle Getauft en, sich an diesem Prozess zu beteiligen und mit dem Taufsakra ment ihre Charismen, Talente und Fähigkeiten in einem guten Miteinander einzubringen, Kirche und Gemeinde zu bauen und unsere Gesellschaft zu beleben. Ziel dieses Prozesses sind nicht Taktik, die Struktur und das Er scheinungsbild der Kirche, sondern eine neue Hinwendung zu Jesus Christus und zu seinem Evangelium. Es braucht den radikalen Blick auf den Ursprung. Radikal meint nicht fundamentalistisch oder aggressiv, sondern zurück zu den Wurzeln, zum Ursprung und zu den Anfängen. Wenden wir uns im persönlichen Leben, im Leben unserer Familien, Pfarrgemeinden und christlichen Gemeinschaft en wieder Jesus und seinem Wort zu, damit wir als Menschen und als Christen nicht geistlich verhungern und austrocknen. Gebet, das Lesen in der Bibel, der Gottesdienst und die Feier der Sakramente sind die Quellen, aus denen wir Christen Kraft und Orien tierung schöpfen. Beginnen wir damit am besten heute, diese Quellen sind für uns Tankstellen, Oasen, Orte des Lebens und Lebensfundamente.

Franziskus lebt den Frieden und die Versöhnung. Frieden und Versöhnung waren für Franziskus das Leitmotiv seines Lebens. Selbst in seiner Krankheit vermittelte er Frieden zwischen den beiden verfeindeten Städten Assisi und Perugia. So ergänzte er seinen Sonnengesang: „Selig, die ausharren in Frieden, denn du, Höchster, wirst sie einst krönen.“ Christen sind Menschen des Friedens und der Versöhnung, Friedensstift er und Brückenbauer. Braucht es nicht gerade heute solche Menschen in einer zerstrittenen, gespaltenen und verfeindeten Welt? Streit, Hass, Feindschaft entstehen zuerst in unseren Herzen, in den Ehen und Familien, zwischen den Verwandten und Nachbarn, am Arbeitsplatz und trennen Länder, Völker, Konfessionen und Religionen. Ich bitte Euch: Seid wie Franziskus Friedens boten in unserer kleinen Welt, damit auch in der großen Welt Friede sein kann. Beten wir um Frieden in der Ukraine, im Nahen Osten und in allen Ländern, wo Hass, Feindschaft , Krieg und Waff en, Not und Zerstörung herrschen.

Franziskus lebt ein einfaches Leben und setzt auf die Bewahrung der Schöpfung. Ein einfacher Lebensstil und der umsichtige Umgang mit Gottes Schöpfung sind die Markenzeichen franziskanischen Lebens. Mensch und Natur sind Gottes Schöpfung und sein Geschenk. Mit diesem Geschenk müssen wir umsichtig, verantwortungsvoll und nachhaltig umgehen, damit die Menschen nach uns die Erde bewohnen und von ihr und auf ihr leben können. Wir erleben derzeit dramatisch, was es heißt, wenn die Natur ausgebeutet wird. Christen könnten sich durch einen einfachen und nach haltigen Lebensstil unterscheiden.

„DER HERR GEBE DIR FRIEDEN!“
Dieser franziskanische Gruß, zugleich der Gruß des Auferstandenen, ist mein Osterwunsch an Euch alle und zugleich eine Ermutigung, wie Franziskus an der eigenen Erneuerung und an der Erneuerung der Kirche mitzuarbeiten, Boten des Friedens und der Versöhnung zu sein, durch einen einfachen Lebensstil die Schöpfung zu bewahren und so der Welt ein glaubwürdiges Zeugnis österlichen Lebens zu schenken.

Als Hirte danke ich allen, die sich darum im Alltag mühen. Ich erbitte eure großzügige Unterstützung der diesjährigen Fastenaktion, besonders für die Menschen in Indien. Ich lade Euch in diesem Jubiläumsjahr des heiligen Franziskus ein, die Franziskanerkirchen in unserer Diözese und die Jubiläumspassionsspiele im Steinbruch St. Margarethen zu besuchen.

Pax et Bonum!

+ ÄGIDIUS J. ZSIFKOVICS BISCHOF VON EISENSTADT

Autor:

martinus Redaktion aus Burgenland | martinus

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