LEBENS_WEISE
Niemand soll allein sein

Was Trauernden am meisten hilft , ist echte Zuwendung.  | Foto: pixelio / Rainer Sturm
  • Was Trauernden am meisten hilft , ist echte Zuwendung.
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Viele Menschen sind verunsichert, wie sie mit trauernden Angehörigen umgehen sollen. „Kein Mensch soll mit seiner Trauer allein sein“, lautet die wichtigste Botschaft.

Zu Allerheiligen und Allerseelen kommen viele Menschen an die Gräber ihrer verstorbenen Angehörigen. Oft trifft man so auch Menschen, die erst vor Kurzem jemanden durch den Tod verloren haben. Die meisten sind unsicher, wie sie Trauernden begegnen können.

EINFÜHLSAM UND ACHTSAM
Viele Trauernde berichten, dass eine der schlimmsten Erfahrungen ist, wenn Bekannte die Straßenseite wechseln, um eine direkte Begegnung zu vermeiden. In ihrem Buch „50 Fragen an die Trauer“ empfehlen Autor und Autorin, Trauernden mit „Menschenkompetenz“ zu begegnen: „wohlwollend, einfühlsam, achtsam und mit echtem Interesse“. Oft fehlen die Worte, aber Kommunikation ist weit mehr als das: eine Hand halten, eine Umarmung, den Blick zuwenden. Ein kleines Lächeln kann Hoffnung spenden. Und auch eigene Tränen vermitteln Verbundenheit.

Auch wie etwas gesagt wird, vermittelt viel mehr als die Worte selbst. Auch wenn jemand eine Pause einlegt, weil ihm oder ihr die Worte fehlen, kann Nähe entstehen.

Wenn die Grundhaltung stimme, könne man kaum etwas Falsches sagen, meinen Sylvia Brathuhn und Rainer Simader in ihrem Buch. Voraussetzung ist echtes Interesse, dass man Trauernden zugewandt ist und ihnen Raum und Zeit gibt. Wenn man nicht weiß, was man sagen soll, dann kann man genau das äußern.

FLOSKEL ALS FLUCHT
Trauernden zu begegnen, kann eine Stresssituation auslösen. Viele machen sich Gedanken, etwas Falsches zu sagen, den Schmerz zu verstärken oder selbst weinen zu müssen. Eine „Flucht-Reaktion“ aus diesem Stress ist bei manchen Menschen, dass sie Floskeln verwenden, statt zugewandte Worte zu finden. „Alles wird gut“ oder „Die Zeit heilt alle Wunden“, „Für sie/ihn war es besser so“.

Es ist auch nicht unbedingt hilfreich, anzubieten, dass sich Trauernde melden sollen, wenn sie etwas brauchen. Das setzt voraus, dass sie die Kraft dafür haben. Hilfreicher ist es, sich zu melden und z. B. am Telefon ein Gespräch anzubieten. Oder vor einem Einkauf zu fragen, ob man der oder dem Trauernden etwas mitnehmen soll.

WIE GEHT ES DIR HEUTE?
Statt „Wie geht es dir?“, was Trauernde kaum beantworten können, könnte man fragen: „Wie geht es dir heute?“ Die Bedürfnisse von Trauernden ändern sich. „Was heute hilfreich ist, kann morgen zu viel sein“, schreiben Brathuhn und Simader in ihrem Buch. Wenn man vertraut mit jemande m ist, der trauert, kann man auch fragen, ob sie oder ihn interessiert, was sich im Eigenen gerade ereignet. Auch Banalitäten wie der Besuch am Fußballplatz oder Neuigkeiten vom Stammtisch oder von der Kaff eerunde. Trauer bedeutet nichts anderes, als mit den Erfahrungen aus einem Verlust einen neuen, guten Platz im Leben zu fi nden. Deshalb gehören Erlebnisse im Leben von anderen dazu.

TRAUER KOMMT IN WELLEN
„Trauer ist keine Schwäche oder Krankheit, sondern Ausdruck von Liebe und Verbundenheit“, sagt etwa Nicole Leitenmüller, Referentin für Trauerpastoral in der Diözese Linz. Wer wie trauert, lässt sich nicht v orhersagen und beeinfl ussen. Auch nicht, wie lange jemand trauert, weil das Gefühl des Verlustes Betroff ene in Wellen überwältigt. Menschen, die jemanden in dieser schweren Lebensphase begleiten, gehen am besten mit, hören zu und halten den Schmerz aus, ohne ihn verdrängen oder kleinreden zu wollen. „Kein Mensch soll mit seiner Trauer allein bleiben“, lautet daher auch der Anspruch der Trauerpastoral.

JUDITH MOSER-HOFSTADLER

Buchtipp: Sylvia Brathuhn, Rainer Simader: 50 Fragen an die Trauer. Gesehen. Gehör t. Gehalten, Kneipp Verlag.

BEILEID AUSSPRECHEN?
• Kommunikation ist nicht auf Worte reduziert. Wenn jemand aufrichtig und authentisch „ mein Beileid“ sagt, drücken diese beiden Worte oft all das aus, was man sagen möchte, aber nicht die passenden Worte dafür fi ndet.

• Trauernde fühlen sich gesehen und wahrgenommen in ihrem Verlust. Es kann ihnen helfen in ihrem Prozess, das Geschehene zu realisieren.

Autor:

martinus Redaktion aus Burgenland | martinus

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