Alois Kothgasser gibt Einblick in sein Leben
Offen und gottverbunden

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„Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, leben muss man es vorwärts." Mit diesem Gedanken spricht Søren Kierkegaard eine Wahrheit aus, die wunderbar im autobiographischen Werk „Alois Kothgasser. Mein Leben in Stationen" aufleuchtet. Acht Stationen geben Einblick in einen persönlichen Weg. Eine Buchrezension von Paul Lampl.

Alois Kothgasser (83) ist gebürtiger Steirer. Das religiöse Elternhaus und das Leben im Dorf prägten seine bodenständige Frömmigkeit, weil sich im Alltag Leben und Glauben ergänzten. Als Ministrant durfte er mit fünf Jahren die Erstkommunion empfangen. Ein aufgeschlossener Jugendseelsorger, der ihn begeisterte, gab Alois den Anstoß, Priester zu werden. Doch die Überlegung, ob dies finanziell möglich sei, beendete der Kaplan mit der Bemerkung: „Das soll euch nicht belasten. Ich werde mich darum kümmern…" So ebnete er den Weg ins Internat nach Unterwaltersdorf (NÖ).

Auf diesem neuen Weg nahm Alois unverfälschte Gläubigkeit und ein inniges Gottvertrauen mit. Ordenspriester. Im Internat erfuhr er eine ganzheitliche Erziehung, die auf den Vorgaben des heiligen Johannes Bosco beruhte. Diese Erfahrung prägte sein ganzes Leben. Daher war es kein Wunder, dass Alois nach der Matura in den Orden der Salesianer Don Boscos eintrat, der dann im Wesentlichen seinen weiteren Werdegang bestimmte.
Besondere Stationen seines Studiums waren Turin und Rom. 1964/1965 erlebte er die Abschlusssitzungen des Konzils. Die Erfahrungen waren für ihn wegweisend und sind auch für Alois Kothgassser charakteristisch: Aufgeschlossenheit, Dialogbereitschaft, auf Menschen zuzugehen und zuhören können.

Wichtige Voraussetzungen für eine akademische Laufbahn, die ihn 1981 schließlich nach Benediktbeuern führte, wo er als Professor für Dogmatik an der ordenseigenen Hochschule lehrte und bereits 1982 zum Rektor gewählt wurde. Immerhin 15 Jahre war Kothgasser dort tätig.Bischof und Erzbischof. Mitten in seiner Lehrtätigkeit ereilte ihn 1997 der Ruf, Bischof von Innsbruck zu werden. Seine Bedenken, nie als Pfarrer in einer Gemeinde gearbeitet zu haben, waren für den Nuntius kein Grund einer Absage. Schließlich antwortet Prof. Kothgasser: „Ich unterstelle mich ganz dem Willen Gottes, wenn ER es so will, bin ich bereit."

Mit großer Umsicht orientierte sich Bischof Alois vorerst in seiner Diözese. Das Amt führte er in Kollegialität mit seinen Priestern und den verschiedenen Organisationen. Seine ruhige und besonnene Art trug ihm bald die Wertschätzung aller ein.Als ihn der Ruf nach Salzburg erreichte, nahm er schweren Herzens von Tirol Abschied. Die Erzdiözese führte er zu einem neuen und aktiven Miteinander. Erzbischof Kothgasser war nicht der Mann lauter Worte, er wählte viel lieber den Dialog und die Überzeugungskraft der Argumente. Das Wort Gottes und der Mensch standen für ihn im Mittelpunkt.

Resümee. Die Autobiographie ist eine wunderbare Rückschau. Sie zeigt Erzbischof Alois als gottverbundenen, auf den Geist Gottes vertrauenden Menschen und Bischof. Sein Leben atmet den Geruch seiner Heimaterde, „was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen" (Goethe).

Diese selbstverständliche Treue, Gottverbundenheit, Offenheit und Geradlinigkeit machen ihn zu einem geachteten und liebenswürdigen Menschen, Priester und Bischof. Das Buch lässt tief in Kothgassers Spiritualität und sein Leben blicken, auch Weggefährten kommen zu Wort.
Martin Kolosz hat dafür gesorgt, dass die Autobiographie in einen sorgfältigen publizistischen Rahmen gestellt wurde. Durch die vielen Bilder wird das Buch zu einem fotodokumentarisch wertvollen Zeitzeugen.

Zum Buch:

Alois Kothgasser: Mein Leben in Stationen. In Zusammenarbeit mit Martin Kolozs. Tyrolia 2020, 152 S € 19,95

Autor:

TIROLER Sonntag Redaktion aus Tirol | TIROLER Sonntag

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