Gleich alt wie die Kirchenzeitung
Mit der Kirchenzeitung durchs Leben
- 80 Jahre Leben: Helene Steinhauser zeigt ein Foto von sich als Kind und Familienfotos von anno dazumal.
- Foto: Kaltenhauser
- hochgeladen von Lydia Kaltenhauser
Helene Steinhauser ist fast auf den Tag genau gleich alt wie die Kirchenzeitung, die sie zu wichtigen Stationen ihres Lebens begleitet hat. Ein Besuch in Oberhofen.
„Begegnungen veredeln die Zeit“, hat Helene Steinhauser auf die Einladung zu ihrem 80. Geburtstag geschrieben. Strahlend und dankbar erzählt sie von dem Fest. Alle sind sie gekommen: Familie und Freunde, Kinder und Enkel. Kurz davor ist sie noch mit einer Freundin in Rom gewesen – „ich wollte unbedingt!“
Die Unternehmungslust blitzt Helene Steinhauser aus den Augen, sie erzählt von Plänen, Reisen und ihrem vielfältigen Engagement – dass sie gerade 80 geworden ist, mag man kaum glauben.
Stationen eines Lebens
Kurz nachdem am 2. September 1945 die erste Kirchenzeitung erschien, erblickte Helene Steinhauser das Licht der Welt. Als Nachzüglerin ist sie gemeinsam mit ihren zwei viel älteren Brüdern in einfachen bäuerlichen Verhältnissen in Oberhofen aufgewachsen. Immer dabei: „Das Kirchenblattl! Es war daheim die christliche Lektüre – es war da und man hat‘s gelesen. In der bäuerlichen Gesellschaft sind ja nicht groß Bücher gelesen worden, es waren schlichte Leute.“ Für Helene, die nach der Pflichtschule zunächst daheim am Hof helfen musste, führte das aufmerksame Lesen der Kirchenzeitung zu einer entscheidenden Wendung in ihrem Leben: Eine Arztfamilie aus Deutschland suchte per Annonce eine Haushaltshilfe, Helene bewarb sich – und verließ mit 20 Jahren erstmals Tirol, ganz allein. „Ich wollte einfach was anderes.“
Der Bruder ihres Dienstherrn war Bischof von Mainz, sogar Kardinal, und so war Helene auch einmal im bischöflichen Palais zu Gast.
Der Aufenthalt bei der Familie prägte sie: Nach ihrer Rückkehr entschied sie, Krankenschwester zu werden, denn schnell war ihr klar: „Immer nur Haushalt, das ist es nicht, ich will noch was lernen.“ Ihr früherer Dienstgeber, der Arzt aus Offenbach, machte ihr Mut: „Man kann auch später noch was anfangen!“, und unterstützte sie auch finanziell. An ihre Lehrzeit bei den Kreuzschwestern in Rum denkt Helene Steinhauser bis heute gern zurück – regelmäßig trifft sie sich mit ehemaligen Mitschülerinnen, um in Erinnerungen zu schwelgen.
Mit dem Radl nach Taizé
Wieder war es dann eine Annonce im Kirchenblattl, die Helene und zwei Kolleginnen auf eine waghalsige Idee brachte: Mit dem Radl wollten sie zu dritt nach Taizé fahren. Weil das Geld knapp war, schrieben sie kurzerhand „Bettelbriefe“ an alles, was Rang und Namen hatte: an Bischof Rusch, Kardinal König und an die für ihre Liebe zum Radfahren bekannte Königin Juliana von den Niederlanden. Genau erinnern kann sie sich, dass Kanzler Kreisky einer jeden 1000 Schilling geschickt hat. Mit einem Empfehlungsschreiben ihrer Lehrschwester Reineldis machten die drei sich auf den Weg – ein Abenteuer ganz nach Helenes Geschmack. Und jedem Spender schickten sie eine Postkarte aus Taizé als Dank.
Nicht einspurig werden
Viel gäbe es noch zu erzählen über die Laufbahn von Helene Steinhauser, die nach einer Intensivpflege-Ausbildung im Deutschen Herzzentrum in München arbeitete, wo sie ihren Mann kennenlernte und mit ihm und ihren drei Kindern lange in Niederbayern lebte. 1998 kehrte sie mit ihrem kranken Mann nach Oberhofen zurück, vor zehn Jahren ist er gestorben.
Bis heute ist sie vielfältig engagiert, in der Jodelgruppe, in der Nikolausgemeinschaft und in der Uganda-Hilfe, sie reist und unternimmt viel. Eine große Kraftquelle ist ihr die Anbetung: „Das ist die Verehrung Gottes, da kann ich nicht nur bitten und fordern – ich bin einfach da.“ Und noch immer liest sie jede Woche den Tiroler Sonntag. Besonders gern schaut sie nach Bildungsangeboten: „Man muss sich einfach aufraffen, wenn man was verstehen will von der Welt.“ Genau das ist auch ihr Geheimnis, im Alter fit zu bleiben: „Offen sein, neugierig bleiben – für verschiedene Themen! Vielseitig sein, die Weite pflegen.“ Der Tiroler Sonntag begleitet sie dabei.
Autor:Lydia Kaltenhauser aus Tirol | TIROLER Sonntag |