Die Kinderoper "Brundibár" am Landestheater
Ein zeitloses Stück Hoffnung
- Den Geschwistern Pepicek und Aninka gelingt es mit der Hilfe von Freundschaft und Zusammenhalt den Leierkastenmann Brundibár zu besiegen und Milch für ihre kranke Mutter zu kaufen.
- Foto: Birgit Gufler
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Es ist ein ganz besonderes Stück, das kürzlich am Tiroler Landestheater in Innsbruck Premiere feierte: Die Kinderoper „Brundibár“ des Komponisten Hans Krása, gestorben 1945 in Auschwitz. Eine Parabel auf Freundschaft, Mitmenschlichkeit und den Sieg des Guten, die mitten in der NS-Terrorherrschaft im KZ Theresienstadt viele Male aufgeführt wurde – damals wie heute ausschließlich von Kindern.
55 Aufführungen im KZ
Hans Krása und Librettist Adolf Hoffmeister hatten die Kinderoper 1938 bei einem Wettbewerb der tschechoslowakischen Regierung eingereicht. Zunächst von der Wehrmacht verhindert, wurde die Oper 1942 doch noch illegal in einem Prager Waisenhaus uraufgeführt. Krása war damals schon nach Theresienstadt verschleppt worden – ein Ort von Elend, Krankheit, Hunger, Tod und der ständigen Angst vor der Deportation in eines der Vernichtungslager. Als Kinder aus dem Prager Waisenhaus nach Theresienstadt kamen und mit ihnen ein Klavierauszug von „Brundibár“, passte Krása das Stück an die verfügbaren Instrumente an und die Oper wurde in Theresienstadt 55 Mal aufgeführt: ein Symbol des Widerstandes gegen Hitler – denn viele sahen ihn im unheimlichen Leierkastenmann „Brundibár“, den die Kinder besiegen.
Kraft der Phantasie
Die Kinder schlossen bei den Proben Freundschaften und konnten den Härten des Lageralltags mit der Kraft der Phantasie für eine Weile entfliehen. Das NS-Regime allerdings missbrauchte die Aufführungen zu Propagandazwecken. 1944 wurden 18.600 Menschen aus Theresienstadt nach Auschwitz deportiert, unter ihnen Hans Krása und viele der darstellenden Kinder. Fast alle wurden umgebracht. „Brundibár“ geriet in Vergessenheit.
Herausragendes Können
Nach dem Zweiten Weltkrieg kommt eine Benediktinerin aus Freiburg i.Br. ins Spiel: Die Musikpädagogin Sr. Maria Veronika Grüters, selbst jüdischer Abstammung, stieß bei Nachforschungen zu ihrer Familie zufällig auf den Stoff der Oper, rekonstruierte eine Fassung und führe sie 1985 mit Schülerinnen erstmals in Deutschland auf, später gab es auch ein Gastspiel in Israel.
Am Tiroler Landestheater haben sich über 50 Kinder zwischen 4 und 14 Jahren unter Chorleiterin Janelle Groos und Regisseurin Susi Weber an das Stück gewagt und es mit herausragendem Können und Fingerspitzengefühl aufgeführt. Große Kunst ist es, dass eine Oper Kinder wie Erwachsene in ihren Bann zieht, wobei der historische Hintergrund zum Verständnis thematisiert werden kann – aber nicht muss. Die Botschaft des Stückes ist zeitlos – und heute wichtiger denn je: „Ihr müsst auf Freundschaft bau’n, den Weg gemeinsam geh’n, auf eure Kraft vertrau’n und zueinander steh’n“.
Aufführungen bis 23. März, Infos: www.landestheater.at
Autor:Lydia Kaltenhauser aus Tirol | TIROLER Sonntag |