Kommentar von Lydia Kaltenhauser
Eine Ruine als Fundament

Ein Bild geht mir in diesen Tagen nicht aus dem Kopf: Das der völlig verfallenen „Saint Mary of the Assumption Church“ in einem Vorort von Chicago.

Es ist jene Pfarrkirche, in der Robert Francis Prevost, der heutige Papst Leo XIV., aufgewachsen ist. In den 1950er und 60er Jahren blühte dort das pfarrliche Leben, die ganze Familie war engagiert: die Mutter im Kirchenchor und als Katechetin, der Vater als Mesner, Robert und seine Brüder als Ministranten. Heute ist die Pfarrkirche verfallen. Ein Loch klafft im Dach, über dem Altar Graffiti, die Fassade bröckelt. An der Tür hängt ein Schild: Zu verkaufen. Das Schild ist genauso verfallen wie die Kirche. Auch in Europa werden Kirchen geschlossen oder einem anderen Zweck gewidmet. Die Benediktinerinnen der schwäbischen Abtei Kellenried machten jüngst Schlagzeilen, weil sie ihr komplettes Kloster samt Barockkirche im Internet zum Kauf anboten. Solche Bilder machen betroffen. Und doch: Christsein gründet nicht auf Gebäuden. Vieles verfällt und vergeht. Es tut weh, das Alte loszulassen. Das Neue ist anfangs ungewohnt. Aber: In jener aufgelassenen Kirche lernte ein zukünftiger Papst Glauben. „Seht, ich mache alles neu!“ (Offb 21,5)

Autor:

Lydia Kaltenhauser aus Tirol | TIROLER Sonntag

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