Mein Weg nach Rom 3/10
Begegnung mit dem heiligen Antonius
- Die Antoniusbasilika in Padua.
- Foto: Treml
- hochgeladen von martinus Redaktion
Der Pilgerweg nach Rom lädt zur Beschäftigung mit dem Heiligen ein.
Wir haben die erste Etappe durch die Poebene bis Camposampiero hinter uns – ein auf den ersten Blick unbedeutendes Städtchen. Doch hier gewährte Graf Tiso im 13. Jahrhundert seinem Freund Antonius in den letzten Lebenswochen Unterkunft. Der Heilige jedoch zog sich in eine einfache Hütte auf einem Nussbaum zurück, von wo aus er zu den Menschen predigte. Und die Menschen kamen in Scharen. Heute steht an dieser Stelle eine Kapelle.
Der Legende nach erschien Antonius beim Studium der Heiligen Schrift der lebendige Jesusknabe. So sehen wir ihn heute in vielen unserer Kirchen dargestellt: mit Buch, Jesuskind und Lilie.
Als Antonius spürte, dass sein Ende nahte, bat er, ins Kloster der Schwestern von Santa Maria in Padua gebracht zu werden. Die Mitbrüder luden den Schwerkranken auf einen Ochsenkarren und machten sich noch am selben Tag auf den Weg. Kurz vor Padua legten sie in Arcella, im Klarissenkloster, eine Rast ein – um ihn zu schonen. Dort starb er am 13. Juni 1231 mit den Worten: „Video Dominum meum!“ – „Ich sehe meinen Herrn!“
Die darauffolgenden Tage waren alles andere als friedlich.
Die „Arceller“ wollten den Leichnam nicht herausgeben, die „Paduaner“ hingegen bestanden auf der Überführung nach Santa Maria. Es kam zu Aufruhr, Padua drohte gar mit dem Einsatz des Heeres – bis schließlich der franziskanische Provinzialminister Albert von Pisa einschritt. Vier Tage später wurde der Leichnam unter strengen Sicherheitsvorkehrungen nach Padua überstellt.
- hochgeladen von martinus Redaktion
- Hier liegt der heilige Antonius begraben. Oft wird er mit dem Jesuskind, das ihm erschienen ist, abgebildet.
- Foto: Treml
- hochgeladen von martinus Redaktion
ABENTEURER
In Lissabon auf die Welt gekommen, wurde der junge Fernando – so sein Taufname – in eine adelige Familie hineingeboren. Mit 15 Jahren trat er in den Orden der Augustiner-Chorherren ein. In Coimbra empfing er die Priesterweihe. Dort begegnete er dem jungen franziskanischen Orden und war so beeindruckt, dass er eintrat und den Namen Antonius annahm. Er wurde ein Abenteurer im Herrn, ganz im Sinne des hl. Franziskus!
Sein Weg führte ihn zunächst als Missionar nach Marokko. Aufgrund einer Krankheit musste er zurückkehren, erlitt jedoch Schiffbruch und landete in Sizilien. Von dort pilgerte er nach Assisi, um am berühmten „Mattenkapitel“, einer spirituellen Versammlung der Franziskaner, teilzunehmen – und begegnete dort zum ersten Mal dem heiligen Franziskus persönlich.
PREDIGER UND THEOLOGE
Zwei Jahre lebte Antonius zurückgezogen und bescheiden in der Einsiedelei Montepaolo in der Emilia-Romagna. Bei einer Priesterweihe in der Nähe von Forlì wurde schließlich seine rhetorische und theologische Begabung entdeckt. Franziskus, anfangs skeptisch, erlaubte ihm schließlich, die Heilige Schrift an der Universität Bologna zu lehren.
Er wurde in gebildeten und adeligen Kreisen ein gern gesehener Gast – blieb jedoch seiner franziskanischen Berufung stets treu. Rund zehn Jahre war er als Wanderprediger unterwegs. Um den begnadeten Redner Antonius zu erahnen, sei uns älteren Semestern, die Bischof Reinhold Stecher noch persönlich erlebt haben, ein Vergleich erlaubt. Auch Stechers Vortragssäle waren voll, wenn er in seiner unverkennbaren Art Botschaften in bildhafter Sprache für alle verständlich auf den Punkt brachte. So wie eben „Il Santo“, wie Antonius in Italien volkstümlich genannt wird.
Und nun stehen wir in Padua, auf der Piazza „Sant’Antonio“, und staunen. Aus der einst kleinen Grabkapelle ist über die Jahrhunderte eine monumentale Basilika erwachsen, die heute von den Franziskaner-Minoriten betreut wird.
AUF SEINEN SPUREN
Der Pilger betritt das Gotteshaus, geht zur Grabstätte des Heiligen und berührt die Marmorplatte auf der Rückseite, hinter der Antonius ruht. Damit verabschieden wir uns von ihm vorerst – und folgen doch weiter seinen Spuren: auf dem „Cammino di Sant’Antonio“ – in den kommenden zwei Wochen.
- hochgeladen von martinus Redaktion
Mein Weg nach Rom
Pilgern in die Ewige Stadt
FERDINAND TREML
WAR LEHRER, SCHULDIREKTOR UND BEZIRKSSCHULINSPEKTOR. ER IST AUTOR DES PILGERFÜHRERS „DER PILGERWEG NACH ROM (TYROLIA VERLAG).
Autor:martinus Redaktion aus Burgenland | martinus |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.