Was für ein Gestank!

Franz Josef Rupprecht, Chefredakteur martinus
  • Franz Josef Rupprecht, Chefredakteur martinus
  • Foto: Gossmann
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Unlängst lud ich mir Gäste ein. Und einer der Freunde war leider nicht „gut drauf“. Nachdem ihn die anderen schulterklopfend und wohl auch kopfschüttelnd zur Tür begleiteten hat er noch „einen fahren lassen“ so dass es im ganzen Haus gestunken hat!
Verzeihen Sie, liebe LeserInnen, meine unverblümte Ausdrucksweise. Diese Geschichte ist zwar frei erfunden, sie entbehrt aber keineswegs der Ähnlichkeit mit jüngsten Ereignissen. Ich habe mit 15 Jahren, als ich noch ein Schüler war, begonnen, Reportagen für Zeitungen zu schreiben. In diesem Leben durfte ich ohne Ende privilegierten Momenten beiwohnen. Zu den bewegendsten gehören meine Dienste als Fotograf bei ungezählten Priesterweihen. Der Bischof sitzt da auf dem Thron – sein Stuhl repräsentiert die Königsherrschaft Christi. Der Weihekandidat kniet vor ihm und er legt seine gefalteten Hände in die offenen Handflächen des Weihespenders, es entspinnt sich ein Dialog: „Versprichst Du mir und meinen Nachfolgern Ehrfurcht und Gehorsam?“ Auf diese Frage des Bischofs antwortet der künftige Priester: „Ich verspreche es!“ (Für Ordenspriester gilt die etwas abgewandelte Frage: „Versprichst Du dem Bischof, in dessen Bistum du tätig bist, und deinem Oberen Ehrfurcht und Gehorsam?“) Mit diesen Worten wird feierlich und endgültig wiederholt, worauf sich der nunmehrige Jungpriester in jahrelanger Einübung festgelegt hat: Als katholischer Kleriker zu leben und seine Verfügbarkeit für die Kirche offiziell zu machen. Das ist auch eines der wesentlichen Elemente des Zölibats: Frei von Bindungen an Personen und Bedürfnisse für die Notwendigkeiten des Augenblicks zur Disposition zu stehen. Die Dramen und Dramolette, die sich immer wieder darbieten wenn ein Priester seinem gegebenen Versprechen zur Bereitschaft nachkommen soll, sind für mich schwer zu begreifen. Er selber kann ja wohl seine heiligsten Versprechen nicht vergessen haben! Und die Gläubigen rund um ihn haben ja gewiss eher Freundschaft mit Christus als mit dem Pfarrer geschlossen. Und diesem Christus erweisen sie einen Bärendienst wenn sie bei der ganz natürlichen Versetzung eines Geistlichen dem Bischof den Krieg erklären. Was für ein beschämendes Zeichen vor den Augen der Welt! Der Bischof handelt hier ja wie der Trainer bei einem Fußballspiel. Er (oder der Ordensobere) ruft Spieler in die Kabine und schickt Ersatz auf’s Feld, ganz so, wie er nach bestem Wissen und Gewissen meint, einen guten Verlauf zu garantieren.

Autor:

Gerald Gossmann aus Burgenland | martinus

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