BLICK_WINKEL
Von großen Hunden und kleinen Pferden
- hochgeladen von martinus Redaktion
Ist Ihnen der Begriff „City Light“ schon untergekommen? In Fußgängerzonen und anderen Bereichen mit vielen Passanten sieht man die etwa zwei Meter hohen Bildschirme mit ihren Werbebotschaften. Und was ist dort der letzte Schrei? Lassen Sie es mich anhand einer Werbekampagne erklären, die vergangene Woche preisgekrönt wurde. In diesen im öffentlichen Raum aufgestellten Bildschirmen ist eine Kamera eingebaut. Diese Kamera nimmt alles, was sich vor dem Bildschirm auf der Straße abspielt, auf und lässt es von einer künstlichen Intelligenz auswerten. Wenn sich nun ein Herrl oder Frauerl mit Hund Gassi-gehend nähert, wird flugs eine Werbung der Firma Pedigree (Futter und anderer Tierbedarf) abgespielt. Das System erkennt auch, wie groß der Vierbeiner ist und hat dafür die Präsentation der passenden Produkte auf Abruf parat. „Schöne neue Welt“ im Anmarsch? Oder Orwells düsterer Überwachungsroman „1984“ im echten, nicht-virtuellen Leben angekommen?
Dass im Internet die Erkennung der Bedürfnisse der Menschen vor dem Bildschirm oder am Handy schon seit vielen Jahren eisern analysiert, gespeichert, verkauft und für Werbe- und andere Zwecke eingesetzt wird, ist nichts Neues. Dass dies nun im nicht-virtuellen Alltag verwirklicht wird, hat mich überrascht.
Erlebt habe ich diese Neuigkeit beim „Media Award“, einer glanzvollen Veranstaltung, die die innovativsten Werbungen des vergangenen Jahres prämierte. Auf allen Linien gewonnen hat eine menschlich berührende Aktion: Die „Stiftung Kindertraum“ hat mit der Linie „Nicht alles, was glänzt, ist Luxus“ voll abgeräumt. Im Stil von funkelnder Autowerbung fotografierte sie Rollstühle für behinderte Kinder; die Kampagne kostete 20.000 Euro und spielte ganze 600.000 Euro an Spendenmitteln ein. Nicht einmal in die Nähe der Preisverleihung kamen Werbelinien der Caritas Österreich. Dieser wichtige Spendensammler wird immer wieder ausgezeichnet für seine bemerkenswerten Auftritte in der Öffentlichkeit. Auch bei der im Frühjahr vollzogenen Preisverleihung für den ADGAR, dem Preis für exzellente Werbungen in Tages- und Wochenzeitungen, konnte die Caritas heuer leider nicht als Gewinner aufschlagen. Gar nicht zu sprechen von den zahllosen anderen kirchlichen (kleineren) Hilfsorganisationen, die vom Sprung in eine zeitgemäße Wahrnehmung meilenweit entfernt sind. Ich wünsche den Kolleg:innen dieser wichtigen Säule christlicher Präsenz, bald (wieder) unter die intelligent-witzigen Mitspieler gereiht zu werden!
Vielleicht hat der Gegenwind, der dem Christentum seit einiger Zeit ins Gesicht weht, nun auch den mildtätigen und nichtdogmatischen Arm der Kirche erreicht? Ich selber habe vor ein paar Tagen schroffe Ablehnung als Katholik erleben müssen: Auf dem Heimweg von der Abendmesse wurde ich von einem unbekannten Passanten (vielleicht war er angeheitert) spontan angesprochen und gefragt, wer ich bin und was ich so mache. Als ich von meiner Tätigkeit bei der Kirchenzeitung erzählen wollte, wandte der Gesprächspartner sich abrupt weg und murmelte etwas Beleidigendes.
Mehr und mehr scheint sich ein Wort von Kardinal Christoph Schönborn zu bewahrheiten: „Die Kirche muss herab vom hohen Ross! – Es ist ja sowieso nur mehr ein Pony.“
Autor:martinus Redaktion aus Burgenland | martinus |
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