BLICK_WINKEL
Asche und Ewigkeit
- hochgeladen von martinus Redaktion
„Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst.“ Diese Worte haben viele von uns vor ein paar Tagen gehört, am Aschermittwoch, als ihnen das Kreuz mit dem schwarzen Pulver auf die Stirn gezeichnet wurde. Es sind Worte aus Gottes Mund – die Genesis berichtet, dass der Schöpfer sie zu Adam sprach, als er das erste Menschenpaar aus dem Paradies vertrieb.
Ich vernahm die Worte dieses Jahr schon einen Tag früher, am Faschingsdienstag. Ausgerechnet um die Zeit der großen ausgelassenen Umzüge trat eine kleine stille Prozession am Wiener Zentralfriedhof ihren Weg an, um meine Nachbarin zur ewigen Ruhe zu betten. Und diese Worte sind auch Teil der Totenliturgie: „Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück. Der Herr aber wird dich auferwecken.“ Dies spricht der Priester, wenn der Sarg in die Erde gesenkt wird. Aber halt – der Priester? In unserem Fall war es eine Begräbnisleiterin, ja, eine Frau. Und sie redete ihr Deutsch mit einem Akzent, der ihren Geburtsort außerhalb der österreichischen Staatsgrenzen verriet. Bekleidet war sie mit einer Albe und dem violetten Vespermantel – halt ohne Stola. In ihrer Ansprache hatte sie von der letzten Begegnung mit der Verewigten berichtet, wie sie über der Sterbenden ein Segensgebet gesprochen hatte. Natürlich musste ich da sofort an die Diskussion denken, die sich schon eine zeitlang über die Spendung der Krankensalbung entsponnen hat: Viele Theologen sehen die Notwendigkeit, dass diese Stärkung in Krankheit nicht nur dem Priester reserviert sein soll. Sondern der oder die soll sie spenden, der die seelsorgerliche Begleitung am Krankenbett leistet und so das Vertrauen des Kranken erworben hat. Ähnliches gilt auch für die Beichte. Undenkbar?
Eine Frau als Leiterin einer Begräbnisliturgie, bekleidet mit dem priesterlichen Vespermantel (auch Diakone tragen ihn übrigens) hätte vor einigen Jahren ja auch noch Kopfschütteln hervorgerufen. Wir müssen lernen das Ewige und Unverzichtbare klug zu unterscheiden von zeitlich Nützlichem. Was ist aufgebbar? Was kann und muss einem Kompromiss geopfert werden?
Diese Fragen, denen sich Politker, Diplomaten und Staatsmänner stellen müssen, sind auch in Angelegenheiten der Religion berechtigt.
Franz Josef Rupprecht
Chefredakteur
Autor:martinus Redaktion aus Burgenland | martinus |
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