IM_LAND
Zehn Jahre „Laudato Si“: „Pilgrim“-Zertifikat an Stegersbacher Schule verliehen
Bischof Tiran Petrosyan, Superintendent Matthias Geist, Stefan Sampt, Christine Wogowitsch, Katharina Stipsits, Elisabeth Hofbauer, Gunnar Hamann, Pilgrim-Gründervater Hans Hisch- Foto: Franz Josef Rupprecht
- hochgeladen von martinus Redaktion
Die Volksschule Stegersbach wurde vergangene Woche in das internationale Bildungsnetzwerk PILGRIM aufgenommen.
Mit dem Leitsatz „Zehn Jahre Laudato Si – Die Sorge um das gemeinsame Haus“ sind am Dienstag, 3. Juni, im Wiener Schottenstift PILGRIM-Zertifikate an Schulen aus ganz Österreich vergeben worden. Das internationale Bildungsnetzwerk verbindet Spiritualität mit Nachhaltigkeit.
Mein Glaube/dein Glaube – FAIR und wertschätzend miteinander. Unter diesem Motto setzte die Volksschule Stegersbach in diesem Schuljahr den Fokus auf multireligiöse Begegnungen und Feiern sowie auf das bewusste Ergründen der eigenen konfessionellen Verwurzelung. Verantwortlich für das Projekt zeichnet Katharina Stipsits. Weitere mitwirkende Lehrpersonen an dem Projekt sind Schulleiterin Doris Kottas, Elisabeth Hofbauer, Lucia Wonisch, Sara Janisch, Kerstin Postmann, Gabriele Zwitkovits, Kathrin Pulay und Elisabeth Kiss.
PROJEKTINHALT
Im Schuljahr 2024/25 legt die Volksschule Stegersbach einen Schwerpunkt auf ein wertschätzendes Miteinander der Religionen. Die Mehrheit der Schüler:innen ist katholisch. Die Schule steht in unmittelbarer Nähe zu zwei Kirchen: der katholischen Hl. Geist-Kirche in Form einer „Himmelstiege“ sowie der „alten“ katholische Kirche, seit drei Jahren genutzt von der rumänischorthodoxen Gemeinde.
Anlässlich des 50. Geburtstags der Hl. Geist-Kirche erkundeten die Kinder das Kirchengebäude und gestalteten den Erntedank-Jubiläumsgottesdienst im Oktober mit. Zu Pfingsten feiern sie in einem katholischen Schulgottesdienst mit bewussten Erklärungen zur Bedeutung der Feierelemente – offen auch für Gäste anderer Konfessionen/Religionen.
Multireligiös ausgerichtet sind die Feiern zu Schulbeginn und -ende: Unter dem Motto „Alle in einem Boot“ ist man ins Schuljahr gestartet, wobei die Erzählung von Noah und seiner Arche im Mittelpunkt stand und dabei auf die Texte in Tora, Bibel und Koran Bezug genommen wurde. Im Anschluss gab es für die Schulanfänger die Möglichkeit zum Einzelsegen und ein Begrüßungsspalier aller Mitschüler:innen am Weg von der Kirche zur Schule. In der Feier zum Schulschluss wünschte die Schulgemeinschaft besonders den Viertklassler:innen einen segensreichen weiteren Lebensweg.
Der Workshop „Shalom – Salam – Grüß Gott“ der Granatapfel Kulturvermittlung für alle Klassen stärkt die Toleranz untereinander. Die Kinder erlebten Judentum, Islam und Christentum aktiv und brachten Fragen und eigene Erfahrungen ein. Besonders muslimische Schüler:innen, für die seit Jahren kein Religionsunterricht angeboten wird, freuten sich, dass ihr Glaube so bewusst wahrgenommen wurde.
- Multireligiöse Schuleröffnungsfeier mit Begrüßungsspalier entlang der Hl. Geist-Kirche
- Foto: VS Stegersbach
- hochgeladen von martinus Redaktion
PILGRIM-Präsidentin Christine Wogowitsch hob bei der Verleihung den Wert der Zertifizierung hervor: „Genau diese Anerkennung möchten wir ihnen heute zuteilwerden lassen.“ Das PILGRIM-Zertifikat sei mehr als eine Urkunde – gemeinsam mit dem symbolisch überreichten Weinstock stehe es für etwas „Lebendiges, das man immer wieder neu pflegen muss“.
Regina Petrik, Generalsekretärin der Katholischen Aktion Österreichs, erinnerte an zentrale Aussagen aus Papst Franziskus‘ Enzyklika Laudato Si: Die Erde schreie unter dem Schaden, den ihr die Menschheit zufüge. Eine „große ökologische Wende“ sei notwendig, so Petrik.
Der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, Bischof Tiran Petrosyan, eröffnete die Feier und bezeichnete PILGRIM als „lebendigen Ausdruck einer Haltung, die wir als Christinnen und Christen mit vielen anderen Menschen teilen: Die Verantwortung für das gemeinsame Haus Erde“. Die Sorge um die Schöpfung sei nicht nur ein pädagogisches, sondern auch ein zutiefst theologisches Anliegen, sagte der Armenisch-Apostolische Bischof.
Der evangelische Superintendent A.B., Matthias Geist, bezog sich als weiterer Ökumene-Vertreter auf das Gleichnis Jesu vom Weinstock: „Ohne mich könnt ihr nichts tun.“ Dies sei ein Auftrag für gelebte Spiritualität und Verantwortung im Alltag.
INTERAKTION UND PRAXISNÄHE
Auch eine Reihe konkreter Nachhaltig-keits-Projekte wurden bei der Feier vorgestellt. Theresa Ortbauer präsentierte die Initiative „WeltTellerFeld“ im 22. Wiener Gemeindebezirk – einen interaktiven Lernort zur globalen Ernährungsgerechtigkeit. Besucherinnen und Besucher könnten dort globale Zusammenhänge und Auswirkungen des eigenen Konsumverhaltens unmittelbar erfahren.
Der Abt des Wiener Schottenstifts, Nikolaus Poch, verwies auf Nachhaltigkeitsprojekte in benediktinischen Klöstern und die Bedeutung des Pilgerns, das fest im Schulprogramm verankert sei. Die Natur, „der Gesang der Vögel und die Gerüche in der Luft“, seien für ihn „starke Zeichen der Hoffnung“, sagte der Ordensmann und Gastgeber der Zertifizierungsfeier.
Im Rahmen der Veranstaltung wurde zudem das Buch „Bildung und Nachhaltigkeit. Das Konzept PILGRIM im Ethikunterricht“ von Stefan Sampt vorgestellt. Laudator Piotr Kubiak erklärte, das Werk vermittle die Entstehungsgeschichte und zentrale Anliegen der Initiative und zeige praxisnahe Unterrichtsbeispiele zur Bildung für nachhaltige Entwicklung.
PILGRIM-Ehrenpräsident Johann Hisch sprach in seinen Abschlussworten vom in der Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus so bezeichneten „gemeinsamen Haus“, bei dem es sich um die „Welt, von der wir selbst ein Teil sind“ handle. Es sei, so der PILGRIM-Gründer, ein „Geschenk des Himmels an uns und alles, was da kreucht und fleucht. Das regt an zu einer tiefen Dankbarkeit.“
SPIRITUALITÄT UND NACHHALTIGKEIT
PILGRIM ist ein österreichisches Bildungsnetzwerk, das Schulen und Bildungseinrichtungen dabei unterstützt, Spiritualität und Nachhaltigkeit miteinander zu verbinden. Im Mittelpunkt steht die „Sorge um das gemeinsame Haus“ – ein Bildungsansatz, der Umweltbewusstsein mit ethischen und religiösen Werten verknüpft. Schulen, die sich regelmäßig mit diesen Themen befassen, können ein PILGRIM-Zertifikat erhalten.
Die Initiative wurde 2003 gegründet und zählt heute über 300 teilnehmende Schulen – unter ihnen ist das Burgenland überproportional vertreten. Sie orientiert sich an internationalen Rahmenwerken wie der Enzyklika Laudato Si‘ und fördert durch Projekte, Fortbildungen und Publikationen eine Bildung für nachhaltige Entwicklung im Sinne eines ganzheitlichen Lernens.
Autor:martinus Redaktion aus Burgenland | martinus |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.