Bischof Zsifkovics und Superintendent Koch beten gemeinsam
Katholischer Bischof als "Protestant"

Manfred Koch (evang. Superintendent), Aby Puthumana (Pfarrer), Ägidius J. Zsifkovics (Diözesanbischof).
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  • Manfred Koch (evang. Superintendent), Aby Puthumana (Pfarrer), Ägidius J. Zsifkovics (Diözesanbischof).
  • Foto: Maria Rudrupf
  • hochgeladen von Franz Josef Rupprecht

Der Eisenstädter Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics und der burgenländische Superintendent Manfred Koch sind am Karfreitag zur Todesstunde Jesu (15 Uhr) einem gemeinsamen Gebet an der historischen Heiligen Stiege in Forchtenstein vorgestanden. Verdrängte eigene Angst, das Leid der Mitmenschen in der Pandemie und Trost durch das Schauen auf das Kreuz standen dabei im Mittelpunkt, wie die Diözese Eisenstadt in einer Aussendung mitteilte. Der ORF Burgenland übertrug das Gebet live, das mit einer Schweigeminute begann.

"Wie soll ich mit all dem zurechtkommen? Wer wird noch betroffen sein? Woher nehme ich nun neue Kraft? Wo schöpfe ich neue Hoffnung? Wo finde ich neuen Mut? Wie viel Geduld brauche ich noch?", lauteten einige der bedrängten Fragen, die von Koch und Zsifkovic formuliert wurden.

"Gott, öffne deine Arme weit und umarme unsere von Leiden geprägte Welt: Alle, die aufgrund des Coronavirus infiziert wurden, gestorben sind oder ihr Leben einschneidend verändern mussten; alle, die durch andere Erkrankungen leiden müssen; alle, die in diesen Zeiten schwerwiegende Entscheidungen treffen müssen; alle, die Tag für Tag Hunger leiden; alle, die auf der Flucht sind und keine Heimat haben wie in den Flüchtlingslagern Griechenlands und der Türkei; alle, die durch die Grausamkeiten des Krieges wie in Syrien betroffen sind; alle, deren Leben durch Erdbeben, wie in Kroatien, erschüttert wurde", lauteten die anschließenden Bitten.

Gedenken an Märtyrer Bonhoeffer

Am Ende sprachen Bischof Zsifkovics und Superintendent Koch ein Segensgebet. Es stammte vom Märtyrer Dietrich Bonhoeffer, der vor 75 Jahren - in den letzten Tagen des Naziregimes - im KZ Flossenbürg hingerichtet wurde. Der aus Schlesien gebürtige evangelische Pfarrer gilt heute als Märtyrer der gesamten Christenheit. "Guter Gott, segne meine Hände, dass sie behutsam sind, dass sie halten können ohne zur Fessel zu werden, dass sie geben können ohne Berechnung, dass ihnen innewohnt die Kraft zu trösten und zu segnen", so der Anfang des Bonhoeffer-Textes.

Solidarität mit Evangelischen

Mit der ökumenischen Gedenkfeier sollte ein Zeichen des Zusammenhalts von katholischen und evangelischen Christen im Burgenland gesetzt werden, hieß es in der Aussendung. Und es sei auch um ein Zeichen der Solidarität insofern gegangen, als der Karfreitag seit dem vergangenen Jahr für die Evangelischen kein staatlicher Feiertag mehr ist. Bischof Zsifkovics hatte katholischerseits stets gegen die Regelung protestiert und geäußert, dass er "diesbezüglich ein Protestant" sei.

Superintendent Koch meinte im Interview mit dem Medienbüro der Diözese Eisenstadt: "Unabhängig davon wie traurig es heute dienstrechtlich aussieht: Der Karfreitag ist da als der große Feiertag für alle Christen. Denn am Karfreitag, gerade jetzt in der Krise, wird uns bewusst gemacht, dass durch Tod und Auferstehung Jesu das Leben stärker ist als der Tod. Wir sind auch dann, wenn wir in Todesnot sind, in der Liebe Gottes geborgen."

Heilige Stiege erinnert an Prätoriumsstiege

Die 28-stufige Heilige Stiege in Forchtenstein ist eine Kopie der aus Jerusalem stammenden Scala Santa, die an der Lateran-Basilika in Rom steht. Sie wurde auf Initiative von Fürst Paul Esterházy (1635-1713) errichtet; die Bauarbeiten und die Weihe (1719) erfolgten aber erst nach Pauls Tod (1713) unter Fürst Michael Esterházy. Ursprünglicher Standort der römischen Scala Santa war das Prätorium in Jerusalem, das auch in der im Zuge der Karfreitagsliturgie verlesenen Johannespassion erwähnt wird. Der Überlieferung nach hatte die Stiege am Prätorium 28 Stufen.

Die Stiege mit dem hoch oben stehenden großen Kreuz und der Schmerzensmutter gilt - ebenso wie die in Rom - als Ort der Andacht und des Gebetes. Nach altem Brauch beten die Gläubigen in der Mitte auf den Knien oder am Rande stehend die Stufen hinauf und denken dabei an das Leiden und Sterben Jesu Christi.   KAP

Autor:

Franz Josef Rupprecht aus Burgenland | martinus

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