Osterbrief von Bischof Ägidius
Fürchtet euch nicht!

Dr. Ägidius Johann Zsifkovics
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„Friede sei mit euch – Fürchtet euch nicht!“

Osterbrief von Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics im April 2020

Liebe Diözesanfamilie, Schwestern und Brüder im Herrn! „Friede sei mit euch – Fürchtet euch nicht!“

Mit diesem Gruß und mit dieser Aufforderung unseres gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus Christus grüße auch ich Euch alle von Herzen als Euer Bruder im Glauben und Hirte. Ich entbiete Euch allen im Wege dieses Osterbriefes meine besten Osterwünsche am Ende einer für uns alle außergewöhnlichen Fastenzeit, in der unser aller Leben eingeschränkt ist wegen der Corona-Pandemie, wir auf gemeinsame Gottesdienste verzichten müssen und große Sorgen um die Gesundheit so vieler Mitmenschen haben.

Friede sei mit euch – Fürchtet euch nicht!Diese Worte Jesu an seine Jünger am Ostermorgen sind nicht zufällig ausgesprochen, sondern vom Auferstandenen bewusst als Gruß und als Aufforderung an seine Jünger gewählt. Warum wohl?

Angst und Friedlosigkeit treiben die Menschen aller Zeiten, besonders auch den heutigen Menschen. Sei es die Angst vor dem Coronavirus oder vor anderen Krankheiten. Sei es die Angst vor dem Klimawandel und seinen Folgen, die Angst vor neuen Migrationswellen, vor Katastrophen, Terror und Krieg. Sei es die Angst vor Krisen in Politik, Wirtschaft, Finanzwelt und Kirche oder die Angst im persönlichen Leben: Bleibe oder werde ich gesund? Finde ich einen Job, der mich erfüllt, oder verliere ich meine Arbeit? Wird meine Ehe, die Familie oder Partnerschaft gelingen oder gar zerbrechen? Und schließlich unsere wohl größte Angst, die Angst vor dem Tod.

Der Mailänder Arbeiterpriester Cesare Sommariva hat in seinem Testament auf drei einfache Grundregeln einer menschlichen Erziehung hingewiesen: Keine Angst haben – keine Angst machen – von der Angst befreien. Das ist eine Pädagogik, die wir moderne Menschen uns aneignen sollen. Das ist ein Auftrag an Kirche und Gesellschaft.

Keine Angst haben – was heißt das?

Angst hat heute viele Gesichter, weil wir vor vielen Dingen Angst haben. Mit einem Bild gesprochen: Wir gehen durchs Leben mit zwei Hunden an der Leine. Der eine ist die Angst, der andere der Glaube. Der Hund, den wir gut füttern, wird größer und kräftiger und zieht uns mehr und mehr auf seine Seite. Der andere bleibt klein. Wenn wir die Angst nähren, wird sie immer größer werden. Wenn wir hingegen den Glauben und die Hoffnung pflegen, werden diese wachsen, werden wir Ängste besser bewältigen und sogar ablegen können.

Keine Angst machen – was heißt das?

Womit wurde in der Vergangenheit und womit wird auch heute nicht allem Menschen Angst gemacht! Auch die Kirche hat lange Zeit hindurch einen angstbesetzten Glauben vermittelt, leider kommt es manchmal auch heute noch vor. Ihre Botschaft kreiste oft nur um Themen wie Sünde, Moral, Strafe, Fegefeuer, Hölle und ähnliches. Menschen wurden und werden manchmal heute noch durch kirchliches Bodenpersonal damit eingeschüchtert, verwundet und missbraucht; sie entfernen sich von der Kirche und treten aus. Die Kirche schafft es oft nicht, in ihrer Verkündigung die richtigen Themen zu finden und in einer Sprache zu reden, die vom Wachsen und Aufblühen, von Lebensfülle und Barmherzigkeit als Frucht der Freude am Leben und am Glauben kündet. Gerade in der Bibel wird uns aber diese Freude immer wieder vor Augen geführt: die Freude des Himmels, die Freude des Hirten, die Freude des guten Vaters über die Rückkehr des Sohnes, die Freude der Frau über das verlorene Geldstück. Angst hingegen produziert ein trauriges Christentum, verbunden mit dem Bild eines freudlosen, strengen und unbarmherzigen Gottes. Es gibt auch heute Menschen – leider auch viele Christen –, die Angst verbreiten und mit den Ängsten der Menschen unverantwortlich umgehen und sie manipulieren. Unsere Heimat, Europa, die Welt braucht keine Angstmacher und Populisten, sondern vielmehr Menschen, die keine Angst haben und die keine Angst machen!

Von der Angst befreien – was heißt das?

Das Christentum ist eine Religion, die von der Angst befreit. Der Blick auf den auferstandenen Herrn zeigt uns, dass er Menschen von der Angst befreite, dass er die Angst der Menschen vor Gott und ihren Mitmenschen, besonders den Fremden, auflöste und dass er durch seinen Tod und seine Auferstehung die letzte große Angst des Menschen vor dem Tod besiegte. Damit schenkte er ihm eine neue Zukunft und Hoffnung auf ein Leben in Fülle. Von der Angst vor Gott befreien, wie es die Engel in der Heilsgeschichte immer wieder getan haben, das ist auch Auftrag und Sendung der Kirche und von uns Christen in der Welt von heute. Wenn wir diesen Auftrag erfüllen, können auch die Angst vor Gott und die Gottlosigkeit unserer Zeit einer Gottesoffenheit weichen, dann kann die Angst vor dem Anderen, unsere Fremdenfeindlichkeit, einer Fremdenfreundlichkeit Platz machen. Braucht es nicht gerade das heute mehr denn je in unserer Welt, in unserem Land, auch in unserer Kirche und in unserem Leben?

„Friede sei mit euch – Fürchtet euch nicht!“

Das sind die ersten Worte des Auferstandenen an seine Jünger und damit auch an uns Christen von heute sowie an alle Menschen guten Willens. Und der Auferstandene fügt noch hinzu: „Empfangt den Heiligen Geist! Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Der Auferstandene ist – wie mit den beiden Jüngern von Emmaus – auch mit uns unterwegs, die wir oft blind, niedergeschlagen und voll von Angst sind. Er lässt sich erkennen im Wort der Schrift und beim Brechen des Brotes. Deshalb sind die Beschäftigung mit dem Wort Gottes, die Feier des Gottesdienstes und der Sakramente für Christen lebensnotwendig! Deshalb brauchen wir den Sonntag mit dem Gottesdienst so dringend für unsere Familien und Pfarrgemeinden!
Der Sonntag ist für Christen ein Tag gegen Angst und Isolation, ein Tag der Freude und Gemeinschaft. Werden wir uns dessen wieder bewusst und halten wir trotz vieler anderer Angebote den Sonntag – und sei es, indem wir in Zeiten von Präventionsmaßnahmen auf Gottesdienstfeiern in den Medien zurückgreifen!

Jesus zeigt uns an Ostern in der Begegnung mit den Emmausjüngern und mit den anderen Zeugen der Auferstehung, dass er die Angst des Menschen vor dem Tod durch seinen eigenen Tod und seine Auferstehung für immer besiegt hat. Das ist unser Osterglaube und das ist die Osterbotschaft an diese angsterfüllte Welt und an den angsterfüllten Menschen von heute. Ostern ist der Auftrag an uns Christen, im Blick auf den Auferstandenen keine Angst zu haben, keine Angst zu machen und wie Jesus Menschen heute von der Angst zu befreien.

Liebe Schwestern und Brüder!

Ich hätte Euch alle gerne heuer am Pfingstmontag, dem 1. Juni 2020, zum Jubiläum „60 Jahre Diözese Eisenstadt“ als Diözesanfamilie im Schlosspark in Eisenstadt willkommen geheißen. Alle kennen wir die Umstände, warum dieses Fest verschoben werden muss. Wir werden es im kommenden Jahr am Pfingstmontag, dem 24. Mai 2021 im Schlosspark in Eisenstadt auch als Fest der gemeinsam überwundenen Krisenzeit feiern. Als Fest der Freude am Glauben soll es ein Fest der Dankbarkeit allen gegenüber werden, die unsere Diözese aufgebaut, mit ihren Talenten bereichert und durch gute wie auch schwierige Zeiten bis heute in den Pfarren und Filialgemeinden mitgestaltet und mitgetragen haben. Nutzen wir diese Zeit, uns darauf vorzubereiten, indem wir schon heute als Christen Zeugen der Auferstehung in der Welt sind – damit zeigen wir, dass Christentum, Glaube und Kirche leben!
Vergessen wir nicht, unseren Glauben auch mit guten Werken zu bezeugen, indem wir die Fastenaktion unserer Diözese auch in diesem Jahr unterstützen und so den Armen beistehen – Vergelt´s Gott für alle Eure Gaben für Menschen in Not!
„Friede sei mit euch – Fürchtet euch nicht!“, denn der Auferstandene ist mit uns – in unseren Ölbergnächten, auf unseren Emmauswegen und in diesen Krisenzeiten. Danke auch allen, die anderen in dieser Zeit beistehen!

Dr. Ägidius Johann Zsifkovics
Titelgrafik des Osterbriefes
Autor:

Franz Josef Rupprecht aus Burgenland | martinus

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