IM_LAND
Festmesse zum Jubiläum „100 Jahre Landeshauptstadt“
Die Sonderbriefmarke „100 Jahre Landeshauptstadt Eisenstadt“ wurde von Marion Füllerer entworfen und zeigt das Rathaus der Freistadt Eisenstadt.- Foto: Österreichische Post AG
- hochgeladen von martinus Redaktion
Bischof Zsifkovics erinnert an wechselvolle Geschichte Eisenstadts und ruft dazu auf, das Christsein mutig zu leben.
Mit einer Festmesse im Eisenstädter Martinsdom wurde am Sonntag der Erhebung von Eisenstadt zur burgenländischen Landeshauptstadt vor 100 Jahren gedacht. Dem Gottesdienst im Eisenstädter Martinsdom stand Bischof Ägidius J. Zsifkovics vor.
1921 wurde das Burgenland offiziell als eigenständiges Bundesland Teil der Republik Österreich, verlor jedoch nach einer Volksabstimmung seine „natürliche“ Hauptstadt Ödenburg und blieb für dreieinhalb Jahre „ein Land ohne Hauptstadt“. Der Burgenländische Landtag beschloss bei seiner Sitzung am 30. April 1925, dass Eisenstadt der Sitz der Burgenländischen Landesregierung und des Landtags und somit de facto Landeshauptstadt des Burgenlandes ist.
Bischof Zsifkovics konnte zum Gottesdienst u.a. auch den evangelischen Superintendenten Robert Jonischkeit begrüßen, vonseiten der Politik u.a. den Eisenstädter Bürgermeister Thomas Steiner. Der Festgottesdienst fiel auf den Florianisonntag. Die Freiwilligen Feuerwehren aus Eisenstadt, St. Georgen und Kleinhöflein feierten den Gottesdienst mit.
- LH-Stv.in Anja Haider-Wallner, Christian Graf (FW St. Georgen), Vizebürgerm eisterin Charlotte Toth-Kanyak, Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics, Rainer Schwarz, (Bezirksfeuerwehrkommandant-Stellvertreter Stadt Eisen stadt), Johannes Steindl (FW Kleinhöflein), Reinhold Hübner (Bezirksfeuerwehrkommandant Stadt Eisenstadt), Bürgermeister Thomas Steiner, LR Leonhard Schneemann, Superintendent Robert Jonischkeit und Vizebürgermeister István Déli.
- Foto: Büro LR Schneemann / Nina Sorger
- hochgeladen von martinus Redaktion
Bischof Zsifkovics ging in seiner Predigt auf die wechselvolle Geschichte Eisenstadts ein. Er erinnerte etwa auch an das lebendige jüdische Leben in der Stadt. „Jüdisches Leben konnte sich hier entfalten, wurde aber gänzlich ausgelöscht. Die alte Synagoge, das jüdische Museum und vieles andere erinnern an diese Zeit, auch das Gymnasium der Diözese am Wolfgarten.“ Die Stadtmauern erinnerten wiederum an die bedrohte Vergangenheit durch Türken und andere Plünderer. Zsifkovics wies darauf hin, dass die älteste schriftliche Nennung dieses Ortes in einer Urkunde aus dem Jahr 1264 zu finden ist. Die Abschrift sei im Vatikanischen Archiv aufbewahrt. Romanische Mauerreste unter dem alten Boden der Dom- und Stadtpfarrkirche datierten das Werden des Ortes in das 12. Jahrhundert.
GEISTLICHES ZENTRUM
Eisenstadt sei Raum für Kultur, Bildung, Erziehung und Forschung, für Schulen, Fachhochschulen und Akademien und für die Wirtschaft. „Diese kleine Stadt ist Arbeitgeber für Burgenländer, für Frauen und Männer aus dem benachbarten Ungarn, der Slowakei und weit darüber hinaus.“ Der Einsatz vieler Männer und Frauen, Landes- und Stadtpolitiker, Verantwortlicher in Wirtschaft, in Ge-sundheits- und Sozialeinrichtungen sei „unbestritten, oft auch unbedankt“, so der Bischof. Mit großer Hilfe des Landes, der Republik, der Ministerien, der Europäischen Gemeinschaft und vieler Menschen mit einem weiten Horizont konnte Bleibendes geschaffen werden.
Eisenstadt sei auch ein bedeutendes geistliches Zentrum, so Zsifkovics weiter. Er verwies auf die große kirchliche Geschichte der Stadt bzw. der Region, auch wenn das Burgenland erst 1960 zur Diözese erhoben wurde: „Immer war das Werden und das Wachsen mit großen Priesterpersönlichkeiten, mit Pröpsten, Pfarrern, Ordensschwestern und Ordensbrüdern verbunden, auch mit der evangelischen Tradition, mit den bischöflichen Administratoren, mit den Mutterdiözesen Szombathely und Györ und seit der Diözesanwerdung im Jahre 1960 mit den drei Diözesanbischöfen der Diözese Eisenstadt.“
Der Bischof erinnerte auch an den Besuch (1988) von Papst Johannes Paul II. im Burgenland: „Bei dieser historischen Begegnung wurden Mauern überwunden, Zäune durchlöchert und Begegnung zugelassen.“ Heute lebten und arbeiteten in Eisenstadt Menschen mit den bereichernden Kulturen und Sprachen der Deutschen, Kroaten, Ungarn, Slowaken und Roma, „zudem viele andere, die als Zugewanderte und Asylanten gekommen sind, eine Existenz geschaffen haben und sich für das Miteinander einbringen.“
Das Rathaus von Eisenstadt, dessen erster Bau auf das Jahr 1650 zurückgeht, trage auf der Fassade biblische Bilder, so Zsifkovics: „Darauf eingeschrieben sind die göttlichen und Kardinalstugenden: Glaube, Hoffnung, Liebe, Gerechtigkeit, Weisheit, Tapferkeit und Mäßigung. – Das ist mehr als eine Fassadengestaltung, das bleibt Auftrag für Gegenwart und Zukunft.“
„VIELES ZERBRÖSELT ...“
Der Bischof wies auch auf problematische Entwicklungen hin: „Nicht alles, was modern klingt, ist lebenswert. Vieles zerbröselt vor unseren Augen. Der schnelle Zugewinn von Wohlstand, Sättigung und medialer Durchdringung hat manche Seelen erstickt und viele Menschen ärmer gemacht.“ Der Wohlstandautomatismus sei an sein Ende gekommen und eine neue Armut habe sich eingeschlichen, die sich nicht nur auf das Materielle beschränkt. „Verunsicherung, Verrohung und schreckliche Vereinfachungen greifen um sich“, warnte der Bischof.
Somit bleibe dieses Jubiläumsjahr auch ein Jahr der Anfrage an die Christen: „Lebt und bewährt sich unser österlicher Glaube im Alltag? Vermag die österliche Botschaft Hoffnung geben, trotz aller Hoffnungslosigkeit? Können wir als Christen die Menschen zueinander bringen? Kann unser Glaube die Welt heilen, weil wir überzeugt sind, dass der Glaube an Gott den Menschen guttut? Was fehlt, wenn Gott fehlt? Leben wir unser Christsein?“
Unter den Mitwirkenden waren die Bauernkapelle St. Georgen, der Projektchor Dorfblick St. Georgen, das Streicherensemble der Joseph Haydn-Privathochschule unter der Leitung von Tina Lackner, die Stadt- & Feuerwehrkapelle Eisenstadt, Konrad Huber, Julius Koller, Erich Kummer sowie der amtliche Kirchenmusiker Mario Weber.
DANK AN FEUERWEHREN
Bürgermeister Thomas Steiner bezeichnete den Festgottesdienst im Anschluss als einen besonderen Moment im Jubiläumsjahr: „Es war eine schöne Gelegenheit, innezuhalten, Dankbarkeit zu zeigen und gemeinsam zu feiern.“ Sein Dank gelte zudem auch der Freiwilligen Feuerwehr: „Unsere Freiwillige Feuerwehr ist ein unverzichtbarer Pfeiler unserer Stadtgemeinschaft – ihr Engagement, ihre Einsatzbereitschaft und ihr Mut verdienen höchste Anerkennung.“
Zum Jubiläum finden heuer noch zahlreiche weitere Veranstaltungen statt:
www.100jahre-eisenstadt.at/veranstaltungen
KAP/RED
Autor:martinus Redaktion aus Burgenland | martinus |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.