Passionsspiele St. Margarethen
Die Schneiderin von Jesus und den Aposteln

Passion für die Passionsspiele. Cornelia Bleich aus St. Margarethen schneidert gerade ehrenamtlich am Kostüm für Maria Magdalena.
  • Passion für die Passionsspiele. Cornelia Bleich aus St. Margarethen schneidert gerade ehrenamtlich am Kostüm für Maria Magdalena.
  • Foto: Cornelia Bleich
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Die St. Margarethnerin Cornelia Bleich hat mit ihren Modeschülerinnen den Passionsspiel-Darstellern Hosen und Umhänge geschneidert. Die 30-Jährige nimmt einen klaren Auftrag wahr: Das Historienspiel soll zeitloser und moderner aussehen.

Gerald Gossmann

Der Pfarrer blätterte verzweifelt in Modekatalogen. Sein Wunsch: Die Passionsspiele sollen heuer „zeitloser“ werden und „eine Brücke in die Gegenwart schlagen“, betont Richard Geier. Dafür benötigte er passende Kostüme, doch „moderne orientalische Kleidung“ suchte er in trendigen Magazinen vergeblich.

Jesus in Hose. In der Passionsspielgemeinde liegt die Lösung oft näher als gedacht: Die Gemeinschaft hat ihren eigenen Figaro, eigene Sicherheitstechniker, Bühnenbauer, Gastronomen, die allesamt aus dem kleinen Ort stammen. Praktisch, dass hier auch die junge Schneiderin und Modeschulenlehrerin Cornelia Bleich wohnt. Die 30-jährige St. Margarethnerin war schnell von der Idee begeistert und überzeugte flugs ihre Schülerinnen in der Modeschule Mödling. 25 Kostüme haben die jungen Damen entworfen und geschneidert. Bei den heurigen Aufführungen werden Jesus, die Apostel und die Emmausjünger erstmals in zeitlosen Hosen und T-Shirts auftreten anstatt in historischen Umhängen. Die Modeschule Mödling hat Erfahrung mit derartigen Arbeitsaufträgen: Schon für Musicalaufführungen, Trachten- und Musikvereine wurden Gewänder entworfen. Zuletzt gar für ein Elektronikunternehmen, das moderne Kleidung für das Verkaufspersonal benötigte.

Jugendlichkeit. Cornelia Bleich ist eine modebewusste junge Frau. „Immer wenn ich sie sehe, hat sie eine andere Frisur und einen neuen Style“, schmunzelt Pfarrer Richard Geier, dem die jugendliche Leichtigkeit der Schneiderin gefällt. „Es war mir ein Anliegen, dass Jesus nicht als historische Figur wahrgenommen wird, der nur in der Antike gelebt hat“, betont er, „sondern zeitlos“. Jesus hat drei unterschiedliche Gewänder. Gekreuzigt wird er heuer nicht im üblichen Lendenschurz sondern in einem Mantel mit roten Blutspritzern aus Samt. „Für die Hauptdarsteller wurden alle Kostüme maßgeschneidert“, erzählt Cornelia Bleich, die erstmals bei den Passionsspielen mithilft. Auf der Internetplattform „Facebook“ postete sie zuletzt: „Ich bin sehr stolz darauf, ein Helferlein der Passionsspiele St. Margarethen sein zu dürfen.“ Vergnügt erzählt sie im Gespräch mit dem „martinus“ von ihrer neuen Herausforderung. „Wir durften unserer Kreativität freien Lauf lassen und haben auch mit asymmetrischen Schnitten gearbeitet, wodurch Jesus greifbarer und lebendiger wirken soll.“

Ehrenamtlich setzt sich die 30-Jährige auch selbst an die Nähmaschine und wird die Gewänder des Volks adaptieren und zum Teil neu schneidern. Etwa 80 bis 100 Kostüme will sie nähen. „Wir machen hier sehr einfache Schnitte. Für eine Kutte mit Ärmeln benötige ich etwas mehr als eine halbe Stunde“, erklärt sie. Derzeit feilt Bleich am Kostüm von Maria Magdalena. Die Passionsspielgemeinde St. Margarethen versteht es seit Jahrzehnten, die Dorfbewohner und ihre Talente geschickt einzubinden. Cornelia Bleich bezeichnet sich als gläubigen Menschen, aber keinen, „der jeden Sonntag in die Kirche geht“. So wird in der Zusammenarbeit vieler unterschiedlicher Personen auch ein von Pfarrer Richard Geier ersehntes Ziel erreicht: Die Pfarre kommt mit Menschen in Berührung und die Menschen unweigerlich mit der Pfarre. Viele Passionsspieler erzählen, dass sie als Taufscheinchristen am Passionsspiel teilgenommen hätten und durch die Beschäftigung mit ihrer Rolle zu leidenschaftlichen Bibel-Lesern wurden.

Lob des Bischofs. Vor kurzem wurden einige Kostüme feierlich im Römersteinbruch von St. Margarethen präsentiert. Auch Bischof Ägidius J. Zsifkovics war anwesend. „Der Herr Bischof hat mich angesprochen“, erzählt Cornelia Bleich, „und mir gesagt, wie toll er die Kostüme findet. Unsere Arbeit wird wirklich geschätzt und bewundert.“

Notfallhilfe. 22 Schülerinnen haben an den neuen Gewändern gewerkt. Sie alle hätten mit Kirche und Religion wenig am Hut, erzählt Bleich, „aber zu den Aufführungen der Passionsspiele wollen sie kommen“.
Die Schneiderin selbst wird zwar erneut keine Rolle im Ensemble bekleiden – aber für Notfälle bei den Aufführungen hinter der Bühne Platz nehmen. „Ich werde dort mit meiner Nähmaschine sitzen – und wenn jemand mit seinem Kostüm wo hängen bleibt, dann bin ich da.“

Autor:

Redaktion martinus aus Burgenland | martinus

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