Familie Schmitt schrieb burgenländische Kirchengeschichte
Die Berufung der fünf Brüder

Pfarrkirche von Mattersburg, die im 14. und 15. Jahrhundert erbaut wurde.
  • Pfarrkirche von Mattersburg, die im 14. und 15. Jahrhundert erbaut wurde.
  • Foto: Johannes Mayer
  • hochgeladen von Gerald Gossmann

In Mattersburg wurden einst fünf Brüder zu Priestern geweiht. Bislang war diese einzigartige Geschichte nicht bekannt.

Es ist uns bislang nicht bekannt, dass aus einer der 172 Pfarren der Diözese Eisenstadt jemals fünf leibliche Brüder ihrer Berufung zum Priester gefolgt wären. Diesen interessanten Persönlichkeiten soll mit diesem Beitrag ein Andenken gesetzt werden. Den entscheidenden Hinweis zu dieser einzigartigen Familiengeschichte gab dankenswerterweise Christian Szivatz. Man kann sie auch als ein Gnadenschenk Gottes bezeichnen. Zum Jubiläum unserer Diözese wollen wir daran erinnern, und es soll auch ein Ansporn für das 21. Jahrhundert sein, sich der Priesterberufungen stärker bewusst zu werden.

Bestätigung. Blicken wir ins Archiv: Am 10. Juli 1689 gaben in Mattersburg, damals Mattersdorf, Johann und Anna Schmitt einander das Jawort. Der Bräutigam übte das Amt des Kellermeisters der Grafschaft Forchtenstein aus und war in den Jahren 1717 bis 1722 und 1724 bis 1726 Richter in Mattersdorf. Dass fünf Söhne des Paares tatsächlich zu Priestern geweiht wurden, bestätigt die Eintragung anlässlich des Begräbnisses von Anna Schmitt am 11. Juni 1744.
Gregor, später Doktor der Theologie, wird als Ältester genannt. Geboren wurde er am 2. Juli 1690 in Forchtenstein. Er absolvierte die theologischen Studien im Pazmaneum in Wien, damals in der Schönlaterngasse in der heutigen Innenstadt gelegen, und setzte seine Ausbildung anschließend im fernen Rom fort. Die niederen Weihen empfing er am 20. September 1710 in Wien. Gregor war von 1716 bis 1723 Pfarrer in Gran-Viziváros (Esztergom). Gregor galt als ausgezeichneter Prediger in deutscher und ungarischer Sprache. Er ließ den Sebastianialtar in Mattersburg renovieren und spendete der Kirche einen wertvollen Kelch. 1724 wurde er zum Kanonikus ernannt und 1730 übernahm er die Pfarre in Tyrnau, wo er am 13. Jänner 1746 starb. Gregor Schmitt trug die Titel eines Abtes MBV de Pankota des Apostolischen Protonotars und wurde in den Adelsstand erhoben.
Johann wurde am 5. Juli 1699 in Mattersdorf geboren. Im Jahre 1744 hieß es über ihn: „Excellens Jurista ac liberae“ Reg. Civitatis Schemnizensis Notarius (Banská Stiavnica in der Slowakei). Über seinen weiteren Lebensweg wurden keine Informationen gefunden.

Vielfältige Talente. Der dritte Bruder, Franz, wurde am 5. Oktober 1701 geboren. 1724 zum Priester geweiht, war er als Sekretär im Dienst des Fürsten Paul Anton Esterházy. Von 1745 bis zu seinem Tod im Jahr 1760 war Franz Schmitt Pfarrer in Sankt Niklas bei Leiden (Mosonszentmiklós). Der bekannte Schriftsteller Nikolaus Schmitt wurde am 3. Dezember 1707 in Mattersdorf geboren. Er trat 1728 in den Jesuitenorden ein und legte 1746 seine Gelübde ab. Pater Schmitt war Doktor der Philosophie und der Theologie und wirkte unter anderem in seinem Orden als Professor, Novizenmeister, Spiritual und Präfekt. Zwölf Werke aus seiner Autorenschaft sind im Druck erschienen. Wie damals üblich waren sie allesamt in lateinischer Sprache verfasst. Nikolaus starb am 23. August 1767 in Tyrnau (Trnava). Gabriel Lorenz, der jüngste der fünf Priesterbrüder, erblickte am 25. März 1710 das Licht der Welt. Auch er war Zögling des Wiener Pazmaneums, wo er am 22. Dezember 1731 zum Priester geweiht wurde. Gabriel Schmitt war Pfarrer von Totis (Tata) und wurde 1755 zum Kanonikus von Györ (Raab) ernannt, wo er am 17. April 1782 starb.

Autor:

Gerald Gossmann aus Burgenland | martinus

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