AUS_BLICK
Bischof Ägidius Zsifkovics Festprediger bei der Luxemburger Marienoktav

Abschluss-Prozession in Luxemburg.  | Foto: Bodo Bost

Mit seiner Predigt und der Darbietung eines Marienliedes begeisterte Bischof Ägidius die zahlreichen Pilger beim Abschlussgottesdienst der Luxemburger Oktav-Wallfahrt, darunter auch Ex-EU-Kommissionspräsident Jean Claude Juncker.

Beim Pontifikalamt zur diesjährigen Muttergottesoktav in der Kathedrale von Luxemburg stand nicht nur die Verehrung der „Trösterin der Betrübten“ im Mittelpunkt, sondern auch die enge geistliche Verbundenheit zwischen Luxemburg und dem Burgenland, beide einst Teile des Habsburgerreiches.

Prediger des Festgottesdienstes war der Eisenstädter Bischof Ägidius J. Zsifkovics, der mit einem herzlichen „Grüß Gott“ aus Österreich die Gläubigen in Luxemburg danach auch auf Luxemburgisch begrüßte.

In seiner Predigt nutzte Zsifkovics den zeitlichen Zusammenhang mit dem Europatag (9. Mai), um einen eindringlichen Appell für europäische Werte und Menschlichkeit zu formulieren. Neben vielen Landesund Stadtpolitikern hat auch der ehemalige EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker an der traditionellen Wallfahrt teilgenommen. Gemeinsam mit den Pilger:innen aus Luxemburg haben auch zahlreiche Pilger:innen aus anderen Ländern – besonders aus Kevelaer (Deutschland) – an der Messe und der Prozession teilgenommen. Die Muttergottes Trösterin der Betrübten strahlt also über den luxemburgischen Raum hinaus.

Der Bischof erinnerte daran, dass die Beziehungen zwischen der Erzdiözese Luxemburg und der Diözese Eisenstadt in den vergangenen Jahren gewachsen seien. Besonders hob er hervor, dass der Luxemburger Erzbischof Kardinal Jean-Claude Hollerich im Jahr 2022 das Martinsfest im Eisenstädter Dom mitgefeiert habe. Sein Besuch sei bis heute in lebendiger Erinnerung geblieben. Die Einladung zur Predigt bei der traditionsreichen Oktav verstand Zsifkovics deshalb auch als Zeichen der Dankbarkeit und der gegenseitigen Verbundenheit zwischen beiden Ortskirchen.

„Wie schön, dass der Europatag hier in Luxemburg sogar ein Feiertag ist, der uns daran erinnert“, so Zsifkovics in seiner Predigt. Angesichts wachsender Spaltung, Populismus und Fremdenhass in Europa mahnte er zum Hinschauen und Handeln: Die Kirchen seien mitverantwortlich für den Zusammenhalt des gemeinsamen Hauses Europa. Bischof Ägidius würde sich wünschen, dass der Europatag auch bei uns in Österreich und in den anderen EU-Mitgliedstaaten ein Feiertag wäre, als ein wichtiges Zeichen des Zusammenwachsens und einer gemeinsamen Identität.

Im Zentrum seiner Predigt stand das diesjährige Leitwort der Oktav: „Menschsein heute, im Hier und Jetzt“. Dabei spannte der Eisenstädter Bischof einen geistlichen Bogen zwischen Luxemburg und Eisenstadt. Beide Diözesen verbindet die Verehrung der Gottesmutter als „Trösterin der Betrübten“. Sowohl in der Luxemburger Kathedrale als auch im Martinsdom von Eisenstadt befinden sich bedeutende Gnadenbilder unter diesem Titel. Das Eisenstädter Bild stammt aus dem Jahr 1746 und zieht bis heute zahlreiche Pilger und Suchende an.

Bischof Zsifkovics erinnerte daran, dass diese Marienbilder in Zeiten von Kriegen, politischen Umbrüchen und gesellschaftlichen Krisen für viele Menschen Orte des Trostes und der Hoffnung gewesen seien. Gerade angesichts heutiger Spannungen, Kriege und gesellschaftlicher Spaltungen sei die Botschaft der „Trösterin der Betrübten“ aktueller denn je. Die moderne Welt mit ihren technischen Entwicklungen, der Digitalisierung und den globalen Krisen stelle die Frage nach einem wahrhaft menschlichen Leben neu.

Maria sei dafür ein Vorbild echten Menschseins. Anhand von drei Begriffen – „Hören“, „Hinschauen“ und „Hinausgehen“ – entfaltete der Bischof seine Gedanken. In einer Zeit permanenter Informationsflut und digitaler Kommunikation drohe das wirkliche Zuhören verloren zu gehen. Der christliche Glaube beginne jedoch mit dem Hören – auf Gott und auf den Mitmenschen.

Das zweite Stichwort, das Hinschauen, verband Zsifkovics mit der Hochzeit zu Kana. Maria habe die Not des Brautpaares wahrgenommen und gehandelt. Auch heute brauche Europa Menschen, die nicht wegsehen, sondern Verantwortung übernehmen – für den Schutz des Lebens von Anfang bis zum Ende, für Solidarität und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Mit Sorge sprach der Bischof über wachsenden Populismus, Spaltung und Fremdenfeindlichkeit in Europa. Gerade Luxemburg als europäisches Zentrum und Geburtsort Robert Schumans erinnere daran, dass die europäische Einigung auf christlichen Werten wie Frieden, Versöhnung und Menschenwürde beruhe.

Schließlich rief der Eisenstädter Bischof dazu auf, wie Maria hinauszugehen zu den Menschen. Christlicher Glaube dürfe sich nicht auf den Kirchenraum beschränken, sondern müsse sich im Alltag bewähren. Dabei griff er Gedanken des verstorbenen Erfurter Bischofs Joachim Wanke auf und übersetzte die Werke der Barmherzigkeit in die Gegenwart: zuhören, begleiten, teilen, gut übereinander reden und füreinander beten.

MARTINSKREUZ ALS ZEICHEN EUROPÄI-SCHER ERINNERUNG UND VERBUNDENHEIT
Zum Abschluss vertraute Bischof Zsifkovics die Menschen in Luxemburg und im Burgenland erneut der Fürsprache der „Trösterin der Betrübten“ an. Gerade in einer Zeit großer Unsicherheiten könne Maria helfen, Menschsein und Christsein glaubwürdig zu leben – im Hören, Hinschauen und im Dienst am Nächsten. Als Dank für die Einladung überreichte Bischof Ägidius dem Erzbistum Luxemburg ein Martinskreuz mit einem Stück des Eisernen Vorhangs, als Andenken daran, dass seine Diözese einst an die Ostblockländer Slowakei, Ungarn und Slowenien angrenzte. Bischof Zsifkovics war auch Teilnehmer der traditionellen Abschluss-Prozession, an der auch das Luxemburger großherzogliche Paar, Großherzog Guillaume und Großherzogin Stéphanie, teilnahm.

BODO BOST / KAP / RED

Autor:

martinus Redaktion aus Burgenland | martinus

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