50 Jahre Internationale Bludescher Orgelkonzerte
Schneller als jeder Torjäger

Bruno Oberhammer ist seit 50 Jahren künstlerischer Leiter der Bludescher Orgelkonzerte.
2Bilder
  • Bruno Oberhammer ist seit 50 Jahren künstlerischer Leiter der Bludescher Orgelkonzerte.
  • Foto: Oberhammer
  • hochgeladen von KirchenBlatt Redaktion

Zeitlos schön und immer wieder aufs Neue begeisternd, das ist die Orgel. Warum das so ist, das lässt sich beispielsweise bei den Bludescher Orgelkonzerten erleben, die heuer ihren 50-er feiern.

Die Fragen stellte Veronika Fehle

Heuer finden die Bludescher Orgelkonzerte zum 50. Mal statt. Auf Ihre Initiative hin ist das Festival entstanden. Was waren Ihre Beweggründe?
Prof. Bruno Oberhammer: Da waren mehrere Überlegungen ausschlaggebend: Der damalige Bludescher Pfarrer, Dr. Fridolin Walser, war ein sehr offener, sehr kunstsinniger Mensch; ohne ihn wären die Bludescher Orgelkonzerte niemals Realität geworden. Der kürzlich verstorbene Wirtschaftswissenschafter und Historiker Dr. Guntram Jussel hatte eine enorme Managementbegabung; er war der „Mann vor Ort“. Die Bludescher St. Jakobskirche ist der erste wirklich bedeutende Sakralbau der Bregenzerwälder Barockbaumeister. Die uralte St. Nikolauskirche in Bludesch-Zitz ist seit dem Abschluss der viele Jahre dauernden und nur dank der Hartnäckigkeit von Dr. Guntram Jussel durchgeführten Restaurierungsarbeiten auch „Spielstätte“ eines der vier alljährlichen Konzerte. Wo gibt es das: Drei Kunstdenkmäler internationalen Ranges auf kleinem Platz versammelt?

Was macht die Bergöntzle-Orgel so einzigartig?
Prof. Oberhammer: Die Orgel in der Bludescher St. Jakobskirche ist das dritte der Bludescher Kunstdenkmäler, welche weit übers Land hinaus strahlen. Wenn ein solches Instrument nicht auch konzertant eingesetzt wird, bleibt es als etwas Besonderes nicht im Bewusstsein der Menschen. Allein schon die Historizität dieser Orgel macht sie zu einem Unikat: Gebaut vor etwa 260 Jahren in der berühmten Straßburger Silbermann-Werkstätte, auf dem Karrenweg um 1800 von Ostfrankreich nach Bludesch transportiert und vom Meister Joseph Bergöntzle nach Ausbesserung der unvermeidbaren Transportschäden in die St. Jakobskirche eingebaut.

Organist/innen gibt es nie genug. Wie wichtig ist es, hier bewusstseinsbildend und nachwuchsfördernd am Ball zu bleiben?
Prof. Oberhammer: Die Orgel, die Orgelliteratur beinhalten ein mächtiges pastorales Potential, das in der Liturgie viel mehr eingesetzt und genutzt werden sollte! Meiner Erfahrung nach muss schon hier Bewusstseinsbildung ansetzen: Orgel, Orgelspiel, Orgelmusik, das sind Bereiche, welche ins Transzendente zu verweisen vermögen. Man muss sich auf den Kosmos dieses Instrumentes einlassen, dann aber wird man reichlichst beschenkt. Das gilt auch hinsichtlich der Gesundheit: es gibt kein weiteres Instrument, das den Spieler so fordert und damit auch fördert. Ein Beispiel: Der virtuose Organist muss weitaus schneller trippeln können als der beste Fußballspieler!

Wenn Sie auf die vergangenen 50 Jahre zurückblicken, was waren Ihre persönlichen Highlights?

Prof. Oberhammer: Da gab es bei den Bludescher Konzerten im Laufe ihrer 50 Bestandsjahre viele. Mir fallen spontan ein: die Aufführung aller Motetten von Johann Sebastian Bach, die Aufführung seines „Musikalischen Opfers“, die zyklische Aufführung der Geistlichen Konzerte von Heinrich Schütz, die Aufführung der „Marienvesper“ von Claudio Monteverdi, Uraufführungen von Gerold Amann, Helmut Sonderegger, Murat Üstün ... Und immer wieder Gregorianischer Choral.

Welchen Wunsch würden Sie sich für die Orgelkonzerte in Bludesch gerne erfüllen?
Prof. Oberhammer: Dass diese Konzertreihe weiterhin Bestand haben kann, dass sie weiterhin im Sinne einer „Leuchtturm-Funktion“ strahlen und damit vielen Menschen Freude bereiten kann. «

Das Interview in gesamter Länge lesen sie hier.

Bludescher OrgelkonzerteKatholische Kirche Vorarlberg / Simone RinnerKatholische Kirche Vorarlberg / Simone Rinner

  • 12. Juli: „Der Ruf des Augenblicks“: Prof. Renate-Maria Bauer (Texte) und Bianca Riesner (Violoncello): Werke von Johann Sebastian Bach, Texte von Rainer-Maria Rilke, David Steindl-Rast, Walter L. Buder
  • 13. September: Prof. Franz Pfab (Orgel), Susanne Mattle (Violine) und Benjamin Berweger (Tenor)
  • 25. Oktober: Prof. Bruno Oberhammer (Orgel), Oliver Biedermann, Daniel Huber, Gabriel-Maria Morre, Thomas Vötterl (Trompeten)
    Alle Konzerte finden jeweils um 17 Uhr in der Jakobskirche Bludesch statt.
Bruno Oberhammer ist seit 50 Jahren künstlerischer Leiter der Bludescher Orgelkonzerte.
Die Bergöntzle-Orgel in der Pfarrkirche zum hl. Jakobus dem Älteren in Bludesch.
Autor:

KirchenBlatt Redaktion aus Vorarlberg | KirchenBlatt

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen